Wahlsonntag

Wahlergebnisse Bezirk Zofingen: Die Zofinger lieben Dynastien

Bei der FDP wurde überraschend nicht Martin Bhend, sondern Tobias Hottiger gewählt.

Zofingen ist der Bezirk der Politikerdynastien: Mit Abstand am besten wieder in den Grossen Rat gewählt wurde Christian Glur (SVP, Murgenthal), der Sohn von alt Nationalrat Walter Glur. Neben der Marke «Glur» zieht auch die Marke «Giezendanner»: Mit 5981 Stimmen schaffte der zweite Sohn von alt Nationalrat Ueli Giezendanner den Sprung ins Kantonsparlament (siehe Zweitstoff). Und auch der Brand «Hottiger» scheint von grossem Wert zu sein. Von so grossem, dass es innerhalb der Freisinnigen eine faustdicke Überraschung gab. Zum Nachfolger des nach 39 Jahren nicht mehr antretenden Herbert H. Scholl (Zofingen) wurde nämlich nicht der top gesetzte Martin Bhend (Oftringen), der Chef der Stiftung Orte zum Leben (Lenzburg und Oberentfelden), gewählt, sondern der Arzt Tobias Hottiger (36). Er ist der Sohn von Zofingens Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger (67), der als Parteiloser auf der CVP-Liste die Wiederwahl schaffte.

«Früh mitbekommen, was politische Verantwortung heisst»

Vater und Sohn Hottiger haben schon Erfahrung damit, im gleichen Saal zu politisieren. Tobias Hottiger ist in Zofingen Einwohnerrat. Der Freisinnige sagte während des Wahlkampfs in einem Interview: «Meine Eltern haben mir Werte wie Zielstrebigkeit, Authentizität und Offenheit vermittelt. An diese versuche ich mich auch in der Politik zu halten. Von meinem Vater Hans-Ruedi Hottiger habe ich schon früh mitbekommen, was es bedeutet, politische Verantwortung zu übernehmen.»

Die gewählten Grossrätinnen und Grossräte aus dem Bezirk Zofingen:

Junior Hottigers Anliegen sind etwa: «Die Wartezeiten am Bahnübergang an der Aarburgerstrasse zwischen Zofingen und Oftringen sind ein Ärgernis. Ich werde mich dafür einsetzen, dass möglichst schnell eine Unterführung realisiert wird.» Und: «Ich würde das Verbot der aktiven Sterbehilfe für todkranke Patienten aufheben, weil ich finde, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, selbst über sein Leben zu bestimmen.»

Die Grünen gewannen einen Sitz der SP

Die Freisinnigen hatten auf den Gewinn eines dritten Sitzes gehofft. Doch sie verloren nach 2016 nochmals etwas an Wähleranteil: Nach 1,2% waren es jetzt 0,4%. Stärker hat es die Sozialdemokraten erwischt: Sie verloren 2,8 Prozent und büssten ihr vor vier Jahren gewonnenes Mandat wieder ein. Dieses ging an die Grünen, bei denen die Zofinger Physiotherapeutin und Familienfrau Alice Sommer (35) neu gewählt wurde. Die Grünen konnten mit einem Plus von 4,5 Prozent am meisten zulegen.
Eher enttäuschend sind die Zugewinne bei der GLP: plus 1,9 Prozent. Der Zofinger Stadtrat Dominik Gresch ist ihr neuer Grossrat. Damit sind drei der sieben Mitglieder der Stadtregierung auch im Kantonsparlament vertreten.

Aus Sicht des Suhren- und Uerkentals ist bemerkenswert, dass sämtliche Bisherige die Wiederwahl schafften. Der Sitz der nicht mehr kandidierenden Regina Lehmann (Reitnau) ging an die Stadt Zofingen. Auf der SP-Liste rangieren Chantale Bürli (Kölliken), Andreas von Guten (Kölliken) und Helena Taiana (Staffelbach) unter ferner liefen – immerhin waren sie deutlich besser als SP-Kantonalsekretär Sascha Antenen.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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