Wahlen

Wegen National- und Ständeratswahl: Heute kommt es im Kantonsparlament zum grossen Sesselrücken

Nach dem zweiten Wahlgang sind alle Aargauer Sitze in Bundesbern, sowie der freie Platz im Regierungsrat besetzt. Die Resultate lösen eine politische Kaskade auf mehreren Ebenen aus – mehrfach rutschen nicht gewählte Kandidaten in Ämter nach.

Jean-Pierre Gallati (SVP, 53), bisher Grossrat und Fraktionschef seiner Partei im Aargauer Kantonsparlament, wurde am 20. Oktober in den Nationalrat gewählt. Im zweiten Wahlgang am 24. November wurde Gallati auch in den Regierungsrat gewählt – deshalb wird er sein Nationalratsmandat nach der ersten Session in Bern, die kommende Woche beginnt, wieder niederlegen. Zudem schaffte Hansjörg Knecht (SVP, 59) die Wahl in den Ständerat, womit auch sein Sitz in der Grossen Kammer frei wird.

Bei der SVP gibt es deshalb gleich zwei Nachrücker: Die beiden Sitze von Gallati und Knecht im Nationalrat nehmen künftig Stefanie Heimgartner (32, Baden) und Alois Huber (57, Möriken-Wildegg) ein. Heimgartner ist Grossrätin und Transportunternehmerin, sie landete bei den Nationalratswahlen mit 55 361 Stimmen auf dem ersten Ersatzplatz.

Huber ist Grossrat, Biobauer und Präsident des Bauernverbandes – er kam mit 55 255 Stimmen knapp hinter seiner Parteikollegin auf Platz acht der Nationalratsliste.

Schon vor einer Woche wurde bekannt, dass Gallati als Grossrat und Präside der SVP-Fraktion zurücktritt. Diese wird neu von Désirée Stutz (38, Rheinfelden) geführt. Den Sitz von Gallati im Kantonsparlament nimmt künftig Mario Gratwohl (49, Niederwil) ein.

«Er wird heute Dienstag vereidigt», sagt Pascal Furer, Parteisekretär der SVP Aargau, auf Anfrage. Gratwohl betreibt eine Autogarage, sitzt im Vorstand der SVP Bezirk Bremgarten und landete bei den Grossratswahlen 2016 auf dem siebten Platz der Volkspartei-Liste.

Fünf neue SVP-Grossräte nach den nationalen Wahlen

Insgesamt gibt es in der SVP-Fraktion im Grossen Rat fünf Personalwechsel. Bereits in Pflicht genommen wurden die Nachfolger von Martina Bircher (35, Aarburg) und Benjamin Giezendanner (37, Rothrist), die beide in den Nationalrat gewählt wurden.

Bircher wird im Kantonsparlament durch Erich Hunziker (48, Kirchleerau), ersetzt. Hunziker ist Gemeindeammann und wurde schon vor einer Woche in Pflicht genommen. Nachfolger von Giezendanner wird Hans Pauli (71, Oftringen)  – für ihn ist es ein Comeback im Kantonsparlament.

Pauli gehörte schon 2013 bis 2016 dem Grossen Rat an, wurde vor vier Jahren aber abgewählt. Vor ihm auf der SVP-Liste im Bezirk Zofingen landeten unter anderem Benjamin Giezendanner und Martina Bircher – ihrem Wahlerfolg im Nationalrat verdankt Pauli jetzt den Wiedereinzug ins Kantonsparlament.

Der inzwischen 71-jährige Unternehmer ist eine national bekannte Persönlichkeit, er war unter anderem Obmann des Eidgenössischen Schwingverbandes (2002 bis 2008). Einer der Höhepunkte seiner Präsidentschaft war das Eidgenössische Schwingfest in Aarau (2007).

Auch die neue Nationalrätin Stefanie Heimgartner verzichtet auf ihren Sitz im Aargauer Kantonsparlament. Sie sagt auf Anfrage: «Ich werde am Dienstag meinen Rücktritt aus dem Grossen Rat bekanntgeben.» Ersetzt wird sie dort durch Robert Alan Müller (63, Freienwil) – der Architekt ist seit 2012 Gemeindeammann im kleinsten Dorf des Bezirks Baden.

Alois Huber bleibt hingegen noch etwas länger im Kantonsparlament. «Da Jean-Pierre Gallati sein Amt als Nationalrat am kommenden Montag antreten wird, werde ich erst nach seinem Rücktritt aus dem Grossrat ausscheiden», sagt er.

Für den Biobauer rückt Jacqueline Felder (50, Boniswil) nach: Die SVP-Ortspräsidentin kandidierte schon 2012 und 2016 als Grossrätin, verpasste die Wahl ins Kantonsparlament damals aber.

Von der Burkart-Wahl profitieren Frauen aus dem Bezirk Aarau

Bei der FDP hat die Wahl von Thierry Burkart (44, Baden) in den Ständerat gleich einen doppelten Effekt. Einerseits rutscht Maja Riniker (41, Suhr) für Burkart in den Nationalrat nach. Riniker erreichte am 20. Oktober auf der FDP-Liste den dritten Platz, nur knapp hinter dem bisherigen Matthias Jauslin.

Die freisinnige Grossrätin gibt heute Dienstag ihren Rücktritt aus dem Kantonsparlament bekannt: «Die beiden Ämter im Nationalrat und im Grossen Rat miteinander auszuüben, wäre für mich von der zeitlichen Belastung her nicht möglich», sagt sie.

Ersetzt wird Riniker im Grossen Rat durch Suzanne Marclay (46, Aarau). Marclay ist seit 2018 Stadträtin und landete bei den letzten Grossratswahlen auf dem ersten Ersatzplatz der FDP-Liste.

Schon vollzogen ist der Personalwechsel im Grossen Rat bei der EVP: anstelle von Lilian Studer (41, Wettingen), die am 20. Oktober in den Nationalrat gewählt wurde, ist Lutz Fischer- Lamprecht (52, Wettingen) ins Kantonsparlament nachgerutscht.

Der Pfarrer und Einwohnerrat hat sich in den letzten Wochen bereits als eifriger Twitter-Kommentator der Aargauer Politik hervorgetan. Studer hatte auch die EVP-BDP-Fraktion präsidiert  – in diesem Amt wird sie durch Uriel Seibert ersetzt.

Präsidentinnen von SP und CVP werden von Frauen ersetzt

Auch die beiden Parteipräsidentinnen, die am 20. Oktober in den Nationalrat gewählt wurden, geben ihre Mandate im Grossen Rat ab. Marianne Binder (CVP, 61, Baden) und Gabriela Suter (SP, 47, Aarau) treten heute Dienstag aus dem Kantonsparlament zurück.

Binder wird von Cécile Kohler ersetzt – die 42-jährige Juristin landete bei der Grossratswahl 2016 auf einem CVP-Ersatzplatz im Bezirk Baden. Kohler wohnte damals in Künten, inzwischen lebt sie in Lenzburg.

Nachfolgerin von SP-Präsidentin Gabriela Suter im Grossen Rat wird Silvia Dell’Aquila (43, Aarau). Die Regionalleiterin der Gewerkschaft VPOD Aargau-Solothurn und Betreiberin des Blogs «welove-aarau» trat 2017 als wilde SP-Kandidatin zur Stadtratswahl in Aarau an.

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