Seuche anno 1920

Vor genau 100 Jahren: So bekämpfte die Aargauer Regierung damals die «Influenza»

Der «Aargauische Hausfreund» vom 11. Februar 1920. Die Aargauer Regierung veröffentlichte ihre Verordnung zur Bekämpfung der «Influenza».

Der «Aargauische Hausfreund» vom 11. Februar 1920. Die Aargauer Regierung veröffentlichte ihre Verordnung zur Bekämpfung der «Influenza».

Alles schon mal da gewesen. Wenn man die Massnahmen des Aargauer Regierungsrates zur Bekämpfung der Grippe anno 1920 liest, findet man viele Parallelen zu heute. Vor genau hundert Jahren forderte die Influenza allerdings Tausende Erkrankte und viele Tote.

Weil die SVP Aargau dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, stöbert SVP-Generalsekretär und Vizegrossratspräsident Pascal Furer zur Zeit besonders häufig im Zeitungsarchiv. Dabei stiess er auf eine Trouvaille im "Aargauischen Hausfreund", dem offiziellen Organ der Bauernpartei des Bezirks Brugg". Der Artikel in der Ausgabe vom 11. Februar 1920, den Furer dort fand, erinnert an die Corona-Debatte und die Massnahmen dieser Tage.

Der Aargauer Regierungsrat veröffentlichte einen Massnahmenkatalog zur Bekämpfung der «Influenza»; ob es sich um die dritte Welle der Spanischen Grippe handelte, ist zu vermuten, aber nicht eindeutig. Allein in einer Woche wurden über 2100 Erkrankte und 23 Tote gezählt im Kanton Aargau. Die Spanische Grippe forderte insgesamt über 24'000 Tote in der Schweiz.

Und hier die Verordnung der Aargauer Regierung vom 7. Februar 1920 im Wortlaut:

Der Regierungsrat des Kantons Aargau, gestützt auf Paragraph 14 des Gesetzes über die Organisation des Sanitätswesen vom 15. Christmonat 1836 und den Bundesratsbeschluss betreffend Bekämpfung der Influenza vom 4. Februar 1920, beschliesst:

1. Um die Ausbreitung der Influenza (Grippe) möglichst zu verhüten, wird bis auf weiteres die Veranstaltung von Tanzanlässen, Konzerten, Theateraufführungen und Versammlungen im ganzen Kanton verboten.

2. Die Verordnung betreffend die Massnahmen gegen Verbreitung ansteckender Krankheiten in der Schule vom 10. Nov. 1916 wird hiermit auch auf die Influenza ausgebreitet.

3. Influenzakranke haben sich bis 8 Tage nach der Entfieberung vom Verkehr mit anderen Personen möglichst fernzuhalten und insbesondere Arbeits- und Versammlungsräume zu meiden.

4. Die Leitungen der staatlichen und privaten Anstalten und Spitäler werden ermächtigt, alle Besuche bei ihren Insassen zu verbieten.

5. Die Gemeinderäte haben alle Vorbereitungen zu treffen zur Einrichtung von Notspitälern, damit solche bei weiteren Umsichgreifen der Seuche sofort eröffnet und betrieben werden können.

6. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit Geldbusse von bis zu 5000 Franken oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Beide Strafen können verbunden werden. Zuwiderhandelnde haften zudem für allen aus der Übertretung Dritten erwachsenden Schaden.

7. Die Verordnung tritt mit diesem Dienstag den 10. Februar laufenden Jahres in Kraft.

Der Artikel zur Influenza-Bekämpfung vom 11. Februar 1920 im "Aargauischen Hausfreund"

Der Artikel zur Influenza-Bekämpfung vom 11. Februar 1920 im "Aargauischen Hausfreund"

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