Gemeinden

Wars das mit der Fusions-Euphorie im Aargau?

Endingen und Unterendingen, eine der letzten Fusionen.

Endingen und Unterendingen, eine der letzten Fusionen.

Der Fusionsprozess harzt, doch es laufen spannende Debatten. Dass Städte wie Baden und Aarau wachsen wollen, ist keine Aargauer Eigenheit.

Die Glarnerinnen und Glarner haben 2011 aus der Not heraus die Zahl ihrer Gemeinden radikal auf drei gesenkt. Fusionen in einem solchen Ausmass sind im Aargau undenkbar und sie wären auch in keiner Weise zielführend. Doch gerade die grössten Städte Aarau und Baden würden gern auch durch Zusammenschlüsse weiter wachsen.

Sie wollen national stärker wahrgenommen werden und mehr mitreden. Heute sind sie kleiner als die sieben grössten Zürcher Städte. Auch kleinere Hauptstädte anderer Kantone versuchen, über Zusammenschlüsse zu wachsen. Bellinzona und Delsberg klären mögliche Fusionen ab, Sitten könnte dank Fusion der 30 000-Einwohner-Grenze näher kommen. Neuenburg will mit mehreren Nachbargemeinden mit über 40 000 Einwohnern endlich grösste Stadt im Kanton werden.

So hat sich die Aargauer Gemeindelandschaft seit 2009 verändert


Auch im Aargau läuft im Grossraum Aarau ein analoger spannender Prozess (vgl. Grafik) – mit sehr offenem Ausgang. Kleinere, ländliche Gemeinden überlegen ebenfalls, ob sie sich via Fusion administrativ entlasten, finanziell und bei der Verfügbarkeit von politischem Personal verbessern könnten. Unsere Grafik zeigt indes, dass immer wieder Fusionsprozesse scheitern. Und zwar aus unterschiedlichsten Gründen, wie Yvonne Reichlin, Chefin der Gemeindeabteilung, im untenstehenden Interview darlegt.


Am stärksten läuft die Fusionsdebatte in der Westschweiz und im Tessin. Gesamtschweizerisch verschwanden per 1. Januar aber nur 30 Gemeinden. Die Schweiz zählt damit heute 2294, der Aargau 213 Gemeinden. Der Aargau ist mit seinem gemächlichen Tempo kein Exot. Yvonne Reichlin glaubt nicht, dass die zwei Jahre im Aargau ohne Fusion das Ende eines Prozesses sind, sondern eine Verschnaufpause. Sie denkt, dass die Zahl der Gemeinden etwa um eine pro Jahr sinken könnte.


Markus Leimbacher berät im Aargau Gemeinden in Fusionsprojekten. Vor einem Jahr rückte er in dieser Zeitung angesichts fehlender Fusionen von seiner ursprünglichen Prognose ab, der Aargau zähle 2030 noch 100 Gemeinden. Er bleibt aber überzeugt, dass eine Gemeinde mindestens 2500 Einwohner haben sollte, um die wachsenden Herausforderungen bewältigen zu können.

Wie viel Geld die Gemeinden im Detail bekommen für eine Fusion: 

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