Die Durchsetzungsinitiative  erlitt am Sonntag Schiffbruch, für SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner war es trotzdem ein Freudentag. «Ich fühle mich nicht als Verlierer, ich habe den Gotthard gewonnen», sagte Ulrich Giezendanner am Dienstagaben im TalkTäglich auf Tele M1. 22 Jahre setzte sich der Aargauer für eine zweite Gotthardröhre ein, am Sonntag gelang er ans Ziel - das Stimmvolk stimmte dem Vorhaben zu. Der grosse Moment, der richtige Zeitpunkt zurückzutreten?

«Das Volk hat mich gewählt, wieder mit dem besten Resultat im Kanton Aargau. Ich werde gehen, aber in dreieinhalb Jahren», so der SVP-Politiker. Nur jemand hätte seine Entscheidung ändern können - Sohn Benjamin. «Wäre er bei den Nationalratswahlen auf der Liste gestanden, dann wäre ich jetzt gegangen, klar.»

Nicht restlos überzeugt von der DSI

Giezendanner ist dafür bekannt, dass er seine Meinung vertritt, auch wenn sie nicht mit jener seiner Partei übereinstimmt. «Ich kritisiere dort, wo ich will und lasse mir das Maul nicht verbieten.»

Der Nationalrat war auch bei der Durchsetzungsinitiative nicht in allen Punkten einverstanden. Trotzdem habe er ein Ja in die Urne eingelegt, beteuerte er im TalkTäglich. «Die Vorteile haben letztlich überwiegt.»

Lebensziel erreicht – sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Ulrich Giezendanner in voller Länge

Lebensziel erreicht – sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Ulrich Giezendanner in voller Länge

Das Schweizer Stimmvolk sagt Ja zu einem zweiten Tunnel am Gotthard – der «Vater der 2. Gotthardröhre» hat es endlich geschafft.

Auch seine nächste Ziele sind nicht alle auf Parteilinie. So setzt sich Giezendanner gegen den geplanten Duro-Deal ein, der die Nachrüstung von 2200 Militärfahrzeugen vorsieht.

Damit agiert Giezendanner gegen seinen eigenen Bundesrat Guy Parmelin. «Ich bin vom Aargauer Volk gewählt und nicht von den Bundesräten.» Das heisse nicht, dass er gegen die Armee sei. Er wolle auch die beste Armee, «aber es kann nicht sein, dass wir überall sparen müssen und dann 200 Millionen Franken verschenken».

Der Nationalrat scheut in dieser Frage nicht davor zurück, eine sogenannte unheilige Allianz mit Anita Fetz von der SP einzugehen. «Wenn wir gleicher Meinung sind, ist mir doch egal, ob sie von den Grünen oder der SP ist.»

Grosser Tag: «Tele M1» hat Ulrich Giezendanner am Abstimmungssonntag begleitet.

Grosser Tag: «Tele M1» hat Ulrich Giezendanner am Abstimmungssonntag begleitet.

"Versprechen wird eingehalten"

Zurück zum Gotthard. Die Tunnelgegner befürchten die Eröffnung aller vier Spuren, sobald beide Tunnel eröffnet sind - aller Beteuerungen der Befürworter zum Trotz.

Giezendanner verneinte in der Sendung, dass es sich um ein geschicktes Bubentrickli handelt, und der Alpenschutz-Artikel letztlich doch fällt. «Nein, das machen wir nicht. So habe ich immer politisiert: Ich habe dem Volk etwas versprochen und das habe ich dann auch eingehalten.»

Und weiter: «Solange ich dabei bin, gibt es weder von mir, noch von jemanden anderen einen Vorstoss in diese Richtung, den ich unterstützen würde. Das kommt nicht in Frage. Das muss ich ganz klar sagen.»

Unglaublich gut gelaunt: Nach dem Ja zur zweiten Gotthardröhre ist Ulrich Giezendanner (SVP) zum Scherzen mit Jonas Fricker (Grüne) aufgelegt

Unglaublich gut gelaunt: Nach dem Ja zur zweiten Gotthardröhre ist Ulrich Giezendanner (SVP) zum Scherzen mit Jonas Fricker (Grüne) aufgelegt

Ein Blick hinter die Kulissen des «Tele M1»-Interviewdrehs am Sonntagnachmittag.