1. Die moderne Velokette

Fast vier Millionen Velos sind auf Schweizer Strassen unterwegs, schätzt der Verband der Schweizer Fahrradlieferanten velosuisse. Dass die lautlose und umweltfreundliche Fortbewegung unter anderem auch einem Aargauer Tüftler zu verdanken ist, weiss heute kaum ein Velofahrer. Mit gerade einmal 21 Jahren zog der in Aarau geborene Ingenieur Hans Renold ins britische Manchester. Dort entwickelte er 1880 das Konzept der Hülsenkette, die – anders als die damals verwendeten Ketten – weniger Antriebskraft benötigten und einen geringeren Verschleiss aufwiesen. Die moderne Velokette war geboren.      

2. Die Alufolie

Ob zum Frischhalten von Grosis Apfelkuchen, zum bräteln im Wald oder zum Einwickeln des Döners von der Imbisbude: Die Alufolie ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Auch ihr liegt der Erfindergeist eines Aargauers zugrunde. Am 15. April 1905 liess sich der aus Menziken stammende Heinrich Alfred Gautschi seine Errungenschaft patentieren, nachdem er in seiner Aluminiumgiesserei in Gontenschwil erfolgreich die weltweit erste Aluminiumfolie herstellte. 

3. Das Birchermüesli

Haferflöckli, Obst, Jogurt – fertig ist das Birchermüesli. So simpel die Zubereitung dieser Schweizer Spezialität ist, so beliebt ist das Rezept auf der ganzen Welt. Und Sie ahnen es: Auch für diese Erfindung hat ein Aargauer den Kochlöffel geschwungen. Genauer war es der 1867 in Aarau geborene Maximilian Oskar Bircher-Benner. Auf die Idee für sein Birchermüesli kam der Arzt, als er sich wegen einer Gelbsucht selbst mit Rohkost-Diät behandelte. Das heute berühmte Schweizer Müesli war der Hauptbestandteil dieser erfolgreichen Therapie.  

4. LSD

In den Sechzigern war LSD – kurz für Lysergsäurediethylamid – die Droge der Wahl in der Hippieszene und darüber hinaus. Schöpfer der bewusstseinserweiternden Substanz ist Albert Hofmann, 1906 in Baden geboren. Hofmann stiess bei seinen Forschungsarbeiten im Bereich der Arzneimittel auf das Halluzinogen, wandte es zuerst bei Tieren und später bei sich selbst an. Im Erfahrungsbericht seines Selbstversuchs mit der Droge spricht der Aargauer von «grotesken, bedrohlichen Formen», «bösartigen Fratzen» und «kaleidoskopartig bunten Gebilden», die ihm im Rausch erschienen. 2008 ist Hofmann 102-jährig gestorben. 

5. Willisauer Ringli

Willisau? Liegt das nicht im Kanton Luzern? Ganz genau. Und doch war der Erfinder des süssen, runden Guetzli kein waschechter Willisauer, sondern ein Aargauer. Heinrich Maurer aus der Gemeinde Schmiedrued im Bezirk Kulm gilt als Urheber der Nascherei. Der Bauernsohn kam in der Schweiz weit herum, ehe er 1848 in Willisau eine Bäckerei eröffnete und die berühmte Schweizer Spezialität entwickelte. 

6. Das «System Abt»

«Hä, bitte was?», dürfte ihre spontane Reaktion auf diese angebliche Aargauer Erfindung sein. Doch die Errungenschaft von Carl Roman Abt, 1850 in Bünzen im Freiamt geboren, war für die Fortbewegung mittels Zahnradbahn von wichtiger Bedeutung. Erstmals entwickelte Abt eine Zahnschiene mit gegeneinander versetzt liegenden Lamellen (siehe Bild oben). Zwar funktionierten auch die früheren Systeme, sie bargen bei steileren Abschnitten aber immer wieder Probleme, die zu grossen Schäden an den Zahnradbahnen führten. Dank dem «System Abt» behielten die Zahnräder auch in starkem Gefälle immer optimal ihren Eingriff.  

7. Der Würfelzucker

Ein Kaffekränzchen war im 19. Jahrhundert wahrlich kein Zuckerschlecken. Weil Zucker damals vorwiegend in Form von Zuckerhüten gehandelt wurde, musste für die Süssung des Kaffees erst rohe Gewalt mit allerlei Gerätschaften angewandt werden, um aus den steinharten Kegeln kleinere Stücke zu gewinnen. Verletzungen bei diesem Unterfangen waren keine Seltenheit. Diesen Missstand beendete der in Rheinfelden geborene Zuckerfabrikant Jacob Christoph Rad. Er raspelte die Zuckerhüte kurzerhand und füllte den Zucker leicht befeuchtet in Formen, die den uns bekannten Eiswürfelschalen ähneln. Einmal getrocknet erhielt man so die perfekt geformten Zuckerstückchen, die bis heute zu Kaffee und Tee gereicht werden. Aargauer Erfindergeist sei Dank!

8. Das Schweizer Zweikammersystem

Im Bundeshaus wird viel geschwatzt. Und das nicht nur im Nationalrats-, sondern auch im Ständeratssaal. Dass unser Landesparlament heute in diese zwei Lager unterteilt ist, beruht auf der Idee von Ignaz Paul Vital Troxler. 1780 in Beromünster – damals als «Münster im Aargau» bekannt – geboren, wurde der Arzt, Politiker, Pädagoge und Philosoph 1832 in den Grossen Rat gewählt. Troxler trat politisch für eine geistige Erneuerung der Eidgenossenschaft ein und wurde zu einem bedeutenden ideellen Vorbereiter des Schweizer Bundesstaates von 1848 und zum Begründer des Zweikammersystems in unserem Land. 

9. Der «Robidog»

Lange waren sie von den Schweizer Spazierwegen nicht wegzudenken: Die grünen Kästen mit der rechteckigen Öffnung vorne und den Säcklirollen auf der Seite. Heute trifft man den «Robidog» in seiner alten Form immer seltener an, die auffallenden Kästen werden zunehmend durch herkömmliche Abfallkübel mit integrierten Säcklidispensern ersetzt. Hinter dem Hundekot-Entsorgungssystem steht die heute in Wallbach im Fricktal ansässige Firma Robi AG. Als Erfinder und Pionier des «Robidog» gilt heute Joseph Rosenast, der 1981 den Grundstein für die Hundetoilette gelegt hatte.

10. Der «Closomat»

Es gilt als kleine Revolution im Hygienebereich und so mancher Fan verzichtet heute nur widerwillig darauf. Die Rede ist vom «Closomat», dem Dusch-WC, das nach dem Geschäft mit klarem Wasser reinigt, mit warmer Luft trocknet und WC-Papier damit (fast) überflüssig macht. Urheber dieser Erfindung ist der in Suhr geborene Hans Maurer. Nach langem Tüfteln gelang es dem gelernten Maschinenzeichner 1957 den ersten Prototypen des «Closomat» zu vollenden. Heute ist das Dusch-WC des Aargauer Erfinders auf der ganzen Welt in unterschiedlichen Varianten und Ausführungen bekannt und beliebt.    

11. Die elektrische Zahnbürste

Streng genommen stammt die Idee zur ersten elektrisch betriebenen Zahnbürste nicht von einem Aargauer. Die Revolution im Mundhygienebereich entstammt den Hirnwindungen des Genfers Dr. med. dent. Philippe-Guy Woog. Nachdem der Zahnmediziner seine Vision 1954 aber zum Patent angemeldet hatte, produzierte die 1868 gegründete, in Oberentfelden ansässige Bürstenfabrik Walther AG die allerersten strombetriebenen Zahnbürsten der Welt. Bis heute werden die Geräte von Zahnärzten rund um die Welt empfohlen und haben die Gesellschaft im Sturm erobert.