Strategie
Massentests im Aargau: Zuerst nur als Pilotversuch für 100 Schulklassen, später für die ganze Kantonsbevölkerung?

Nach den Sportferien sollen Schüler und Heimbewohner systematisch auf Corona getestet werden. Vorerst sind Pilotversuche in wenigen Schulen und Heimen vorgesehen, doch die Kantonsärztin fasst auch Massentests für die ganze Bevölkerung ins Auge.

Fabian Hägler
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Bald sollen an Schulen und Pflegeinstitutionen systematisch Massentests durchgeführt werden.

Bald sollen an Schulen und Pflegeinstitutionen systematisch Massentests durchgeführt werden.

Britta Gut

Bei mehr als der Hälfte aller Covid-Infektionen wird die Krankheit von Personen übertragen, die selber keine Symptome aufweisen - davon geht der Bundesrat aus. Um die Zahl solcher Infektionen zu senken und die Ausbreitung der Pandemie zu bremsen, erlaubt der Bund neu Tests von asymptomatischen Personen und übernimmt die Kosten dafür.

In einer Mitteilung, die am Freitagmittag per E-Mail verschickt wurde, forderte die SP das Aargauer Gesundheitsdepartement auf, ein Konzept für Massentests vorzulegen. Diese sollten nach den Sportferien an den Schulen durchgeführt werden, um weitere Schliessungen wie zuletzt in Mellingen und zuvor in Turgi zu verhindern.

Pilotphase: Vier bis sechs Schulen mit 100 Klassen

Gut vier Stunden später wurde die SP-Forderung erfüllt, der Kanton teilte mit, dass nach den Sportferien erste Massentests an Schulen stattfinden. Es ist nicht anzunehmen, dass der Kanton auf das SP-Anliegen reagierte, doch das Bildungsdepartement und der Kantonsärztliche Dienst lancieren «ein Projekt mit zeitnahen Pilotversuchen».

In der ersten Phase sind Tests an vier bis sechs Schulstandorten mit rund 100 Klassen geplant. Dazu kommen die Bewohner von drei Betreuungsinstitutionen und fünf Heimen. Insgesamt sollen wöchentlich 3000 bis 4000 Tests durchgeführt werden.

Spucktests sind für Schüler freiwillig

Die Teilnahme ist freiwillig, zum Einsatz kommen Spucktests, diese werden im Wochenrhythmus wiederholt. Die Massentests sollen laut dem Kanton möglichst effizient und einfach durchgeführt werden. Mittel- und längerfristig sollen die Tests autonom vor Ort vorgenommen werden können.

Die Durchführung müssen die Schulen und Heime selber organisieren, so müssen zum Beispiel die Eltern ihre Einwilligung zum Testen ihrer Kinder geben. Wo die Massentests stattfinden, ist offen. Das Bildungsdepartement evaluiert und kontaktiert mögliche Schulen. Ob es dort schon einen Corona-Ausbruch gegeben hat, ist laut Kantonsärztin Yvonne Hummel kein Kriterium für die Auswahl einer Schule.

Heimvertreter dagegen, Lehrerpräsidentin dafür

Bei den Vertretern von Heimen und Schulen kommt die Massentest-Strategie des Kantons unterschiedlich an. Andre Rotzetter, Präsident der Aargauer Pflegeinstitutionen, hatte letzte Woche seine Vorbehalte angebracht. Besucher könnten nicht 24 Stunden auf das Ergebnis eines Speicheltests warten, für die Bewohner sei es kaum zumutbar, sich regelmässig den unangenehmen Rachen- oder Nasenabstrichen zu unterziehen.

Kathrin Scholl, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, hatte sich für Massentests ausgesprochen. Damit könnten Schulschliessungen oder Quarantäne ganzer Klassen verhindert werden, argumentierte sie.

Ausweitung auf die ganze Bevölkerung vorgesehen

Bei den Massentests in ein paar wenigen Schulen und Heimen soll es im Aargau nicht bleiben. Nach den Pilotversuchen sei die Erweiterung auf zusätzliche Institutionen vorgesehen, später plant der Kanton flächendeckende Tests in Schulen und sozialmedizinischen Institutionen.

Dafür wären pro Woche zwischen 100000 und 125000 Tests nötig. Dies bringe einige «prozessuale, organisatorische und logistische Herausforderungen mit sich, neben der praktischen Durchführung auch bei der Datenerhebung und -verarbeitung», hält der Kanton fest.

Dennoch fasst Kantonsärztin Yvonne Hummel bereits eine Ausdehnung der Massentests auf Angestellte in Betrieben und später auf die Gesamtbevölkerung ins Auge. Wann dies passieren soll, lässt Hummel offen. «Eine Ausweitung ist vorgesehen, wenn der Pilotversuch positiv verläuft. Die Pandemie verlangt eine gewisse Anpassungsfähigkeit, weshalb wir uns alle Optionen offenhalten.»



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