Corona-Jahr
Trainer, Ärztin, Politikerin oder Banker: Diese acht Personen sind die «Aargauer Aufsteiger des Jahres» 2020

Wer viel Verantwortung übernehmen musste, wer in Bern ein Begriff ist und wer dem FCA neues Leben eingehaucht hat. Acht Aargauerinnen und Aargauer, die 2020 besonders ins Rampenlicht rückten.

Rolf Cavalli, Sebastian Wendel, Eva Berger, Fabian Hägler, Urs Helbling
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Stephan Keller, Andrea Haller und Yvonne Hummel.

Stephan Keller, Andrea Haller und Yvonne Hummel.

Bilder: Freshfocus / Instagram / Severin Bigler / Montage: chm_cri

«Zeit, darüber nachzudenken, bleibt mir nicht»

Viel Verantwortung: Kantonsärztin Yvonne Hummel.

Viel Verantwortung: Kantonsärztin Yvonne Hummel.

Severin Bigler

Am 10. Februar hatte Yvonne Hummel ihren ersten Arbeitstag als Kantonsärztin. Kurz darauf überschlugen sich die Ereignisse rund um Corona und sie stand mittendrin. Von einem Tag auf den anderen war sie die Verwaltungsangestellte mit der grössten Verantwortung. «Zeit, darüber nachzudenken, bleibt mir nicht», sagte die Medizinerin, die von einer Versicherung zum Kanton wechselte, schon im Frühling. Zusammen mit Jean-Pierre Gallati managt die 51-Jährige nun die Pandemie krise. Seit den Problemen beim Contact- Tracing ist Hummel auch Kritik ausgesetzt. Auch dafür bleibt ihr kaum Zeit. Denn eine Herausforderung jagt die nächste. Ob das nächste Jahr ruhiger wird?

«Der Typ ist verrückt, aber ein sehr guter Trainer»

Keller hat dem FCA neues Leben eingehaucht.

Keller hat dem FCA neues Leben eingehaucht.

KEYSTONE/URS FLUEELER

Im Sommer übernahm Stephan Keller (41) den FC Aarau – im Keller. Der Nachname des Trainers ist immer noch derselbe, doch der Klub vom Brügglifeld grüsst ein halbes Jahr später aus der Spitzengruppe der Challenge League – wachgeküsst vom unkonventionellen Charakterkopf. «Der Typ ist verrückt, aber halt einfach ein sehr, sehr guter Trainer», beschreibt ihn eine Person aus dem inneren Klubzirkel. Der FC Aarau steht wieder für Spektakel – wenn auch wegen Corona vorläufig leider noch ohne Zuschauer. Die aktuellen Leistungen des FCA sind grosses Verdienst von Keller, der beim FC Aarau seinem Namen keine Ehre macht – zum Glück!

«Briefe aus dem Lockdown»

Patti Basler zeigt ihren Blick auf die Krise.

Patti Basler zeigt ihren Blick auf die Krise.

Die Satirikerin und Slampoetin Patti Basler zeigt Corona den Mittelfinger und lässt sich von der Pandemie nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Die 44-Jährige hat noch vor dem Teil-Lockdown im März umgesattelt, alle Termine abgesagt und sich Neuem gewidmet. Sie gründete zusammen mit dem Musiker und Musikproduzent Philippe Kuhn den Satirekanal «Apocalypso TV». In Radioshows, Filmen und Songs zeigen die Künstlerin und der Künstler ihre Sicht auf die Coronapandemie. Mit «Briefen aus dem Lockdown» wendet sich Basler zudem auf ihrer Website regelmässig an ihr Publikum, an Alain Berset, die Klimajugend oder an die Schweiz insgesamt.

«Ich werde einfach unterschätzt»

Bircher ist nun auch in Bern ein Begriff.

Bircher ist nun auch in Bern ein Begriff.

Markus Kohler c

Als Martina Bircher im Juli vorübergehend sogar als neue Präsidentin der SVP Schweiz gehandelt wurde, war das natürlich mehr dem Sommerloch geschuldet als realen Aussichten. Aber das allein zeigte, wie weit es die 36-Jährige in kurzer Zeit gebracht hat und wie viel Respekt sie in der nationalen Politik nach nicht einmal einem Jahr im Nationalrat geniesst. Bircher gilt als Hardlinerin, gehört aber nicht zu jenen, die nur poltern; als Sozialvorsteherin von Aarburg ist die Beizerstochter auch eine Frau der
Tat. «Ich werde einfach unterschätzt», sagte sie in einem Interview mit Verweis auf ihren Werdegang. Diese Zeiten sind definitiv vorbei.

Massstab für «Regionalität und regionale Verankerung»

Roberto Belci leitet neu die Credit Suisse Aargau.

Roberto Belci leitet neu die Credit Suisse Aargau.

Sandra Ardizzone / AGR

Zehn Jahre lang war Roberto Belci Leiter Privat- und Firmenkunden der Neuen Aargauer Bank (NAB). Doch seit diesem Herbst ist alles anders: Die Integration der NAB in die Credit Suisse (CS), die Anfang Dezember vollzogen wurde, war für den 56-Jährigen ein Karrieresprung. Neu leitet Belci die Credit Suisse Aargau, die in der CS-Gruppe zum Massstab werden solle, «wenn es um Regionalität und regionale Verankerung geht», wie er im AZ-Interview sagte. Er bedaure, dass die Marke NAB verschwinde, sehe aber auch Chancen der Zusammenführung, die den Kunden zugutekommen würden – dies wird Belci im kommenden Jahr beweisen müssen.

Egli schaffte die Wahl zum Regierungsrat

Dieter Egli: vom Gross- zum Regierungsrat.

Dieter Egli: vom Gross- zum Regierungsrat.

Fabio Baranzini

Dieter Egli übernimmt am 1. Januar als Regierungsrat das Departement Volkswirtschaft und Inneres. Für den bisherigen SP-Co-Fraktionschef im Grossen Rat war die Wahl ein glatter Durchmarsch. Seine Partei nominierte ihn im Mai klar zu ihrem Kandidaten, die beiden anderen Kandidierenden, Franziska Graf und Marco Hardmeier, gaben nach dem ersten Wahlgang auf.

Bei der Regierungsratswahl vom 18. Oktober war ebenfalls bereits nach einem Wahlgang alles klar. Der 50-jährige Windischer Egli schaffte die Wahl und erreichte dabei über 9000 Stimmen mehr als seine grösste Konkurrentin, die Grüne Christiane Guyer.

Brack in der Liste der reichsten Schweizer

Roland Brack ist als Onlinehändler sehr erfolgreich.

Roland Brack ist als Onlinehändler sehr erfolgreich.

Luzerner Zeitung AG

«Es macht nicht stolz, in einer Krise zu gewinnen»: Das sagte Roland Brack, der Gründer des Onlinehändlers Brack.ch, im Herbst in einem AZ-Interview. Der 48-jährige Unternehmer profitierte in der Coronakrise, die «Bilanz» nahm ihn in die Liste der 300 reichsten Schweizer auf. Das Magazin schätzt sein Vermögen auf 450 bis 500 Millionen Franken. Dies ist ein theoretischer Wert, denn Brack will seine Firma nicht verkaufen. Verkauft hat Brack.ch aber Gutscheine, zum Beispiel für Restaurants, Kinos und Hotels. Kunden zahlten für einen 100-Franken-Gutschein nur 50 Franken, den Rest subventionierte der Onlinehändler – eine sympathische Geste.

«Ich wollte beweisen, was in meinem Körper steckt»

Andrea Haller (auf Instagram randyhallr) wohnt im Seetal.

Andrea Haller (auf Instagram randyhallr) wohnt im Seetal.

Marco Bisig/zvg

Geschafft! «Ich war unheimlich stolz, als mir die Medaillen überreicht wurden», erklärte Andrea Haller (39) aus Beinwil am See. Sie gewann Ende Oktober an den Deutschen und den Schweizer Meisterschaften drei Goldmedaillen. Und sie steht für all diejenigen, die Aus sergewöhnliches leisten und den Mut haben, irgendwann noch Aussergewöhnlicheres zu beginnen. «Ich wollte beweisen, was in meinem Körper steckt, bevor ich 40 werde», sagte die Frau, die erst vor zwei Jahren zum Bodybuilding kam. Und: «Beim Training schüttet mein Körper Glücksgefühle aus, ich kann mich auspowern und es ist ein perfekter Ausgleich zu meinem Job als Pflegehelferin.»