Konjunkturbarometer

Unsicherheit bei den Aargauer Konsumenten gestiegen – schuld sind nicht nur die hohen Fallzahlen

Der seit Mai andauernde Erholungstrend endet: Das Volk ist weniger kauffreudig.

Der seit Mai andauernde Erholungstrend endet: Das Volk ist weniger kauffreudig.

Die Unsicherheit unter Konsumenten und Investoren ist nach dem Erholungstrend auf einmal wieder spürbar gestiegen. Schuld ist nicht nur das Coronavirus. Trotzdem ist für AKB-Chefökonom kurzfristig sogar eine Jahresendrally an der Börse denkbar.

Der monatliche Konjunkturbarometer der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und von Aargau Services Standortförderung gibt ganz leicht nach. Damit endet zumindest vorläufig der seit Mai andauernde Erholungstrend. Die Unsicherheit unter Konsumenten und Investoren ist seit Monatsfrist aufgrund der neuesten Covid-19-Entwicklungen wieder spürbar gestiegen.

Doch wie aktuell ist der neuste Konjunkturbarometer per 31. Oktober angesichts sich rasch verändernder Covid-19-Ansteckungszahlen, und nachdem die Börse nach einem kurzen Taucher wieder zu einer imposanten Aufholjagd angesetzt hat?

Hohen Covid-19-­Zahlen wirken sich bis jetzt nur leicht auf den Konsum aus

Die Einschätzung im Barometer bleibe gültig, sagt Marcel Koller, Chefökonom der AKB und Verfasser des Barometers: «Die aktuellen Börsenschwan­kungen haben stark mit der Unsicherheit in den USA zu tun. Allerdings nicht damit, ob Trump oder Biden Präsident wird, sondern mit der Sorge, wie der Übergang von Trump zu Biden vor sich geht, da Trump das Ergebnis nicht akzeptiert. Diese Unsicherheit spürt man.»

Die wieder sehr hohen Covid-19-­Zahlen wirken sich bis jetzt nur leicht auf den Konsum aus. Koller: «Mittelfristig wird die wieder verhaltene Konsumentenstimmung aber Druck auf die Börsen bewirken.»

Denkbar allerdings ist für den AKB-Chefökonomen kurzfristig sogar eine Jahresendrally an der Börse. Dies, weil die Notenbanken weiter pausenlos viel Geld in die Märkte pumpen, «das mangels Alternativen oftmals an der Börse landet».

Dezember wäre für viele der umsatzstärkste Monat

Sollten sich die Meldungen über einen Covid-19-Impfstoff bestätigen, und Anfang 2021 weitere Anbieter einen Impfstoff haben, «wäre das sicher ein positives Momentum». Sorgen bereitet ihm die gedämpfte Konsumentenstimmung, weil der Dezember für viele Detail- und Onlinehändler der umsatzstärkste Monat des Jahres ist.

Eine erfreuliche Botschaft sei aber erwähnt: Die klassische (Export-)Industrie ist bisher von der wieder eingetrübten Kon­sumentenstimmung nicht betroffen. Dies, obwohl der Luft(fracht-)Verkehr weiterhin auf sehr tiefem Niveau ist. Marcel Koller: «Klassische Industriegüter, wie sie im Aargau produziert werden, sind wieder besser nachgefragt. Die werden auf dem Land- und Seeweg transportiert. Der Schiffscontainerverkehr hat wieder das Niveau von vor Corona erreicht.»

Aargau trifft es weiterhin unterdurchschnittlich

Der AKB-Chefökonom rechnet weiterhin damit, dass der Kanton Aargau übers Ganze gesehen unterdurchschnittlich von Covid-19 betroffen ist. Während er für die Schweiz ein Minus beim Bruttoinlandprodukt von 4 Prozent erwartet, dürfte es im Aargau «nur» um 3 bis 3,5 Prozent sinken. Dies, weil die coronagebeutelten Branchen Tourismus, Luftverkehr und Events im Aargau weniger bedeutend sind, dafür die boomende Pharmabranche hier überdurchschnittlich vertreten ist.

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