Die Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn schloss das Jahr 2017 mit einem Rekorddefizit ab. Das Minus betrug 724 673 Franken und war damit fast eine halbe Million grösser als im Jahr 2016, in dem die finanzielle Lage bereits als kritisch galt. Die Stiftung führt das Frauenhaus Aargau-Solothurn seit über zehn Jahren im Auftrag der beiden Kantone.

Die Leistungsvereinbarung sei wegen des hohen Defizits jedoch nicht in Gefahr, sagte Simone Strub vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) des Kantons Aargau im Juli 2018. Doch nun, nachdem die Vereinbarung Ende 2018 ausgelaufen ist, wird sie nur befristet bis Ende August dieses Jahres verlängert. Dies schreibt das Amt für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn in einer Medienmitteilung.

Weitere Verhandlungen geplant

Die befristete Verlängerung habe nichts mit dem Defizit zu tun, erklärt Claudia Hänzi vom Amt für soziale Sicherheit. Die Leistungsvereinbarung sei bereits Ende 2017 ausgelaufen. Man habe sich entschieden, sie um ein Jahr zu verlängern, um während dieser Zeit neue Verträge auszuhandeln. «Wir mussten nun merken, dass ein Jahr nicht ausgereicht hat», so Hänzi. «Die Stiftung befindet sich zurzeit in einer Phase der Umstrukturierung. Bis sie abgeschlossen ist, macht es keinen Sinn, eine neue Vereinbarung zu treffen.»

In den kommenden Monaten sollen Verhandlungen geführt und die Zusammenarbeit überprüft werden. «Wir müssen miteinander reden und allenfalls die Verträge anpassen», erklärt Hänzi. Man könne jedoch nie wissen, ob man auf einen gemeinsamen Nenner komme: «Das ist wie bei allen Vereinbarungen. Manchmal sucht man sich dann einen neuen Partner», so Hänzi. Es seien aber gemeinsame Ziele vereinbart worden, die man in den kommenden Monaten erreichen wolle.

Ziel: ausgeglichene Rechnung

Auch im Aargau empfindet man die Zusammenarbeit mit der Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn als wichtig: Man sei daran interessiert, den Betrieb am heutigen Standort weiterführen zu können, sagt Sascha Giger, Mediensprecherin beim Departement für Bildung, Kultur und Sport. «Der Kanton wird die aktuelle Situation vor Ablauf der Leistungsvereinbarung zusammen mit dem Frauenhaus prüfen und dann das weitere Vorgehen festlegen», so Giger.

Das Frauenhaus befinde sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess, sowohl auf operativer als auch auf strategischer Ebene. «Der Kanton Aargau sieht darin eine Chance, die es auch erlaubt, das Angebot nachhaltig auf die sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen auszurichten», so Giger. Ein Ziel sei, dass möglichst bald wieder eine ausgeglichene Rechnung erreicht werden könne. «Das scheint realistisch», meint Giger.