Fall Carlos

SVP-Burgherr: «Könnte mir vorstellen, Carlos zu beschäftigen» – wie ernst meint er das?

Ein Facebook-Eintrag von SVP-Hardliner Thomas Burgherr lässt aufhorchen: Er lästert gegen die Kuschel-Justiz und ist der Meinung, dass viele Problemfälle mit «harter Arbeit» gelöst werden könnten – etwa jener von Carlos.

Ein Facebook-Eintrag von SVP-Hardliner Thomas Burgherr lässt aufhorchen: Er lästert gegen die Kuschel-Justiz und ist der Meinung, dass viele Problemfälle mit «harter Arbeit» gelöst werden könnten – etwa jener von Carlos.

Wie ernst meint es Zimmermeister und SVP-Nationalrat Thomas Burgherr wirklich mit einer Anstellung in Richtung des renitenten Straftäters Carlos? Wir haben nachgefragt.

Nationalrat Thomas Burgherr (SVP) postete diese Zeile am Montag auf Facebook als Reaktion auf die neusten Schlagzeilen im Fall «Carlos». Der junge Mann hat während seiner Haft erneut randaliert, zudem griff er mehrere Wärter an und verletzte sie.

Wie ernst meinen Sie Ihre Aussage, «Carlos» bei sich einzustellen?

Thomas Burgherr: Ich meine das symbolhaft. Carlos ist nun 21 Jahre alt und seit drei Jahren im Gefängnis oder in Organisationen, auf jeden Fall ist er eingesperrt. Aus meiner Sicht hat die Kuschel-Justiz in diesem Fall total versagt. Aus eigener Erfahrung in meinem Betrieb weiss ich, dass junge Leute eine Beschäftigung und einen klaren Tageablauf benötigen, dass sie eine Bestätigung finden und dass die Arbeit einen Teil ihres Lebensinhalts werden kann. Wenn das alles gegeben ist, bin ich überzeugt, dass es mit einem Menschen nicht so weit kommt, wie es mit «Carlos» gekommen ist.

Können Sie sich tatsächlich vorstellen, dass «Carlos» bei Ihnen in der Zimmerei eine Ausbildung macht?

Das könnte ich mir gut vorstellen. Aber heute, in seiner Situation, wäre das nicht möglich. Er ist ein gefährlicher Mensch geworden. Ich gehe davon aus, dass er die Veranlagung schon immer hatte, doch wenn man mit ihm richtig umgegangen wäre, wäre das aus meiner Sicht anders herausgekommen.

Es wäre ja nicht der erste «Problemfall», den Sie in Ihrem Betrieb aufnehmen würden.

Ja, das stimmt, wir haben schon mehreren Personen geholfen. Zum Beispiel einem jungen Brasilianer, der über 15 Jahre in der Schweiz lebte und durch einen Unfall schwere körperliche Probleme bekam. Der Mann musste die Bauschule unterbrechen und kam mit Drogen und der Polizei in Kontakt. Wir haben den jungen Mann in unserer Firma aufgenommen, gaben ihm Arbeit und haben ihn betreut. Er erhielt dadurch wieder einen Tagesablauf, einen Lebensinhalt und auch tägliche Bestätigung, weil er bei uns arbeiten konnte. Das war wichtig für ihn. Er konnte dadurch einen Teil seines Lebensunterhalts verdienen. Er wurde innerhalb kürzester Zeit ein anderer, besserer Mensch und hat sich in den eineinhalb Jahren, in denen er bei uns war, gut entwickelt. Nun geht es ihm gut, er lebt wieder in Brasilien und wird, laut seinem letzten Mail, nun selber eine Zimmerei eröffnen.

Leute wie «Carlos» sind schwierig bis unbelehrbar, warum sollte ein Unternehmer schaffen, was die Justiz nicht schafft?

Die Wirtschaft hat da sicherlich eine Verantwortung in unserer Gesellschaft, einem grossen Teil dieser Verantwortung kommt sie auch nach. Mein Vater hat immer auch Menschen angestellt, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen. Es ist wichtig, dass wir diese Leute auch heute, in unserem auf Leistung getrimmten System, integrieren können. Es gibt natürlich auch eine Holschuld von ihnen, sie müssen mitmachen.

Wenden Sie sich nun an die Justiz mit der Bitte, «Carlos» bei Ihnen Probe arbeiten zu lassen?

Nein, mit «Carlos» würde das sicherlich schwierig bis unmöglich. Ich wollte aber einfach aufzeigen, dass die Wirtschaft da Hand bieten kann, auch bei solchen Problemfällen.

Ist man schon auf Sie zugekommen, mit der Bitte, einen Problemfall zu beschäftigen?

Ja. Wir hatten im letzten Jahr einen jungen Mann angestellt, der über eine Versicherung an uns verwiesen wurde. Mit ihm haben wir eine für alle Seiten gute Lösung erarbeiten können.

Sie gelten gemeinhin als «harter Hund», doch nun zeigen Sie eine ganz andere Seite von sich, wie kommt das?

Ich bin sozial. Aus meiner Sicht ist jeder Arbeitgeber sozial, denn wir bieten Arbeitsplätze an, das ist etwas Soziales. Ich will, dass es den Arbeitern im Geschäft gut geht. Wenn wir als Unternehmen Erfolg haben, so sollen es auch die Mitarbeitenden zu spüren bekommen und daran teilhaben. Das motiviert die Mitarbeitenden wieder zusätzlich und lässt sie mit Freude die Arbeit erledigen.

Wie würden Sie im Fall «Carlos» zwischen Verwahren oder Arbeiten entscheiden?

Es müsste Richtung Arbeit gehen. Ich würde zuerst mit diesem Mann reden und schauen, wie er auf meine Ideen reagiert. Danach könnte man sagen, wir versuchen es. Natürlich immer mit den nötigen Sicherheitsmassnahmen, denn wie gesagt, dieser Mann hat ein grosses Gewaltpotenzial in sich.

Bräuchte er auf der Baustelle einen speziellen Aufpasser?

Wenn er zu uns käme, dann wäre er zuerst unter meiner Aufsicht, dass ich sehen könnte, wie er sich verhält.

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