Strafbefehle
Frittieröl, Gülle, Zigarettenstummel: Aargauer verschmutzen die Umwelt und werden bestraft

Ein Sattelschlepper verteilt Frittieröl über die Strasse – ein ungewöhnlicher Vorfall, aber nicht der einzige, bei dem die Aargauer Staatsanwaltschaft in letzter Zeit einen Strafbefehl ausgestellt hat.

Dominic Kobelt
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Ein Bauer im Freiamt brachte Gülle mit Hilfe eines Schleppschlauchs auf seinem Feld aus – zu spät bemerkte er ein Leck in der Zufuhr.

Ein Bauer im Freiamt brachte Gülle mit Hilfe eines Schleppschlauchs auf seinem Feld aus – zu spät bemerkte er ein Leck in der Zufuhr.

Symbolbild: Philipp Unterschütz

Am 22. Februar fuhr ein Sattelschlepper durch Wettingen, geladen hatte er Frittieröl. Da der Druckluftschieber nicht ganz geschlossen war, schwappte Öl auf die Strasse, wo es diese «massiv verschmutzte», wie es in einem Strafbefehl heisst, der kürzlich rechtskräftig wurde.

«Auf seinem gesamten Fahrweg bis nach Rudolfstetten verlor der Beschuldigte bei entsprechenden Steigungen insgesamt 100 bis 200 Liter Öl.» Glück im Unglück: Das Öl gelangte zu keinem Zeitpunkt ins Grundwasser, da es von der Feuerwehr rechtzeitig gebunden werden konnte.

Trotzdem muss der Aargauer Chauffeur eine Busse über 400 Franken bezahlen, weil er sich nicht versichert hat, dass die Ladung genügend gesichert ist. Hinzu kommen Strafbefehlsgebühren und Polizeikosten, womit er fast 1000 Franken bezahlen muss.

Sie warf die Zigarette aus dem Fenster – doch das war nur der Anfang

Auch eine Spanierin, wohnhaft in Spreitenbach, hat gegen das Bundesgesetzgebung über den Schutz von Umwelt und Gewässer verstossen, allerdings wegen Littering. Sie fuhr in einer Nacht im Juni nach Hause und warf bei langsamer Fahrt einen Zigarettenstummel aus dem Fenster. Die Polizeistreife bemerkte sie wohl nicht, denn sie bog danach ab, ohne den Blinker zu setzen.

Weil die darauf folgende Kontrolle auch noch einen Alkoholwert von 0,86 Promille ergab, hat die Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe über 600 Franken verhängt. Schwerer wiegt aber die Busse über 1200 Franken, Strafbefehlsgebühren über 800 Franken und Auslagen von 195 Franken – insgesamt muss die Frau 1835 Franken hinblättern.

Gülle läuft in Bach – Feuerwehr muss ausrücken

Auch ein Freiämter Bauer hat die Umwelt verschmutzt; ihm ist im Mai ein Missgeschick passiert. Er brachte Jauche mit einem Schleppschlauch aus, bemerkte aber zu spät, dass der Zufuhrschlauch einen 15 Zentimeter langen Riss aufwies. Deshalb flossen etwa zwei bis drei Kubik Jauche in einen Bach.

Als der Bauer das Leck am Schlauch entdeckte, verständigte sein Sohn die Feuerwehr. Diese richtete 300 Meter nach dem Einlauf der Jauche eine Sperre ein und pumpte das verschmutzte Wasser ab. Die Proben oberhalb der Sperre zeigten eine Konzentration an Ammonium und gelöstem organischen Kohlenstoff, «die die gesetzlichen Anforderungen um ein Vielfaches überschritten». Unterhalb war die Konzentration geringer, dennoch wurde auch hier der erlaubte Wert «deutlich überschritten».

Die Kantonspolizei stellte bei ihrem Einsatz fest, dass das Problem bei einer mobilen Leitung bestand, die in unmittelbarer Nähe zum Gewässer durch Gehölz führt. «Diese Leitung bleibt über das ganze Jahr dort liegen und ist etwa sieben Jahre alt, zum grössten Teil im unmittelbaren Einzugs- und Schutzbereich des Kanals.»

Der Bauer hätte also entweder diese Stelle während des Pumpvorgangs überwachen müssen oder «das mobile Leitungsteil aus dem unübersichtlichen Gehölz und aus der Nähe des Gewässers wegziehen». Es resultiert eine bedingte Geldstrafe über 1800 Franken, eine Busse über 450 Franken und Strafbefehlsgebühren von 800 Franken. Mit den Polizeikosten kommt den Bauer das Malheur auf 1295 Franken zu stehen.