Villigen

Von der Herausforderung, die halbe Welt in ein Dorf zu pferchen

"Wer bei uns arbeiten will, muss Englisch können": der Villiger Gemeindeammann René Probst zum Mega-Projekt "Park Innovaare" und den Herausforderungen für die Gemeinde

"Wer bei uns arbeiten will, muss Englisch können": der Villiger Gemeindeammann René Probst zum Mega-Projekt "Park Innovaare" und den Herausforderungen für die Gemeinde

Villigen ist ein beschauliches Dorf zwischen Aare und Osthang des Geissbergs, eine dieser typischen Erhebungen des Tafeljuras. Trotz mehr als 5000-­jähriger Geschichte ist Villigen nie zu einer Metropole herangewachsen. Rund 2100 Menschen wohnen heute dort. Doch jährlich reisen Tausende von Menschen in dieses Nest.

Die Anlagen östlich und westlich der Aare auf dem Gelände des Paul Scherrer Instituts (PSI) wirken wie ein Magnet auf die besten Physikerinnen, Chemiker und Ingenieurinnen dieser Welt. Die Synchrotron Lichtquelle Schweiz, die Schweizer Spallations-Neutronenquelle und wie sie alle heissen haben allein im vergangenen Jahr mehr als 4500 Wissenschaftler hierher gelockt. Das PSI ist eine Hochburg des Wissens, bekannt bis in die letzten Winkel dieser Erde.

Gemeindemitarbeitende sollten Englisch können

Neben dem nicht abreissen wollenden Strom von Forschenden sind rund 2100 Mitarbeitende permanent am PSI beschäftigt. Dazu kommen gegen 400 Doktoranden und Post-Doktorandinnen. «Wir freuen uns natürlich über den Betrieb, der so in unserem Dorf entsteht. Aber zugleich bringt dieser gewaltige Wissenschaftsbetrieb auch Her­ausforderungen mit sich, die für ein Dorf unserer Grösse schon einzigartig sind», sagt René Probst, parteiloser Villiger Gemeindeammann. Was das konkret heisst? Wer auf der Verwaltung von Villigen arbeiten will, sollte Englisch können. «Das ist absolut zwingend», sagt Probst. Mit einem Schmunzeln fügt er an: «Unsere Lehrlinge wissen, dass wir besonders darauf achten, wie sich ihre Noten im Englisch entwickeln.»

Das Mega-Projekt Park Innovaare fordert die Gemeinde zusätzlich. «Das ist bei Weitem der grösste Bau, der in unserer Gemeinde je realisiert wurde. Wir sind ein Strassendorf, ein Weinbaudorf – das grösste Problem, das sich uns sonst stellt, ist zum Beispiel die Sanierung der Brunnen», sagt Probst schmunzelnd. Er und seine Kollegen an der Spitze der Gemeindeverwaltung sind, wie in der Schweiz üblich, «Milizler», also keine Fachleute. «Und dann müssen wir plötzlich einen Reinraum abnehmen», so Probst. Da braucht es Experten, das ist also ein Extra-Aufwand.

Geht das Innovationsgelände so durch die Decke, wie alle Beteiligten erwarten, kommen in den nächsten drei Jahren zu den 2500 Beschäftigten am PSI noch rund 400 weitere Arbeitnehmende hinzu, die in den neuen Räumen forschen, entwickeln und umsetzen werden. Der zusätzliche Verkehr, der das Dorf schon jetzt während dem Bau belastet, dürfte sich kaum gross reduzieren.

Natürlich, die Lastwagen werden weniger, aber auch wenn Probst hofft, dass einige der neu im Dorf Arbeitenden auch im Dorf eine Wohnung beziehen, dürften doch etliche pendeln. Das ist eine Belastung. Ob sie nun im eigenen Auto anreisen oder mit dem öffentlichen Verkehr, der ohnehin ausgebaut wurde und noch weiterentwickelt werden dürfte.

Was das für den Villiger Gemeindeammann Probst und die Seinen bedeutet? Neue Herausforderungen. Und das in einem Dorf, wo sich gewisse Einwohner jetzt schon aufregen, dass manche PSI-Leute mit ihrem Velo auf dem Trottoir statt auf dem eigens markierten Radweg unterwegs sind. «Wir haben die noch nicht auf Chinesisch angeschrieben, da sind wir noch nicht soweit wie Luzern», sagt René Probst und lacht.

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