Ex Post-Finanzchef
Wegen des Postauto-Skandals: AKB-Chef Pascal Koradi tritt zurück

Pascal Koradi tritt nach zwei Jahren als Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank zurück.

Philipp Zimmermann
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Pascal Koradi tritt zurück
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Am 1. August 2016 hatte Pascal Koradi den Chef-Posten bei der AKB angetreten.
Koradi, ehemaliger Finanzchef der Post, tritt am 12. Juni 2018 zurück, um die Reputation der AKB im Zuge des Postauto-Skandals zu schützen.
Pascal Koradi, von dem Mails im Untersuchungsbericht zur Postauto-Affäre auftauchen, war unter Druck gekommen, hatte aber Fehlverhalten zurückgewiesen.
Koradi übernahm den AKB-Chefposten von Rudolf Dellenbach, der die Bank seit April 2006 leitete.
Auf Dellenbach hatte eigentlich Andreas Waespi auf den 1. Mai 2015 folgen sollen, doch der ehemalige Chef der Bank Coop erhielt wegen Aktienkurs-Manipulationen ein dreijähriges Berufsverbot auferlegt.
Neuer AKB-Direktionspräsident ist per sofort Dieter Widmer. Er ist 51 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Familie in Unterentfelden.

Pascal Koradi tritt zurück

ZVG

Am Montag sagte Pascal Koradi, er habe als ehemaliger Finanzchef der Post von den Machenschaften im sogenannten Postauto-Skandal nichts gewusst.

Jetzt tritt Koradi dennoch als Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank (AKB) zurück. Am Montagabend hatte der Bankrat eine Sitzung wegen des Postauto-Skandals und Koradis möglicher Verwicklung.

In einer Medienmitteilung schreibt nun die AKB: "Pascal Koradi hat sich entschieden, von seiner Funktion als Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank zurück zu treten. Er hat dies nach reiflicher Überlegung im Interesse und zur Wahrung der Reputation der Bank getan."

Der Bankrat zolle diesem Entscheid, der von einem hohen Verantwortungsbewusstsein zeuge, grossen Respekt. Die persönliche Integrität und das Vertrauen in Pascal Koradi seien zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt gewesen, heisst es weiter.

"Die Reputation der AKB schützen"

"Ich habe mich entschieden, mein Arbeitsverhältnis aufzulösen. Ich denke hier in erster Linie an das Unternehmen, meine Kolleginnen und Kollegen sowie unsere Kundinnen und Kunden", lässt sich Koradi zitieren. "Ich möchte mit diesem Schritt die Reputation der Aargauischen Kantonalbank schützen."

Koradi wird im Untersuchungsbericht zum Postauto-Skandal, der am Montag publiziert wurde, mehrfach genannt. Ihm wird vorgeworfen, nicht nur von der fraglichen Praxis der Gewinnverschleierung gewusst zu haben. Er soll auch direkt involviert gewesen sein.

«Ich halte nach wie vor fest, dass ich zu keiner Zeit Kenntnis von möglicherweise illegalen Machenschaften hatte und ich stehe zu allen meinen getroffenen Entscheidungen in meiner damaligen Funktion», sagte Koradi am Montag zur AZ.

Nun beteuert er, "weiterhin zu all meinen damaligen Entscheidungen als CFO des Konzerns Post" zu stehen. Und: "Ich bedaure sehr, dass ich bis zum heutigen Zeitpunkt von den heute Verantwortlichen der Post nie angehört wurde. Eine lückenlose Klärung der Vorkommnisse wäre mir persönlich am Herzen gelegen."

Dieter Widmer wird Koradis Nachfolger

Der Nachfolger von Koradi steht bereits fest: Dieter Widmer, der seit Juli 2016 Mitglied der AKB-Geschäftsleitung ist. Der 51-jährige Widmer ist seit 1998 in verschiedenen Führungsfunktionen für die AKB tätig. Er ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Familie in Unterentfelden.

Der Bankrat hatte sich im Rahmen einer strategischen Auslegeordnung bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit möglichen Nachfolgeszenarien befasst.

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