In den Meyerschen Stollen in Aarau ist es dunkel, es riecht modrig, Staub kratzt in der Lunge. «Wir sind hier in der Hölle. Symbolisch zumindest», sagt Gregor Tolusso, Pfarrer in der Pfarrei Peter und Paul in Aarau. Am 25. Mai werden sich die Besucher der «Langen Nacht der Kirchen» hier mit ihren dunklen Seiten auseinandersetzen. Danach folgt der Himmel in Form eines Aufstiegs in den Kirchenturm: «Hier sind die guten Seiten des Lebens. Symbolisch zumindest.»

Der Ausflug in die Stollen war Teil der Medienkonferenz der Aargauer Landeskirchen. Zum zweiten Mal findet nächste Woche die «Lange Nacht der Kirchen» statt, an der mehr als 80 reformierte und katholische Kirchen, wie auch Freikirchen teilnehmen. Luc Humbel, Kirchenratspräsident der Römisch-katholischen Landeskirche, sagt: «Jede Kirchgemeinde konnte selbst entscheiden, wie sie die Nacht gestalten wollen.» Diese Freiheit sei geschätzt worden. «333 Events finden im ganzen Kanton statt.» Darunter Spiel, Tanz, Theater, Musik und Kulinarisches, laut Humbel gibts «spezielle Weihrauchkartoffeln und Kapuzinersuppe».

Ein Blick ins Programm: In Baden können die Besucher «Snacks, Getränke und Drinks mixen in der Bar vor der Kirche», in Beinwil am See wird ein biblischer Krimi erzählt, Brugg stellt kirchliche Ausbildungsmöglichkeiten vor und in Villmergen wird kurz vor Mitternacht Whisky verkostet.

Ziel sei, die Leute zu motivieren, in die Kirche zu gehen und sie «mit dem Virus des solidarischen Miteinanders zu infizieren», so Humbel. «Die Kirchennacht ist eine Veranstaltung für alle. Egal, ob sie gläubig sind oder nicht, ob sie laut feiern wollen oder leise gedenken.» Christoph Weber-Berg, Kirchenratspräsident der Reformierten Landeskirche, sagt: «Die Nacht ist ein Zeichen für die Ökumene. Denn uns verbindet mehr, als uns trennt.»

Die Aargauer Kirche als Vorreiter

Die erste «Lange Nacht der Kirchen» fand vor zwei Jahren statt. Die Idee wurde von den Österreichern übernommen und stiess auch bei den Aargauern auf Interesse: «2016 kamen rund 8000 Besucher», sagt Luc Humbel. Auch das positive Feedback der teilnehmenden Kirchen habe die Aargauer Landeskirchen motiviert, die Kirchennacht in eine zweite Runde zu schicken.

Humbel wagt einen Blick in die Zukunft: «Beim dritten Mal soll die Kirchennacht im Aargau zur Tradition werden.» Im Hinterkopf haben die Organisatoren aber noch was ganz anders. Nämlich eine Ausdehnung der «Langen Nacht der Kirchen» auf die gesamte Deutschschweiz. Humbel: «Schon nach der Kirchennacht sind einige Kantone auf uns zugekommen und haben gefragt, ob man wohl zusammenspannen könnte.»

Auch hätten Humbel und Weber selbst fleissig Werbung betrieben und probiert, Kirchen anderer Kantone ins Boot zu holen – mit Erfolg. Erstmals veranstalten Nidwalden, Bern, Jura und Solothurn auch eine «Lange Nacht der Kirchen» und treten unter gemeinsamen Motto auf. «Und wir dürfen mit nicht wenig Stolz sagen, dass der Aargau der Auslöser dafür war», so Humbel.

Hühnerhaut bei Glockengeläut

Am 25. Mai, dem Tag der Nachbarschaft, beginnt die «Lange Nacht der Kirchen» um 18:10 Uhr. «Dann läuten alle Glocken der teilnehmenden Kirchen im Aargau und den anderen Kantonen gleichzeitig», sagt Humbel.

Er bekomme jetzt schon Hühnerhaut, wenn er daran denke. Die Events der verschiedenen Gemeinden dauern meist bis Mitternacht. In Würenlos ist schon früher Schluss: Um 23:45 endet der «meditative Ausklang mit Yoga-Elementen im Kirchenraum».