Unfall
Todesfahrt von Bad Zurzach: Rentner wird freigesprochen

Im Dezember 2018 geriet ein Lieferwagen in Bad Zurzach auf das Trottoir und erfasste dort zwei Fussgängerinnen. Eine von ihnen verstarb noch auf der Unfallstelle. Sie war 39 Jahre alt.

Stefania Telesca
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Die 69-jährige Mutter überlebte den Unfall und findet das Urteil nicht gerecht.

Tele M1

Das Bezirksgericht Zurzach musste sich heute mit einem tragischen Unfall befassen: Am Samstag, 8. Dezember 2018 verlor ein damals 71-jähriger Mann die Kontrolle über seinen Lieferwagen. Er geriet am Paradiesweg in Bad Zurzach aufs Trottoir, kollidierte zuerst mit mehreren Metallpfosten und erfasste dann eine 69-jährige Passantin sowie deren 39-jährige Tochter.

Eine 69-Jährige überlebte den schlimmen Unfall, für ihre Tochter kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Eine 69-Jährige überlebte den schlimmen Unfall, für ihre Tochter kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Kantonspolizei Aargau

Die 39-Jährige, die nur ungefähr 10 Minuten entfernt in Bad Zurzach wohnte, verstarb aufgrund ihrer schweren Verletzungen noch auf der Unfallstelle. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, erlitt sie durch den Unfall schlimmste Verletzungen, darunter einen fast vollständigen Abriss des Rückenmarks vom Hirnstamm.

Mutter überlebte den Unfall mit schweren Verletzungen

Ihre Mutter, die in Griechenland wohnt und ihre Tochter über die Feiertage in der Schweiz besuchte, musste mit dem Rettungshelikopter ins Universitätsspital Zürich überführt werden. Auch sie erlitt schlimme Verletzungen, darunter zahlreiche Frakturen, Risswunden sowie eine beidseitige Quetschung der Lungen. Doch sie überlebte.

So berichtete Tele M1 über den tragischen Unfall.

Der Lenker des Lieferwagens fuhr nach dem Aufprall mit praktisch unveränderter Geschwindigkeit weiter geradeaus und kollidierte nach einer kurzen Fahrt auf der Gegenfahrbahn schliesslich mit einem Baum am Fahrbahnrand. Durch die Kollision mit dem Baum wurde das Fahrzeug bis zum Stillstand abgebremst und der Beschuldigte konnte sein Fahrzeug verlassen.

Keine Beweise für eine Wechselwirkung von Medikamenten

Der heute 73-jährige Mann musste sich wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, wegen fahrlässiger Tötung, wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung und wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs vor Gericht verantworten.

Der Rentner hatte an jenem Tag den Weihnachtsmarkt in Bad Zurzach besucht. Auf dem Nachhauseweg passierte dann das Unglück. Wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwarf, soll er aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht fahrfähig gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft hielt fest:

«Die gesundheitliche Beeinträchtigung wäre für den Beschuldigten bereits vor Fahrtantritt bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit erkennbar gewesen.»

Der Rentner, so der Vorwurf der Anklage, hatte neben den Medikamenten, welcher er üblicherweise jeden Morgen einnimmt, zusätzliche Arzneimittel eingenommen.

In seinem Blut wurden laut Anklage nach dem Unfall geringe Spuren eines Schlafmittels und eines Mittels gegen Grippe gefunden. Durch die Einnahme zusätzlicher Medikamente und deren möglichen Wechselwirkungen habe er in Kauf genommen, dass es zu einem Verkehrsunfall mit Schwerverletzten oder Toten kommen kann.

Er selbst beteuerte vor Gericht, sich am Tag des Unfalls gut gefühlt und keine zusätzlichen Medikamente eingenommen zu haben. Er sprach von einem plötzlichen Blackout, den er sich nicht erklären könne.

Er hatte selbst einen Sohn bei einem Unfall verloren

Der verwitwete Senior wirkte bei der Verhandlung gefasst. Er entschuldigte sich mehrfach bei der Mutter und dem Bruder der Verstorbenen. Sie waren für den Prozess aus Griechenland angereist. Die Mutter leidet noch immer unter den Verletzungen und kam mit einer Gehhilfe. Sie weinte während der Verhandlung und sagte:

«Ich habe diese Reise auf mich genommen, um meiner Tochter die Ehre zu erweisen.»

Der 73-Jährige wisse, was es bedeute, ein Kind zu verlieren, sagte er gegenüber den Richtern. Als sein Sohn 16 Jahre alt war, wurde er auf dem Nachhauseweg auf dem Töffli von einem Auto erfasst und starb auf der Unfallstelle.

Der Lenker wurde vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Rentner eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

Doch das Bezirksgericht Zurzach sprach den Mann heute von Schuld und Strafe frei. Das medizinische Gutachten habe nur geringe Rückstände von Medikamenten ergeben, mit welchen sich weder ein Blackout noch eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten hätten erklären lassen.

Eine Schlafapnoe wurde bei ihm erst nach dem Unfall diagnostiziert. Deshalb könne man ihm keinen Vorwurf machen. Ebenfalls liessen sich keine Rückschlüsse darauf ziehen, dass sich der 73-Jährige an jenem Tag nicht fit gefühlt habe und trotzdem gefahren sei, begründete der Richter den Freispruch. Er sagte:

«Es ist leider so, dass es tragische Unfälle gibt, bei denen nicht jemand im strafrechtlichen Sinn Schuld ist.»

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