Kantonallager

Von der Singlebörse für Ritter bis hin zum Bildertausch

Verrenkungen zu einem «KALA» für Kantonallager vor der Kamera: Pfadis aus Aarau und Wohlen beim Drehen eines Films.

Verrenkungen zu einem «KALA» für Kantonallager vor der Kamera: Pfadis aus Aarau und Wohlen beim Drehen eines Films.

Im kantonalen Pfadilager in Pfäffikon ist Langeweile ein Fremdwort – Filmdreh, Workshops, Spiele und Hikes sorgen für die nötige Abwechslung. In verschiedenen Workshops lernen die Pfadis nützliches über Zivilcourage oder Fairtrade.

«Single-Ritter sucht holde Maid», heisst es über Porträts und Steckbrief flirtwilliger Pfadis. Daneben steht der Briefkasten für Botschaften an den Single des Tages. Die Partnerbörse läuft im Mittelalter-Dorf der Aargauer Pfadis nicht übers Internet.

Dies ist allerdings nur eine von unzähligen Möglichkeiten, mit denen sich die Lager-Teilnehmer beschäftigen können. Langeweile kommt im Kantonallager nicht auf, dazu ist das Programm zu abwechslungsreich.

Sechs Stunden Marsch

Zu jedem Pfadilager gehört der zweitägige Ausflug, der sogenannte Hike. Während einige Abteilungen verschwitzt mit Sack und Pack aufs Lagergelände zurückkehren, laufen bei anderen die letzten Vorbereitungen vor dem Abmarsch.

Dem bald 14-jährigen Matthias v/o Saïd steht mit der Pfadi Schöftland eine sechsstündige Wanderung bevor. Matthias hat schon Erfahrungen mit Hikes - es ist bereits sein vierter. Er zähle zu dem Teil der Gruppe, der in einer Scheune übernachten könne, sagt er.

«Das finde ich gut, dann müssen wir nicht zuerst selber eine Unterkunft aufstellen.» Einige Meter weiter - im Dorf Klystaihuuse der Piostufe 14- bis 17-Jährigen - laufen derweil zwei Filmdrehs.

Ein vierminütiger Stummfilm, ohne Schnitt, lautet die Vorgabe für die Pfadis Aarau St. Georg und Wohlen. Während im einen Film der Hofnarr in verschiedenen Disziplinen gegen Herausforderer antreten muss, wollen im anderen Projekt die Bauern dem König ihr Können unter Beweis stellen.

«Es geht ja nicht um einen Oscar», sagt zwar einer der Schauspieler, dennoch wird ausführlich über die einzelnen Szenen diskutiert, bevor mit der Handy-Kamera gefilmt wird.

Von Schleppern und Flüchtlingen

Im Village Global lernt der 13-jährige Nils v/o Inferno von der Lenzburger Pfadi seinen ökologischen Fussabdruck kennen. Die Pfadis können sich anhand von Fragen nach Fleischkonsum oder Dauer der täglichen Dusche selber bewerten.

Am meisten Punkte hätten ihm wohl die Autofahrten mit seinen Eltern eingebracht, sagt er. «Insgesamt habe ich irgendwo in der Mitte abgeschnitten.»

In anderen Workshops lernen die Pfadis etwas über Ausgrenzung, Zivilcourage oder Fairtrade. «Wir wollen nicht belehren, sondern die Aufmerksamkeit auf Themen lenken», sagt Corinne Jordi v/o Ananas, die zusammen mit Andrea Müller v/o Cryll das Village Global leitet.

Beim Flüchtlingshilfeblock etwa schlüpfen die Kinder und Jugendlichen in die Rolle von Schleppern, Zöllnern oder Flüchtlingen, die im Wald versuchen, über die Grenze zu gelangen.

Nachdem die Sonne den Dauerregen abgelöst hat, verlagert sich das Lager-Leben wieder nach draussen auf die Spielplätze im nahen Wald und auf den Wiesen. Mitten im mittelalterlichen Dorf steht eine Ritterin mit silbernem Helm und grossem Schwert.

Die Leiterin erklärt der Mädchengruppe ein Ritterspiel. Wem das alles noch immer nicht reicht, der kann sich auch mit dem Tauschen von Sammelbildern beschäftigen. Die Kleber zeigen aber nicht etwa berühmte Fussballer, sondern die Lagerprominenz.

Hellseherin Orenda, Ritter Hans oder Königin Erzelinde - die Maskottchen. Dazu lassen sich die Wappen der Dörfer sammeln. Fünf Bildchen gibt es für zehn Exkalabur-Taler, die von den Leitern an die Kinder verteilt werden.

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