Lohnarbeit

Warum Hallers Erntemaschinen immer mehr zu tun haben

Das Familienunternehmen Haller macht für Bauern die Erntearbeit. Die Tendenz, solche Unternehmen im Aargau in Anspruch zu nehmen, ist steigend. Die Effizienz nimmt dadurch zu, jedoch gibt es einige, die darunter leiden.

Es ist Erntezeit und im Aargau sieht man zu dieser Saison die grossen Erntemaschinen über die Felder ziehen, während man selber im Zug oder im Auto zur Arbeit fährt. Was viele unbedarfte Beobachter aber nicht wissen: Die Maschinen gehören gar nicht den Bauern, und am Steuer sitzt ein gemieteter Lohnarbeiter, oder sie fahren sogar ganz von alleine. Die Ernte wird immer weniger vom Bauer selber verrichtet, statdessen wird ein Lohnunternehmen mit der Aufgabe betreut. Der Trend hin zur «Auslagerung» steigt an und damit wächst der Druck.

Lohnunternehmen werden immer besser

Das Familienunternehmen Haller GmbH aus Birrhard aus dem Bezirk Brugg ist eines dieser Lohnunternehmen. Wie jedes vergleichbare Unternehmen hat sich Haller spezialisiert, die Ernte von Erbsen und Bohnen ist ihr Fachgebiet, daneben bieten sie das Ernten von anderen Feldfrüchten wie Getreide, Gras oder Mais an.

So ist Haller zur Zeit mit dem Ernten von Silomais beschäftigt, das Anfang bis Mitte September von den Feldern muss. «Dabei gibt es immer mehr Ernte, die in immer kürzerer Zeit eingefahren werden muss», sagt Thomas Haller, der Sohn des Geschäftsführers. Die Lösung dieses Problems liege in Effizienz und Spezialisierung, glauben Hallers und sie sind damit nicht alleine.

Die Arbeit der Hallers ist deshalb von Effizienz geprägt. Um die gesamte Silierung bei einem Bauernbetrieb durchzuführen, reichen bereits vier Leute. Der Maishäcksler fährt selbständig vor und zwei Traktoren, die «Dosierwägen», fahren mit dem gehäckselten Mais zum Silo, dieser wird dann fertig in die Silos geblasen. Im Durchschnitt braucht Haller einen guten halben Tag um die gesamte Maisernte eines Bauern gehäckselt unter Dach und Fach zu bringen. Ein Bauer kann nicht so effizient arbeiten, und in so kurzer Zeit, mit so wenig Personal, so viel zu Ernten - das ist beinahe unmöglich. Gemäss Haller nehmen im Aargau geschätzte 95 Prozent aller Bauern die Dienste von Lohnunternehmen wie Haller in Anspruch.

Vormarsch der Lohnarbeiter

Ob Weizen, Mais, Bohnen, Kartoffeln oder Zuckerrüben für fast jede Ernte braucht man heute grosse und spezialisierte Maschinen. Das haben die Lohnumternehmen begriffen und werden immer gefragter.

Martin Wicki vom Aargauischen Bauernverband bemerkt Veränderungen in der Erntestruktur der Bauern: «Die Tendenz Lohnarbeiter für die Saat, die Ernte und die Verarbeitung einzustellen hat in den letzten Jahren merklich zugenommen», erklärt er - und dies nicht nur im Aargau.

Das hängt damit zusammen, dass die Landwirtschaftsbetriebe zunehmend grösser werden und sich dann ebenfalls spezialisieren. Da lohnt sich die Anschaffung von teuren, grossen Feldmaschinen nicht. Und wer soll sie dann noch steuern? Auch hier braucht es einen Spezialisten, denn die Maschinen haben oft Übergrösse und sind nicht ungefährlich.

Die Kehrseite der Medaille

Diese Entwicklung ist nun bald seit zwanzig Jahren am laufen, vorher war es anders. Damals haben sich die Bauern im Dorf selber ausgeholfen, entweder privat oder in genossenschaftlich organisierten Maschinenringen. Ihre Maschinen habe sie früher bei den lokalen Landmaschinenhändlern gekauft und auch reparieren lassen. Diese kleinen Landmaschinenhändler sind im Endeffekt die leidtragenden dieser Entwicklung.

Denn die grossen Lohnunternehmen reparieren ihre Maschinen selber, und weil sie über gut ausgerüstete Werkstätten verfügen und im Winter weniger Arbeit haben, warten sie häufig auch noch fremde Maschinen - und das zum halben Preis. «Da hilft uns niemand und wir gehen dabei ein, aber das ist eben der Markt», sagt ein resignierter Landmaschinenhändler, der nicht genannt werden möchte.

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