Tötungsdelikt
Mord in Killwangen: Der Täter wehrt sich gegen die 17-jährige Gefängnisstrafe

Das Bezirksgericht Baden hatte den Mann, der 2019 den Onkel seiner Frau in Killwangen erstochen hatte, zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt. Dagegen wehrt sich der Beschuldigte. Er hat den Fall ans Obergericht weitergezogen.

Raphael Karpf
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Der Mann hat laut Bezirksgericht Baden den Onkel seiner Frau erstochen.

Der Mann hat laut Bezirksgericht Baden den Onkel seiner Frau erstochen.

Tele M1

Vor rund einem Monat fällte das Bezirksgericht Baden sein Urteil. Der Mörder von Killwangen muss 17 Jahren ins Gefängnis. Der Familie des Opfers muss er rund 650'000 Franken bezahlen.

Gegen diese Strafe wehrt sich der Beschuldigte. Er hatte die ganze Zeit über behauptet, den Mord nicht begangenen zu haben und hatte einen Freispruch gefordert. Nun hat er das Urteil angefochten. Damit wird der Fall das Aargauer Obergericht beschäftigen. Der Termin für die Verhandlung muss noch festgelegt werden.

Der Mann hatte laut Bezirksgericht Baden den Onkel seiner Frau erstochen. In der Nacht des 5. Mais 2019 soll er ihm von Schlieren nach Killwangen gefolgt sein. Vor dem Haus des Opfers sei es zum Streit gekommen und er habe mehrfach auf ihn eingestochen. Das Opfer konnte sich noch ins Haus retten, wo er zuerst von seiner Frau und später von der Ambulanz gepflegt wurde. Wenig später starb der Mann aber im Spital.

Wieso der Beschuldigte das getan haben soll, ist unbekannt. Das fehlende Motiv war für das Urteil des Gerichts aber nicht entscheidend. Auch nicht, dass der Beschuldigte seine Unschuld beteuerte. Die Richterinnen und Richter stützten ihr Urteil auf zahlreiche Beweise ab.

Gericht stützte Urteil auf zahlreiche Indizien ab

So war das Opfer in der Tatnacht von einem grauen Kombi verfolgt worden. Ein ebensolches Auto hatte der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt. In seinem Wagen wurden später Blutspuren gefunden. Das Handy des Beschuldigten wurde in der Tatnacht in Schlieren geortet. Und der Beschuldigte hatte das Opfer vor der Tat von seinem Handy aus via Fake-Facebook-Profile kontaktiert gehabt.

Und nicht zuletzt hatte der Beschuldigte immer wieder seine Geschichte geändert. Zuerst hatte er behauptet, in der Tatnacht zu Hause gewesen zu sein. Als klar wurde, dass das nicht stimmen konnte, behauptete er, in einem Gartenhäuschen etwas entfernt gewesen zu sein, dort habe er sich mit Prostituierten vergnügt.

Und als ihm eröffnet wurde, dass sowohl sein Auto als sein Handy in Schlieren geortet wurden, hatte er behauptet, den Wagen und seine SIM-Karte (nur die SIM-Karte, nicht das ganze Handy) einer Frau gegeben zu haben, die ihm die Prostituierten vermittelt hätte, und die dann in der Tatnacht herumgefahren sei.

Doch auch diese Version konnte nicht stimmen, belegten Techniker doch, dass die SIM-Karte einzig vom Handy des Beschuldigten aus benutzt wurde, und von keinem anderen aus. Auch konnte der Beschuldigte keinerlei Hinweise liefern, wer die Frau sein sollte, die ihn entlasten würde, oder ob es diese überhaupt gibt. Oder in den Worten der Richter:

«Diese Geschichte erachten wir als derart abstrus, dass es nur als lebensfremd bezeichnet werden kann, dass es sich so abgespielt haben soll.»