Die Anklageschrift des Vierfachmords von Rupperswil liest sich wie ein Protokoll des Grauens: Thomas N. hatte den damals 13-jährigen Jungen Davin Schauer bereits lange vor seiner Tat ausspioniert. Den sexuellen Missbrauch hielt er auf Kamera fest. Die Aufnahmen davon sah er sich bis zu seiner Verhaftung immer wieder an.

"Er hat die Tat akribisch geplant und nichts dem Zufall überlassen", sagt der ehemalige Kriminalkommissar Markus Melzl in der Sendung von "Tele M1". Selbst Eventualitäten habe er eingeplant. "Und diesen Plan dann in einer wahnsinnigen Kaltblütigkeit durchgezogen." 

Nach Rupperswil waren weitere Morde geplant

Nach Rupperswil waren weitere Morde geplant

Laut Experten sei das Verhalten von Thomas N. typisch für Serienkiller. Nur dank der guten Arbeit der Polizei konnten weitere Morde verhindert werden.

Nach dem Mord an der Familie Schauer und der Freundin des ältesten Sohnes liess es sich Thomas N. gutgehen: Mit dem Geld, das Carla Schauer abgehoben hatte, kaufte er sich teure Markenkleider. Bezahlte eine Lebensversicherung. Schenkte seiner Mutter zu ihrem 60. Geburtstag eine Reise nach Paris.

Derweil plante Thomas N. seine nächste Tat, in einem Notizbuch führte er "fein säuberlich" eine Liste mit potenziellen weiteren Opfern. Vor dem Haus einer Solothurner Familie soll er bereits mit gepacktem Rucksack gestanden haben – einen Tag, bevor er im Aarauer Starbucks im Mai 2016 verhaftet wurde.

Für Andreas Frei, leitender Arzt Forensik der Psychiatrie Baselland, besitzt Thomas N. das typische Merkmal eines klassischen Serientäters: "Zwischen den einzelnen Daten gab es immer wieder sogenannte Cooling-Down-Perioden. In dieser Zeit hat er die Opfer beobachtet und sein Leben genossen."

Neue Details zum Rupperswiler Vierfachmord

Neue Details zum Rupperswiler Vierfachmord

Die Anklageschrift führt zu Tage, wie berechnend und brutal Thomas N. vorging. Dabei filmte er die Gewalttat und schaute die Aufnahmen monatelang an.

"Sozial ein totaler Versager"

Frei sieht in Thomas N. auch einen "Psychopathen", wie er gegenüber dem Sender sagt: "Er ist wortgewandt, kann Menschen manipulieren. Er muss gewisse gewinnende Eigenschaften besessen haben und daneben eine absolute Skrupellosigkeit."

Auch, dass Thomas N. einen Teil des Fingers vom älteren Sohn abschnitt und mitnahm – "eine Trophäe des Opfers" –, ist für Frei ein typisches Merkmal eines schwer sadistischen Täters.

Während der Angeklagte bei seinen Taten mit akribischer Planung vorgegangen war, sei sein Privatleben ein Chaos gewesen: "Er ist im sozialen Bereich ein totaler Versager, der das dank Angeberei und Hochstapelei überspielt hat."

Morgen Dienstag beginnt der Prozess gegen den Vierfachmörder. Wie wird sich Thomas N. verhalten? "Ich erwarte nicht, dass er schweigen wird", meint Melzl. Wer bereits während des Strafverfahrens willig und detailliert Auskunft gegeben habe, tue dies normalerweise auch vor Gericht. 

Gemeindeammann von Rupperswil: «Das erschüttert einen»

Gemeindepräsident von Rupperswil: "Das erschüttert einen."

Am Dienstag beginnt der Prozess um den Vierfachmörder von Rupperswil. In der Gemeinde erwarte man den Prozess gespannt und hoffe, endgültig mit dem Fall abschliessen zu können, so der Gemeindepräsident Rudolf Hediger-Sägesser. Der mutmassliche Täter hat laut Anklageschrift vor gut zwei Jahren eine Mutter, ihre zwei Söhne und die Freundin des älteren Sohnes in ihrem Haus getötet.