Waldgesetz
Kanton will Regeln für den Schutzwald – Freizeitangebote sollen konzentriert werden

Der Wald ist bei den Menschen als Erholungsgebiet sehr beliebt. In Zeiten von Corona galt das in noch grösserem Ausmass. Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Denn es macht den Waldtieren zu schaffen, wenn der Mensch – zum Beispiel mit dem Bike – den Wald kreuz und quer erobert, ohne sich an Waldstrassen und -wege zu halten.

Mathias Küng
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Diese Art der Waldnutzung auf einem Rastplatz (hier mit Kindern in Gipf-Oberfrick) ist störungsarm.

Diese Art der Waldnutzung auf einem Rastplatz (hier mit Kindern in Gipf-Oberfrick) ist störungsarm.

Alex Spichale / AGR

Das Waldgesetz schafft Regeln für die Nutzung des Waldes. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) von Regierungsrat Stephan Attiger gibt jetzt eine Revision des Gesetzes bis 12. August in eine Vernehmlassung. Damit will sie die Voraussetzungen schaffen, damit die Schutzwaldpflege im Aargau umgesetzt und mit Beiträgen unterstützt werden kann. Das Waldgesetz wird zudem an verschiedene veränderte rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen angepasst.

3000 Hektaren Schutzwald auch im Aargau

Auch wenn der Aargau beileibe kein Gebirgskanton ist, weist er doch rund 3000 Hektaren Schutzwald auf. Wie es sein Name sagt, schützt er Menschen, Siedlungen und weitere Infrastrukturanlagen gegen Naturgefahren wie Hangrutsche und Steinschlag. Im Vergleich mit der übrigen Schweiz nimmt der Schutzwald im Aargau eine eher unterordnete Bedeutung ein. Gemäss dem Waldgesetz des Bundes müssen die Kantone jedoch eine minimale Schutzwaldpflege sicherstellen, wo es die Schutzfunktion erfordert.

Wer sich im Wald aufhält, tut dies auf eigene Verantwortung. Dieser Grundsatz wird im kantonalen Waldgesetz aufgenommen. Waldeigentümerinnen und -eigentümer haften demnach – vorbehältlich der übergeordneten Haftungsbestimmungen – nicht für waldtypische Gefahren wie abbrechende Äste und umstürzende Bäume.

Störungsarmes Nutzen von Feuerstellen und Rastplätzen

Freizeitnutzungen im Wald müssen grundsätzlich störungsarm sein. Dazu zählen auch die Nutzung von einfachen Feuerstellen und Rastplätzen, die schon seit langem landläufig als übliche und waldverträgliche Nutzung wahrgenommen wird. Intensivere Nutzungsformen wie Seilparks oder Biketrainingsanlagen sind jedoch auf geeignete Gebiete mit gezielten Lenkungsmassnahmen zu konzentrieren.

Gleichwohl wird der Wald immer mehr als Erholungsraum genutzt. Die Siedlungsdichte, die landwirtschaftliche Nutzung und die klimatischen Verhältnisse drängen Raum beanspruchende Aktivitäten in den Wald. Dies gewiss auch, weil der Wald im Aargau von allen Orten in kurzer Zeit erreichbar ist.

Beim Kanton sieht man darin aber auch Chancen. So könne man attraktive und flächig konzentrierte Freizeitangebote entwickeln, die eine Lenkungswirkung entfalten, heisst es dazu in der Vorlage aus dem Departement Attiger. So kann eine Gemeinde ein Angebot aktiv anbieten und Bedürfnisse vor Ort abdecken. Diese Konzentration soll indessen auf maximal einem Prozent der Waldfläche stattfinden.

Was ist eine Waldstrasse?

So macht die Vorlage etwa klar, dass Fahren und Reiten abseits der Waldstrassen und -wege unzulässig ist. Mit Waldstrassen und Waldwegen meint der Kanton befestigte, mindestens zwei Meter breite Wege. Und die Vorlage stellt fest, dass die Regeln hinsichtlich Biken teilweise ungenügend bekannt sind. Der Kanton begleitet denn auch aktiv ein Projekt "Biken unteres Suhre- und Wynental", um unter Einbezug aller Betroffenen eine tragfähige Lösung zu finden.

Im Bereich Fahren und Reiten abseits von Waldstrassen/-wegen liegt die Kompetenz zur Bewilligung von Trails und befahrbaren Streckenabschnitten auf Wanderwegen bei den Gemeinden. Beim Kanton findet man diese Zuständigkeit genau richtig und will sie nicht ändern. Er Kanton sieht sich selbst hier in der moderierenden und überwachenden Rolle.

Gemäss geltendem Richtplan können die Gemeinden für intensive Formen der Freizeitnutzung des Waldes raumplanerische Zonen ausscheiden. Nun soll diese Möglichkeit mit der Vorlage auch auf Gesetzesstufe verankert werden.

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