Tourismus
Zwischen Löwen und Bären: So wollen sich Aargau und Solothurn gemeinsam gegen die grossen Regionen behaupten

Die Kantone Aargau und Solothurn haben sich zu einer Tourismusregion zusammengeschlossen. Damit möchte man zu einem bedeutenderen Player werden und sich gegen die grossen Regionen der Schweiz behaupten.

Dominic Kobelt
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Das Schloss Habsburg ist eine der grossen touristischen Attraktionen im Aargau.

Das Schloss Habsburg ist eine der grossen touristischen Attraktionen im Aargau.

Zvg

«Wir sind im Sandwich zwischen Zürich, Bern und Basel. Aber bekanntlich ist ja die Mitte des Sandwichs immer das Beste», erklärte Kathrin Scholl, Verwaltungsratspräsidentin von Aargau Tourismus, an einer Medienorientierung vom Dienstagabend. Mit «wir» meinte sie die Kantone Aargau und Solothurn, die neu als gemeinsame Ferienregion auftreten.

Die kantonalen Organisationen bleiben eigenständig, man habe sich aber in einem Kooperationsvertrag zum gemeinsamen Dachmarketing verpflichtet, erklärten die Verantwortlichen an der Pressekonferenz. «Wir können Synergien nutzen und touristische Aktivitäten in beiden Kantonen nachhaltig weiterentwickeln», sagte Scholl. «Die touristischen Perlen der beiden Regionen ergänzen sich ideal und tragen dazu bei, dem Freizeit-, Wellness- und Kulturtourismus im Mittelland ein unverwechselbares Gesicht zu geben.»

Tourismus im Aargau: «Es gab auch kritische Stimmen, die nicht an den Erfolg glaubten»

Andrea Portmann, frühere Direktorin von Aargau Tourismus, die das Projekt mitentwickelt hat, konkretisierte: «Es reicht nicht, eine gemeinsame Region zu haben, man muss auch entsprechende Produkte entwickeln. Dank der Partnerschaft können wir auf ein breiteres Angebot zurückgreifen.» Und Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus erwähnte die Aargauer Schulreiseplattform, an der künftig auch Solothurn angeschlossen werden soll.

Regierungsrat Dieter Egli wusste aus der Gründungszeit von Aargau Tourismus zu berichten, die seit 2015 besteht. «Es gab auch kritische Stimmen, die nicht an den Erfolg glaubten.» Es sei ein mutiger Schritt gewesen, den Aargau, der ja nicht ein Tourismus-Hotspot sei, als eigene Region zu positionieren. Diese Entwicklung solle nun gemeinsam weitergehen, erklärte Egli.

Nebst Regierungsrat Dieter Egli (l) überbrachten auch Birgit Wyss, Regierungsrätin aus Solothurn und Martin Nydegger, Chef von Schweiz Tourismus, der neuen Ferienregion ihre Glückwünsche.

Nebst Regierungsrat Dieter Egli (l) überbrachten auch Birgit Wyss, Regierungsrätin aus Solothurn und Martin Nydegger, Chef von Schweiz Tourismus, der neuen Ferienregion ihre Glückwünsche.

Dominic Kobelt

«Die Tourismusförderung ist mir als Volkswirtschaftsdirektor ein besonderes Herzensanliegen. Gerade in einem Kanton, in dem man manchmal verwundert angeschaut wird, wenn man von Tourismus redet – von Gästen, aber auch von Aargauerinnen und Aargauer», so der Volkswirtschaftsdirektor.

Römer, heisse Quellen und die Natur

Dass es den Tourismus im Aargau tatsächlich gibt, führte er anhand einiger Beispiele aus: «Die meisten Gäste sind aufgrund der Lage aus dem Businessbereich. Zudem locken aber auch die warmen Quellen.» Auch geschichtlich komme man in unserem Kanton auf seine Kosten; Egli erwähnte die Habsburger, die Römer, oder etwa die vielen Schlösser und Burgen.

Auch die Wellness-Therme im Fortyseven in Baden locken Touristen an.

Auch die Wellness-Therme im Fortyseven in Baden locken Touristen an.

Gianni Baumann

«Und daneben gibt es ja auch noch die Natur.» Dies sei seine Assoziation, wenn er an den Aargau und an Solothurn denke: Die Aare, die die Kantone verbinde, oder eine weitere Gemeinsamkeit, die Jurahöhen. «Sie merken, ich komme ins Schwärmen», sagte Egli mit einem Schmunzeln. Manchmal mache sich der Aargau zu unrecht klein neben den «Platzhirschen» – «oder vielleicht eher neben den Löwen, Bären und Steinböcken», so der Regierungsrat. Er hoffe, die Ferienregion Aargau Solothurn sei nicht nur ein Wendepunkt nach zwei schwierigen Jahren für den Tourismus, sondern ein Meilenstein.

Kann das Projekt in Coronazeiten den Betrieben helfen?

Dass es eine äusserst schwierige Zeit für den Tourismus ist, ist sich auch Portmann bewusst. Ist das nicht äusserst schwierig, jetzt mit einer neuen Ferienregion zu starten? «Wir wollen, Synergien zu nutzen. Und gerade in dieser Zeit ist es enorm hilfreich, wenn man von einem Partner profitieren kann.»

Klar sei aber auch, dass man durch diese neue Chance nicht aufholen könne, was in den letzten zwei Jahren an Einbussen hingenommen werden musste. «Was wir nicht machen dürfen ist auf die aktuellen Zahlen zu blicken und dann sagen, der Tourismus sei im Aargau nicht wichtig.» Sie spüre aber auch die Unterstützung, etwa durch die Regierung. «Zudem haben wir eine andere Motivation, wir können nicht auf grosse Erfolge zurückblicken, sondern müssen zuerst etwas aufbauen. Jetzt sind wir halt zusätzlich gefordert.»

Eine Million Logiernächte – wenn nicht gerade Corona ist

Da Aargau und Solothurn jetzt bei Schweiz Tourismus zusammen aufgeführt werden, überbrachte Martin Nydegger Chef von Schweiz Tourismus, einige Grussworte. «Ihr seid alle Millionäre geworden», erklärte er mit einem Schmunzeln und spielte damit auf die etwas mehr als eine Million Logiernächte an, die die beiden Kantone zusammen in einem normalen Jahr verbuchen können. Insgesamt umfasse das Gebiet 210 Hotelbetriebe. «Die Regionen ergänzen sich ausgezeichnet.»

Als Aktivitäten sind im Rahmen der Ferienregion vorerst gemeinsame Kampagnen von Schweiz Tourismus vorgesehen. In einer nächsten Phase sollen für die Gestaltung von Produkten weitere Vermarktungsplattformen genutzt werden. Aargau Tourismus und Kanton Solothurn Tourismus werden an der Egger Gewerbemesse im Kanton Zürich 29.4-1.5) erstmals als Tourismusregion gemeinsam auftreten.

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