Die wichtigsten Aussagen im Zusammenschnitt.

Tele M1

TV-Talk
Warum ein Aargauer Bauer die Agrar-Initiativen als «ökologischen Rückschritt» bezeichnet – und was ein Biobauer dazu sagt

In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 waren zwei Direktbetroffene der kommenden Abstimmung über die Pestizid- und die Trinkwasser-Initiative zu Gast: Thomas Baumann, Biolandwirt aus Suhr, und Thomas Käser, Gemüsebauer aus Birmenstorf. Sie schildern die Pro- und Kontra-Argumente aus ihrer Sicht.

Drucken
Teilen

Eine Landwirtschaft ohne Pestizide, ohne Futterzukäufe oder Antibiotika. Am 13. Juni stimmen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über zwei Initiativen ab, die das zum Ziel haben: die Volksinitiative für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung und die Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide.

Für viele Schweizer Landwirte würde die Annahme dieser Initiativen eine grundlegende Umstellung bedeuten. Eine Umstellung, die Thomas Käser, Gemüsebauer aus Birmenstorf, teuer zu stehen kommen würde. Davon ist er überzeugt: «Ich würde mehr Mitarbeiter benötigen, das würde mehr kosten und schliesslich zu teureren Produkten führen», sagte er in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 am Dienstagabend. Zumal er Schwierigkeiten darin sieht, überhaupt Mitarbeiter zu finden:

«Wir finden ja bald keine Leute mehr, die mit den Händen arbeiten wollen.»

Thomas Baumann sieht da kein Problem. «Neue Modelle andenken» müsse man, sagt er und sieht das Potenzial bei all jenen, die neben dem Bürojob gern einen Tag in der Woche in der Natur arbeiten. Er kann sich vorstellen, dass diese auf seinem Biohof in Suhr mithelfen. Zudem gebe es heute beispielsweise Jät- oder Hackroboter, die statt Pestiziden gegen Unkraut zum Einsatz kommen könnten.

«Der Fortschritt, den die Digitalisierung mit sich bringt, ist unheimlich.»

Thomas Käser führt einen konventionellen Betrieb, dennoch besitzt er einen Hackroboter. Aber: «Da reden wir von über 100'000 Franken.» Die Kosten für seine gesamten technischen Anlagen würden gegen eine Million betragen.

Vor 18 Jahren hat Käser erwägt, auf Bioproduktion umzusteigen. Er habe entsprechende Kurse gemacht und heute gebe das eine gute Mischung. Doch umgestiegen ist er nie – wegen seiner «Abnehmer», wie er sagt:

«Es werden 10, 12 Prozent Bioprodukte konsumiert – der grosse Haufen ist konventionell.»

Biobauer Baumann aus Suhr setzt gemäss eigener Aussage schon seit 30 Jahren auf auf dem Hof produzierte Futtermittel für seine Geissen und auf ökologischen Pflanzenschutz. Würden alle Bauern dazu gezwungen, würde das laut ein Innovationsschub in Sachen biologischer Landwirtschaft bedeuten. Eine vergrösserte Nachfrage würde etwa einen Hackroboter verbessern und günstiger machen.

Gemäss der Vorlage zur Trinkwasser-Initiative würden Landwirte, die keine Pestizide oder Antibiotika verwenden und auch kein Futter mehr zukaufen, mehr Direktzahlungen erhalten. Das geht laut Gemüsebauer Käser nicht auf:

«Jeder konventionelle Betrieb erfüllt schon jetzt Auflagen zum ökologischen Ausgleich. Ich bewirte etwa Flächen mit Hochstammbäumen oder Blumenwiesen. Würde die Initiative angenommen, wäre ich dazu nicht mehr verpflichtet. Das ist ein ökologischer Rückschritt.»

Würden alle Schweizer Landwirte biologisch produzieren, würde das gemäss Thomas Käser zudem bedeuten, dass 30 Prozent weniger produziert werden könnte.

«Und woher holen wir diese 30 Prozent? Aus dem Ausland, wo sicher nicht nach Standards wie in der Schweiz produziert wird. Deshalb schmerzt mich eine solche Forderung.»

Thomas Baumann kontert:

«Es ist eine absolute Chance für die Schweizer Landwirtschaft, wenn weniger produziert wird.»

Er erklärt das so: In vielen Märkten hätten heute die Detailhändler die Macht, da so viel produziert würde, dass die einzelnen Produzenten gegeneinander ausgespielt werden könnten – würde weniger produziert, würde die Macht über den Markt bei den Produzenten liegen. Dass die Detailhändler dann vermehrt im Ausland einkaufen würden, glaubt er nicht. «Die Detailhändler sind verpflichtet, inländische Produkte abzunehmen.»

Zweimal Ja stimmen sollte man gemäss Baumann am 13. Juni, «weil wir auch in Zukunft noch Wasser trinken wollen, ohne dass wir es vorher mit Millionenkosten aufbereiten müssen».

Käser rechnet diplomatisch mit einem «Unentschieden» – einmal Ja, einmal Nein. «Ich sage den Konsumenten einfach: Seid ehrlich zu euch selbst.» (smo)

Die Sendung «TalkTäglich» mit Thomas Käser und Thomas Baumann in voller Länge.

Tele M1

Aktuelle Nachrichten