«Talk Täglich»
«Keine Zeit mehr»: SVP-Burgherr fordert Lockdown-Stopp – «Sand in die Augen» kontert FDP-Freiermuth

Bald soll es Lockerungen geben. Da sind sich die Aargauer Bürgerlichen einig. Aber wie gelockert werden soll, gehen die Meinungen auseinander. Die Aargauer FDP greift die SVP sogar frontal an und kritisiert auch die beiden SVP-Regierungsräte. Die grosse Debatte, im «TalkTäglich».

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Die ganze Sendung «Talk Täglich» im Video

Tele M1

«Wir haben keine Zeit mehr. Wollen wir noch bis im Mai weiterschlafen?» fragte SVP-Nationalrat Thomas Burgherr am Dienstagabend im «Talk Täglich». Er unterstrich damit die Forderung des SVP-Inserats, das unlängst veröffentlicht wurde. «Bürgerliche Aargauer Politiker fordern: Lockdown sofort stoppen!», so lautete der Titel.

Sabina Freiermuth.

Sabina Freiermuth.

zvg

Von der FDP und Die Mitte hat allerdings niemand unterschrieben. Dies obwohl sie sogar angefragt wurden, wie Sabina Freiermuth, Grossrätin Fraktionschefin der FDP Aargau, ebenfalls im «Talk Täglich» bestätigte. «Es sind komplett unrealistische Forderungen», so Freiermuth. Darum sei man nicht dabei. Es sei eine andere Situation als noch vor Weihnachten; damals habe der Kanton Aargau den Entscheid im Alleingang getroffen. Genauer gesagt, seien die beiden SVP-Regierungsräte (Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati und Bildungsdirektor Alex Hürzeler) gewesen, wie Freiermuth weiterhin ausführte.

Thomas Burgherr.

Thomas Burgherr.

Keystone

«Nein, das war die Gesamtregierung» entgegnete Burgherr. Allerdings habe er diesen Alleingang ebenfalls nicht geschätzt. Nach den Schliessungen im Aargau seien die Menschen eben in anderen Kantone ausgewichen. «Exekutivpolitiker enttäuschen mich», so Burgherr weiter, «sie agieren nur aus der Angst heraus.» Zudem würden diese die Demokratie ausschalten. «Sie bestimmen für die gesamte Schweiz: Du darfst arbeiten, du nicht.»

Lieber Schutzkonzepte als Lockdown

Der Lockdown nütze allerdings nicht, wie sich gezeigt habe. Länder mit dem stärksten Lockdown, wie England oder Italien, hätten auch die grösste Übersterblichkeit. Man müsse nun wieder zur Tagesordnung zurück. Deswegen gebe es auch nicht mehr Tote, so Burgherr weiter.

Was aber funktioniert hätte, seien die Schutzkonzepte. Läden und Restaurant müssten nicht geschlossen sein. «Wir versuchen mit dem Inserat Druck aufzubauen.» Dies habe bereits Wirkung gezeigt: der Bundesrat diskutiere nun über Lockerungsschritte.

Alles auf einen Schlag zu öffnen, funktioniere aber nicht, widersprach Freiermuth. Es müsse schrittweise gehen. Auf die Frage von Moderator Rolf Cavalli, wie das konkret aussehe, sagte die FDP-Fraktionschefin: «So öffnen, wie es geschlossen wurde.» Zuerst seien die Läden an der Reihe, denn das sei eine Ungerechtigkeit. Und weiter:

«Dort kann ich Wolle kaufen und dort nicht. Das zermürbt die Menschen. Sie brauchen eine Perspektive.»

Alle Massnahmen sofort zu beenden, hiesse Sand in die Augen der Leute zu streuen.

Keine Impfprivilegien durch den Staat

Beim Thema Impfen herrschte weitestgehend Einigkeit zwischen der FDP und der SVP. Risikogruppen müssten möglichst rasch gegen das Coronavirus geimpft werden. Dass der Bundesrat zu hoch gepokert habe, sei schade, sagt Burgherr. Nun habe man eben zu wenig Impfstoffe.

Eine Zweiklassengesellschaft durch mögliche Privilegien für Geimpfte lehnten beide Politiker dagegen ab. Es sei nicht Aufgabe des Staates, so Freiermuth, dies zu regeln. Der Wirtschaft stehe dies allerdings frei. Dem pflichtete auch der SVP-Nationalrat bei. Dessen Aussage, dass er – wenn er eine 25-jährige gesunde Frau mit Kinderwunsch wäre – sich das mit dem Impfen zweimal überlegen würde, konnte die FDP-Grossrätin jedoch nicht teilen. (phh)

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