Kontrolle

Strafregisterauszug ist für angehende Pfarrer ab sofort obligatorisch

Missbrauch von Kindern - ein dunkles Kapitel der katholischen Kirche (Symbolbild)

Die Reformierte Landeskirche Aargau setzt seit Anfang Jahr umfangreiche Massnahmen zum Schutz vor sexuellen Übergriffen um.

An der Missbrauchskonferenz in Rom hat Papst Franziskus Kindesmissbrauch zwar scharf verurteilt. Aber konkrete Massnahmen, wie die versprochene «Null-Toleranz» gegen sexuellen Missbrauch umgesetzt werden kann, hat der Papst kaum aufgezeigt. Entsprechend enttäuscht und empört reagierten Betroffene und Opferverbände. Auch im Bistum Basel, zu dem der Kanton Aargau gehört, sind von der katholischen Kirche vorderhand nur wenig konkrete Massnahmen zu erwarten. Immerhin wird nun die Koordination der Anstellungsprozesse zwischen Bistum, Kirchgemeinden und Landeskirchen überprüft. Denn ein Fall «Riehen» soll sich nicht wiederholen: Dort sollte mit Wissen von Bischof Felix Gmür ein Priester zum Pfarrer gewählt werden, der wegen sexueller Handlungen mit einem Jugendlichen verurteilt worden und einst auch im Aargau tätig war.

Ganz anders packen die Reformierten im Kanton das heikle Thema an: Seit Anfang 2019 setzt die Reformierte Landeskirche Aargau ein Programm um, das die Präventionsarbeit zu Grenzverletzungen und sexuellen Übergriffen in der Kirche deutlich verstärkt. Dazu gehören eine Reihe von Massnahmen: Alle angestellten kirchlichen Mitarbeitenden, die mit Kindern, Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen zu tun haben, müssen obligatorische Schulungen absolvieren und alle vier Jahre einen Sonderprivatauszug einreichen.

Bei der Wahl bzw. Anstellung im Pfarramt und in der Sozialdiakonie ist ein Strafregisterauszug Pflicht. Alle Angestellten und auch freiwillige und ehrenamtliche Mitarbeitende in diesem Tätigkeitsbereich werden durch einen Verhaltenskodex für die Thematik sensibilisiert und müssen eine Verpflichtungserklärung unterzeichnen.

In der kirchlichen Arbeit komme es zu zahlreichen Situationen, in denen die bewusste Gestaltung von Nähe und Distanz zentral ist – «sei es in der Seelsorge, in Lagern und Weekends sowie generell bei Angeboten für Kinder und Jugendliche», erläutert Frank Worbs, der Informationsbeauftragte der Reformierten Landeskirche Aargau.

Freiwillige Schulung reicht nicht

Mit den früheren freiwilligen Schulungen wurde nur ein beschränkter Kreis von kirchlichen Mitarbeitenden erreicht. Deshalb beschloss die Synode im Juni 2018, dass alle angestellten kirchlichen Mitarbeitenden, die mit Kindern, Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen zu tun haben, eine ganztägige obligatorische Schulung besuchen und alle vier Jahre einen zusätzlichen Aufbaukurs durchlaufen müssen. In den Schulungen gehe es einerseits um Risikosituationen im kirchlichen Alltag und präventive Massnahmen, andererseits um Opfersituationen und Täterstrategien und um das korrekte Verhalten bei Verdacht und konkreten Vorwürfen, sagt Worbs.

Seit Anfang Januar 2019 wurden in vier Kursen bereits 265 kirchliche Angestellte geschult. Nach dem vorerst letzten Kurs am 7. März werden voraussichtlich 309 kirchliche Mitarbeitende, 186 Frauen und 123 Männer der Reformierten Landeskirche, in diesem Themenbereich sensibilisiert und geschult sein, heisst es in der Medienmitteilung der Landeskirche. Man habe bewusst jetzt über die Massnahmen informiert, sagte Frank Worbs: «Das Thema beschäftigt die Menschen und hat durch den Missbrauchsgipfel nochmals für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt.»

Gründliche Prüfung

Auch freiwillige und ehrenamtliche Mitarbeitende, die bei den Reformierten mit Kindern und Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen zu tun haben, sollen für das Thema sensibilisiert werden. Dazu wird ein Verhaltenskodex zu in den Schulungen besprochenen Situationen erarbeitet und eine Verpflichtungserklärung, die von den betreffenden Mitarbeitenden unterzeichnet werden muss.

Ausserdem müssen alle Mitarbeitenden, die mit Kindern und Jugendlichen Kontakt haben, seit Anfang 2019 einen Sonderprivatauszug vorlegen, der ein allfälliges Tätigkeitsverbot oder ein Kontakt- und Rayonverbot zum Schutz von Minderjährigen oder anderen schutzbedürftigen Personen ausweist. Dieser muss alle vier Jahre erneuert werden. Bei der Bewerbung beziehungsweise vor der Wahl müssen Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Sozialdiakone und Sozialdiakoninnen einen Strafregisterauszug vorlegen.

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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