Covid-19

Vom Lockdown zur Lockerung und in die zweite Welle: Ein Rückblick auf acht Monate Corona-Pandemie im Aargau

Die Corona-Pandemie erreichte den Aargau, als am 28. Februar der erste laborbestätigte Fall des Kantons vermeldet wurde. Wir blicken zurück auf acht Monate Covid-19 im Aargau.

28. Februar: Der erste Aargauer Coronafall: Ein 26-Jähriger steckt sich auf einer Geschäftsreise in Norditalien an. Er wird im Kantonsspital Aarau isoliert. Es ist der schweizweit fünfte Fall. Laut Kanton ist das Aargauer Gesundheitswesen auf das neue Coronavirus vorbereitet. Die mögliche Lageentwicklung der «chinesischen Epidemie mit Pandemiepotential» sei jedoch schwierig abschätzbar.

28. Februar: Der Bundesrat ruft die besondere Lage aus. Grossveranstaltungen ab 1000 Personen werden schweizweit verboten. Der Kanton beschliesst, dass Veranstaltungen mit 150 bis 999 Teilnehmenden bewilligt werden müssen. Jean-Pierre Gallati hatte als einziger kantonaler Gesundheitsdirektor gegen das Veranstaltungs-Verbot gestimmt. Mehr dazu hier.

12. März: Es liegen bereits 27 bestätigte Fälle im Aargau vor. Eine Person ist hospitalisiert. Die Infektionsketten sind alle nachvollziehbar. Schweizweit gibt es 815 Ansteckungen.

16. März: Der Bundesrat verhängt drastische Massnahmen: Das öffentliche Leben wird bis zum 19. April lahmgelegt. Öffentliche und private Veranstaltungen sind verboten. Sämtliche Läden, Restaurants, Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe müssen schliessen. Lebensmittelläden, Apotheken oder Bahnhöfe bleiben offen. Es werden Grenzkontrollen zu allen Nachbarländern eingeführt.

"Ausserordentliche Lage": Bundesrat erklärt Notstand – weitgehende Abriegelung (16.3.2020)

Der Bundesrat erklärt die ausserordentliche Lage. (16.3.2020)

     

16. März: Der Kanton ruft die kantonale Notlage aus. Alle Schulen im Aargau bleiben vorerst bis zu den Frühlingsferien geschlossen. Es dürfen keine Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmenden durchgeführt werden. Es sind 52 Fälle im Aargau bestätigt, schweizweit 1680.

16. März: Die Grenzübergänge nach Deutschland bei Kaiserstuhl, Leibstadt-Dogern, Schwaderloch-Albbruch und in der Laufenburger Altstadt werden geschlossen. An den offenen Aargauer Grenzübergängen ist, die Ausreise nur noch mit triftigem Grund möglich. Es bilden sich Megastaus, die vor allem für Pendler aus dem Gesundheitswesen Riesenprobleme bringen. Mehr dazu hier.

18. März: Sanitätssoldaten eines Spitalbataillons unterstützen das Kantonsspital Baden. Etwa 8000 Soldaten sind schweizweit im Kriseneinsatz. Das ist in Friedenszeiten die grösste Mobilmachung der Armee seit 1848. Der Einsatz wird erst am 30. Juni enden. Mehr dazu hier.

Das Coronavirus macht den Aargau zum Geisterkanton – diese 45 Bilder zeigen die grosse Leere:

20. März: Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati beschliesst: Alle Akutspitäler im Aargau müssen auf nicht dringende Behandlungen verzichten, um so Ressourcen für die Pflege von Corona-Patienten zu schaffen. Spitäler mit Intensivstationen müssen die Kapazitäten maximal steigern.

24. März: Die ersten Todesfälle im Aargau: Zwei Personen, beide älter als 85, sind an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben. Es liegen insgesamt 266 bestätigte Infektionen im Aargau vor. Am Vortag werden schweizweit 1464 Fälle in 24 Stunden gemeldet, der vorläufige Höchststand des Frühjahrs.

Wenige Tage nachdem Michael Leupold, Kommandant der Kantonspolizei Aargau, positiv getestet wurde, hat sich nun auch Regierungsrat Urs Hofmann mit dem Coronavirus infiziert.

25. März: Der Regierungsrat führt seine Sitzung als Telefonkonferenz durch, da nun auch Landammann Markus Dieth und Regierungssprecher Peter Buri positiv getestet wurden. Erst Anfang Juli wird sich herausstellen, dass Stephan Attiger ebenfalls zu dieser Zeit erkrankte.

2. April: Da keine Gemeindeversammlungen stattfinden dürfen, dürfen Aargauer Gemeinden für dringende Geschäfte eine Urnenabstimmung anordnen. Das entscheidet der Regierungsrat in einer Sonderverordnung. Zudem wird die Frist zur Einreichung der Steuererklärung 2019 bis Ende Juni verlängert.

3. April: Urs Hofmann muss nach seiner Coronainfektion hospitalisiert werden. Er kann das Spital am 8. April verlassen. Seine Regierungstätigkeit nimmt er erst am 20. April in vollem Umfang wieder auf.

Urs Hofmann: «Corona ist eine perfide Krankheit – es ging mir im Leben noch nie so schlecht»

Urs Hofmann: «Corona ist eine perfide Krankheit – es ging mir im Leben noch nie so schlecht»

   

7. April: Die Arbeitslosenquote im Aargau steigt auf drei Prozent. Innerhalb von drei Wochen gab es rund 10'000 Anmeldungen für Kurzarbeit. Im März verlieren schweizweit mehr als 17'000 Menschen ihre Stelle.

21. April: Die Aargauer Regierung drängt die Landesregierung zu Lockerungen der Corona-Massnahmen. In einem Schreiben fordert der Regierungsrat den Bundesrat auf, die Situation von Detailhandel, Gastronomie und Veranstaltungswesen nochmals zu überprüfen. Mehr dazu hier.

27. April: Der erste Schritt zur Lockerung der Corona-Massnahmen: Coiffeurgeschäfte, Baumärkte oder Gartencenter dürfen schweizweit wieder öffnen. Zwei Wochen später soll auch der Unterricht aufgenommen werden. Der Kanton verteilt rund 280'000 Schutzmasken an 1900 Aargauer Betriebe und Unternehmen. 

7. Mai: Das Contact Tracing wird im Aargau eingeführt. Eine Woche später zieht der Kanton ein erstes positives Fazit: «Das Contact Tracing bewährt sich.» Der Kantonsärztliche Dienst biete infizierten Personen ein umfassendes Dienstleistungspaket an. Diese Personen würden individuell kontaktiert, beraten und instruiert.

11. Mai: Schneller aus dem Lockdown als geplant: Nun können in der Schweiz nicht nur Läden, Märkte und obligatorische Schulen, sondern auch Museen, Bibliotheken und Restaurants wieder öffnen. Die Zahl der bestätigten Fälle liegt in der Schweiz bei knapp 30'000. Etwa 100 kommen täglich landesweit dazu.

28. Mai: Der Regierungsrat begrüsst die Lockerungen des Bundesrates. Ab 6. Juni dürfen wieder Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen durchgeführt werden. Treffen bis zu 30 Personen im öffentlichen Raum sind ebenfalls wieder erlaubt.

29. Mai: In der Schweiz stirbt erstmals ein Kind an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus. Es handelt sich um einen Säugling aus dem Aargau. Das Baby soll sich in Mazedonien angesteckt haben und wurde dann zur Behandlung nach Zürich gebracht. Mehr dazu hier.

15. Juni: Die Aargauer Grenzübergänge nach Deutschland sind wieder geöffnet. Absperrungen werden abgebaut. Eine Welle Schweizer Einkaufstouristen schwappt über den Rhein. Mehr dazu hier.

17. Juni: Landammann Markus Dieth hält fest, das wichtigste Ziel sei erreicht worden: «Eine Überlastung des Aargauer Gesundheitssystems konnte verhindert werden.» Innerhalb einer Woche hat sich die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Personen im ganzen Kanton um neun Fälle erhöht. Damit liegen im Aargau aktuell insgesamt 1231 Fälle vor. Davon gelten rund 95 Prozent als geheilt. 46 Personen verstarben bislang.

19. Juni: Die ausserordentliche Lage wird durch den Bundesrat aufgehoben. Nun sind die Kantone in der Verantwortung, die Pandemie zu meistern. Die Polizeistunde fällt weg, der Mindestabstand reduziert sich auf 1,5 Meter. Gleichzeitig wird auch die Aufhebung der kantonalen Notlage durch den Aargauer Regierungsrat beschlossen. 

23. Juni: Der Grosse Rat bewilligt ein Hilfspaket von 150 Millionen Franken für Aargauer Unternehmen. Der Regierungsrat wollte ursprünglich 300 Millionen Franken zur Seite legen. Gemäss Mehrheit des Parlaments sollte das Geld allerdings ausreichen. Zu Recht: Knapp einen Monat später hat die Wirtschaft erst 18,5 Millionen Franken davon beansprucht.

Corona-Lockerungen: Diese Grafik zeigt, wie die Schweiz den Spitzenplatz übernommen hat (aus einem Artikel von Ende Juni):

Die Schweiz (violette Linie, fett) übernimmt den Spitzenplatz bei den Lockerungen.

Die Schweiz (violette Linie, fett) übernimmt den Spitzenplatz bei den Lockerungen.

29. Juni: In einer Bar in Spreitenbach kommt es zu einem Superspreader-Fall. Über 20 Personen wurden infiziert. Sehr wahrscheinlich stehen die Infektionen in Zusammenhang mit einem Grossevent in einem Zürcher Club. Mehr dazu hier.

2. Juli: Der Kanton Aargau reagiert auf den Superspreader-Fall, bei dem mehrfach falsche Kontaktadressen hinterlegt wurden: Ab sofort gilt Ausweispflicht für Bar- und Clubbesucher.

6. Juli: Die Zahl der Coronainfektionen steigen wieder. Ab sofort muss schweizweit in Bus, Tram und Zug, auf dem Schiff und in Bergbahnen eine Maske getragen werden. 

8. Juli: Gemeinsam mit den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn einigt sich der Aargau auf weitere Massnahmen. Maximal 100 Personen dürfen Clubs und Bars besuchen. Bei grösseren Veranstaltungen sind ebenfalls nur 100 Personen pro Sektor erlaubt. Ziel sei es, das Contact Tracing sicherzustellen, sagt Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati.

5. August: Im Kanton Aargau gilt zum Schulbeginn Maskenpflicht an der Sek II und an höheren Fachhochschulen, wenn die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können und die Klassenzimmer zu klein sind. Mehr dazu hier.

20. August: Bei einem Podium zu Coronamassnahmen treffen Skeptiker und Politiker in Aarau vor mehreren hundert Besuchern aufeinander. Die Juso kritisieren daraufhin Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati für seinen Auftritt. Er habe die Veranstaltungen weiterlaufen lassen, obwohl beispielsweise der Abstand nicht eingehalten wurde. Gallati zeigt sich daraufhin selbstkritisch, den von den Jungsozialisten geforderten Rücktritt lehnt er jedoch ab. Mehr dazu hier.

«Kantönligeist» pur: In Erlinsbach verläuft die Maskengrenze mitten durchs Dorf

«Kantönligeist» pur: In Erlinsbach verläuft die Maskengrenze mitten durchs Dorf

Wer in Erlinsbach SO im Coop einkauft, muss seit heute 3. September eine Maske tragen – anders im Migros und Denner in Erlinsbach AG. Während eine Frau bewusst darauf verzichtet, im Coop einzukaufen, nehmen andere die neue Vorschrift gelassen.

1. Oktober: Grossveranstaltungen ab 1000 Personen sind wieder möglich, müssen aber vom Kanton bewilligt werden. Der oberste Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger bezeichnet das «Pressing der Sportvereine» als «relativ aggressiv».

7. Oktober: Die Zahl der Neuinfektionen überschreitet erstmals seit April wieder die 1000er-Grenze: Insgesamt werden 1077 Fälle in der Schweiz gemeldet. Im Kanton Aargau sind es 43. Epidemiologe Marcel Salathé sagt trotzdem: «Ich sehe noch keine zweite Welle.»

16. Oktober: Die Zahlen steigen: Das Bundesamt für Gesundheit meldet 3105 Neuinfektionen in 24 Stunden. Im Kanton Aargau sind es 144. Die kantonale Gesundheitsdirektorenkonferenz fordert vom Bund einheitliche Regeln, um den föderalen Flickenteppich bei der Maskentragpflicht zu beseitigen. Anders tönt es dagegen bei der SVP Aargau: Sie will die Covid-Massnahmen trotz hoher Zahlen sofort abschaffen. Mehr dazu hier.

20. Oktober: Einen Tag nach den Grossrats- und Regierungsratswahlen im Aargau verschärft Gesundheitsdirektor Gallati die Corona-Massnahmen. An Volksschulen und Einrichtungen der Sek II gilt Maskentragpflicht für Erwachsene in Schulgebäuden.

Zudem wird die maximale Personenzahl in Bars und Clubs auf 50 reduziert. Maskenpflicht gilt dort neu auch im Sitzen. Eine Woche später sieht sich der Kanton Solothurn genötigt mit diesen Massnahmen mitzuziehen, um Aargauer Party-Tourismus künftig zu vermeiden.

23. Oktober: Mit 6634 neuen Ansteckungen an einem Tag sind in der Schweiz und Liechtenstein nun insgesamt 103'653 Personen seit Ausbruch der Pandemie positiv getestet worden. Die Positivitätsrate der letzten 24 Stunden liegt bei 26,5 Prozent. Der Aargau meldet 266 Neuansteckungen. Das überlastete Contact Tracing wird nun von Angehörigen des Zivilschutzes unterstützt. Bei der Kontaktaufnahme könne es zu Verzögerungen kommen, heisst es beim Kanton.

28. Oktober: Der Bundesrat verschärft die Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus erneut. Clubs werden geschlossen. In Restaurants und Bars gilt eine Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr. Veranstaltungen mit mehr als 50 Besuchern sind verboten. Neu müssen auch in belebten Fussgängerbereichen sowie in Innen- und Aussenbereichen von Läden, Theatern oder Restaurants Masken getragen werden. Maskentragpflicht gilt auch am Arbeitsplatz, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten wird. Mehr dazu hier.

So entwickeln sich die Corona-Zahlen im Aargau:

Meistgesehen

Artboard 1