Benzin

Was der Wasserstand des Rheins mit dem Aargauer Benzinpreis zu tun hat

Wer vier herumkommt, bemerkt, dass von Ort zu Ort die Benzinpreise stark variieren können.

Wer vier herumkommt, bemerkt, dass von Ort zu Ort die Benzinpreise stark variieren können.

Zwischen den Kantonen Tessin und Aargau herrscht beim Benzin ein Preisunterschied von gut zehn Rappen. Der Rohölpreis ist im Moment so tief, wie seit Jahren nicht mehr, trotzdem steigt der effektive Preis an der Tankstelle. Wie kommt dieser zustande?

«Wieso zahlen wir Autofahrer im Aargau für einen Liter Benzin momentan ca. 14 Rp/l mehr als im Tessin?»

Mit dieser SMS in der Aargauer Zeitung vom 30.9 beschwerte sich Leser Ewald Rudolf von Rohr über die unterschiedlichen Preise des Benzins in der Schweiz.

Er war vor kurzem im Tessin in den Ferien und tankte dort sein Auto an verschiedenen Tankstellen zu einem durchschnittlichen Preis von 1.35 Franken pro Liter voll. Kaum ist er zurück im Aargau wird er von den üblichen Preisen von teilweise mehr als 1.45 Franken pro Liter Bleifrei 95 begrüsst.

Und tatsächlich: Gemäss «tanktipp.ch» waren in den letzten dreissig Tagen im Kanton Tessin die Benzinpreise um rund acht Rappen günstiger, als in anderen Teilen der Schweiz. Und auf «benzin-preis.ch» wird gezeigt, dass man beispielsweise in Airolo schlussendlich etwa acht Rappen weniger zahlt, als eigentlich gemeldet ist.

Der Aargau ist jedoch noch lange nicht der preishöchste Kanton. Beispielsweise Genf und Zürich verlangen für den Liter nochmals einige Rappen mehr. In diesen Kantonen überschreiten einige Tankstellen die 1.50- und selten auch die 1.60-Grenze.

Angebot und Nachfrage

Daniel Hofer, Unternehmensleiter, von Migrol erklärt, dass die Preisunterschiede vom Tessin zur Schweiz ziemlich einfach zustande kommen: Während das Mittelland von der Amsterdamer Börse und dem dortigen Rohölpreis abhängig ist, zählt alles südlich der Alpen, also das Tessin, zum Mediterranen Bereich, wie beispielsweise auch Italien. Aber: Die Rohölpreise haben sich anfang Jahr halbiert. Sie sind so tief gesunken, wie seit 2009 nicht mehr und damit ist auch der Wert von Bleifrei 95 regelrecht verdampft.

Ein weiterer Faktor ist laut Hofer aber der Gebrauch der Raffinerien. In der Schweiz werden zwei, in Deutschland beispielsweise elf Erdölraffinerien betrieben. Ist dort die Nachfrage gross, steigt der Preis in die Höhe.

Eine dritte Konstante ist der Lokalwettbewerb, der beispielsweise im Tessin sehr gross ist, weshalb sich vor Ort der Preis eher senkt.

Coop Mineraloel AG schreibt dazu: «Preisabsprachen unter den Wettbewerbern sind kartellrechtlich strengstens verboten. Daher werden die Preise täglich beobachtet und gegebenenfalls angepasst.»

Folge der Hitzewelle

Gemäss Hofer wurde im vergangenen Sommer sehr viel Benzin der europäischen Raffinerien nach Nordamerika verkauft, wodurch wir mehr fürs Tanken zahlen mussten, obwohl der Preis eigentlich gesunken ist.

Der letzte Grund für den momentan hohen, nordeuropäischen Preis, ist, dass durch den Hitzesommer der Wasserstand im Rhein dermassen tief liegt. Die Schiffe können nur noch einen Bruchteil ihrer Ware laden, die Besatzungen der Frachtschiffe müssen aber trotzdem normal entlohnt werden.

Momentan bezahlt man für eine Tonne Rheinfracht über 60 Franken. Mitte Juni war der Preis noch bei unter 16 Franken pro Tonne. Migrol-Unternehmensleiter Hofer ist darüber schockiert: «So hohe Rheinfrachtpreise habe ich noch nie erlebt.»

Tatsächlich, gemäss «minerol.ch» war er das letzte Mal Ende November 2011 über 75 Franken pro Tonne. November 2008 musste man rekordverdächtige 97 Franken berappen. Und solche Ausschläge waren meistens nur über rund ein halbes Jahr, doch solange es nicht mehr Niederschläge gibt, wird der Preis wohl kaum sinken.

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