Warmer Herbst

Warum die Fische «Ulrike» nicht mögen – oder die Schattenseite des Hochs

«Ulrike» heisst das Hoch, das uns dieses herbstliche Wunderwetter beschert. Es ist zurzeit sehr beliebt. Die zunehmende Trockenheit schafft aber auch eine Reihe von Problemen. Viele Fische in Aargauer Gewässern kämpfen ums Überleben.

«Ulrike» ist zurzeit äusserst beliebt. Und wird es noch einige Tage bleiben. «Ulrike» macht uns fröhlich und gut gelaunt, bringt uns dazu, dass wir fast noch sommerlich gekleidet uns im Freien bewegen, Berge und Hügel erklimmen, am See flanieren, in der Gartenwirtschaft sitzen. Und das im eigentlich nebel-düsteren November!

«Ulrike» heisst das Hoch, das uns dieses herbstliche Wunderwetter beschert. Doch die warmen, sonnigen Tage haben auch ihre Schattenseiten. Denn «Ulrike» tut nicht wirklich allen gut. Das Wasser wird knapp. Viele Fische in Aargauer Gewässern kämpfen ums Überleben.

Weniger Wasser, weniger Strom

«Seit Monaten verzeichnen wir in den aargauischen Fliessgewässern ausserordentlich tiefe Pegelstände», erklärt Christophe Lienert, Leiter Fachbereich Hydrometrie beim Kanton. Diese lange Trockenperiode werde jetzt durch das aussergewöhnlich schöne und trockene Herbstwetter zusätzlich verlängert. Das führe zu heiklen Situationen in verschiedenen Bereichen. Betroffen sind zum Beispiel die Fische.

«Die niedrigen Wasserstände führen zwar zu einer angespannten Situation für die Fische», sagt David Bittner, Fachspezialist Fischerei beim Kanton. «Allerdings ist die Lage doch weniger dramatisch, als sie etwa im August war.» Denn jetzt sei das Wasser deutlich kälter als im Hochsommer und enthalte deshalb auch mehr Sauerstoff. Mehr Wasser wäre schon wünschenswert, sagt Bittner, «aber bitte kein Hochwasser». Denn jetzt beginne die Laichzeit der Forellen. Und ein Hochwasser könnte den im kiesigen Boden abgelegten Laich wegschwemmen.

Die niedrigen Wasserstände führen auch dazu, dass die Laufwasserkraftwerke im Aargau weniger Strom produzieren. Genaue Zahlen zu einzelnen Kraftwerken sind aber von der Axpo nicht erhältlich. «Während Laufwasserkraftwerke durch die fehlenden Regenfälle teilweise eine geringere Wasserführung aufwiesen, profitieren im Gegensatz dazu die Speicherkraftwerke mit ihren Stauseen vom zusätzlichen Schmelzwasser der Gletscher. Dieses glich die fehlenden Niederschlagsmengen aus», erklärt Axpo-Sprecher Tobias Kistner.

Wassermangel in Wegenstetten

«Die Bauern haben einen schwierigen Sommer hinter sich», erzählt Alois Huber, Präsident des Bauernverbands Aargau. «Es war zu trocken, das Gras wuchs kaum – und jetzt fehlt das Heu für den Winter». Das sei eine Situation, die vielen Bauern zu schaffen mache.

Das schöne Novemberwetter, das «Ulrike» bringe, sei einerseits sehr erfreulich. Denn es erleichtere die Bodenbearbeitung, aber auch die Ernte von Mais und Zuckerrüben. Andrerseits werde das Wasser zusehends knapp. Das Entnahmeverbot aus Flüssen und Bächen bestehe weiterhin; vielenorts sinke zudem der Grundwasserspiegel stetig. Bereits wird denn auch in einigen Gemeinden das Wasser knapp. So wird die Bevölkerung von Wegenstetten aufgefordert, den Wasserverbrauch auf das Notwendige zu beschränken. Insbesondere soll auf das Autowaschen und ein übermässiges Bewässern von Gärten und Grünflächen verzichtet werden – das kommt sonst höchsten im Hochsommer vor. Zudem werden die ans öffentliche Versorgungsnetz angeschlossenen Brunnen im Dorf bis auf weiteres abgestellt.

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