Grossratswahlen

Wer passt zu wem? – «Spider» zeigen es und lindern die Qual der Wahl

Der Vimentis-Spider zeigt die Ausrichtung eines Politikers zu den wichtigsten Themen.

Der Vimentis-Spider zeigt die Ausrichtung eines Politikers zu den wichtigsten Themen.

Über 1000 Kandidatinnen und Kandidaten treten zu den Grossratswahlen im Oktober an. Nicht einfach für die Wähler, sich da ein Bild zu machen, wer ihre Interessen wohl am besten vertreten würde. Die online abrufbaren Politiker-Profile schaffen da Transparenz.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Insgesamt 1064 Kandidatinnen und Kandidaten treten im Aargau für elf Parteien zu den Grossratswahlen am 23. Oktober an. Im grössten Bezirk Baden können die Wählerinen und Wähler 30, in den kleinsten Bezirken Laufenburg, Muri und Zurzach immerhin 7 Grossrätinen und Grossräte wählen. Insgesamt sind 140 Sitze zu vergeben.

Aber welche Politiker entsprechen am besten den eigenen politischen Ansichten? Um das herauszufinden, stellt die az das Wahlhilfe-Tool von «Vimentis» zur Verfügung. Damit lassen sich online die Profile der Politiker abfragen und die eigenen politischen Ansichten mit den Positionen der Kandidaten vergleichen.

So funktionierts: Die Politiker und Politikerinnen füllen einen Fragebogen zu aktuellen Themen aus. Daraus wird ein Profil erstellt, der sogenannten «Spider». Er zeigt wie weit links oder rechts ein Kandidat steht, ob er für eine sehr liberale Gesellschaftsordnung steht oder eher konservativ ist.

Den gleichen Fragebogen kann jedermann für sich ausfüllen, «Vimentis» eruiert dann automatisch die Kandidatinnen und Kandidaten, welche die meisten Übereinstimmungen mit den eigenen Ansichten haben.

AZ Vimentis Wahlhilfe 2016

Bereits lassen sich die Profile von rund 400 Kandidatinnen und Kandidaten abrufen, 42 Prozent haben den Fragebogen ausgefüllt. Damit liege man sogar eher über den Erwartungen, sagt Daniel Geissmann, Präsident des Vereins «Vimentis».

Das Wahlhilfe-Tool ist für die Kandidaten erst seit gut einer Woche aufgeschaltet. Daniel Geissmann rechnet damit, dass man eine Teilnahme-Quote von rund 80 Prozent erreichen wird, bis die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das Wahlmaterial erhalten.

Derzeit noch etwas zögerlich sind die Kandidaten von CVP und BDP mit einer Teilnahmequote unter 30 Prozent, während bei den anderen Parteien bereits 40 bis 50 Prozent einen «Spider» haben.

Feine Unterschiede erkennbar

Wir haben zur Veranschaulichung einige Kandidatenprofile zufällig ausgewählt. Zum Beispiel ist auf einen Blick ersichtlich: Der heute 78-jährige SVP-Kandidat Frederik Briner aus Windisch, der in jungen Jahren schon einmal die SP im Grossen Rat vertrat, hat die Kehrtwende konsequent vollzogen: Sein «Spider» gleicht dem von SVP-Fraktionspräsident Jean-Pierre Gallati fast aufs Haar.

«Spider» von Frederik Briner SVP Brugg

«Spider» von Frederik Briner SVP Brugg

«Spider» von Jean-Pierre Gallati SVP Bremgarten

«Spider» von Jean-Pierre Gallati SVP Bremgarten

Online lässt sich die Beantwortung des gesamten Fragebogens einsehen. Der einstige Sozialdemokrat Briner ist zum Beispiel für die Erhöhung des Rentenalters, gegen eine Mitfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und für den Bau neuer Kernkraftwerke.

Dann zeigen sich in den «Vimentis»-Profilen aber auch die feinen Unterschiede innerhalb der gleichen Partei. So sehen zum Beispiel die «Spider» der freisinnigen Vize-Fraktionspräsidentin Sabina Freiermuth aus Zofingen und FDP-Grossrat Johannes Jenny aus Baden doch recht unterschiedlich aus.

«Spider» von Sabina Freiermuth FDP Zofingen

«Spider» von Sabina Freiermuth FDP Zofingen

«Spider» von Johannes Jenny FDP Baden

«Spider» von Johannes Jenny FDP Baden

Verwunderlich ist das freilich nicht, als Geschäftsführer von Pro Natura Aargau mag Jenny wohl ein liberaler Geist sein, hat aber sicher eine grössere Affinität für Umweltanliegen als der «durchschnittliche» Freisinnige. Jenny ist zum Beispiel für die Einführung von mobility pricing, kann sich mit dem Gedanken anfreunden, den Pendlerabzug abzuschaffen und die Einzonung von Kulturland nur noch zu erlauben, wenn andernorts die gleiche Fläche ausgezont wird.

Deutlich Richtung Umweltschutz schlägt das Pendel auch bei CVP-Mann Ralf Bucher aus Mühlau aus. Als Bauernvertreter ist er unter anderem dafür, dass Lebensmittel vom sogenannten Cassis-de-Dijon-Prinzip ausgenommen werden, sodass in der EU zugelassene Produkte nicht automatisch auch in der Schweiz zugelassen sind.

Der Vertreter der wertkonservativen CVP fällt in einigen Punkten aber auch durch recht progressive Positionen auf, zum Beispiel spricht er sich für die Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre auf kantonaler Ebene aus und befürwortet eine Reduktion des Truppenbestands der Armee auf 80 000 statt 100 000 Mann.

Nicht das Gleiche: Grün und grünliberal

Ein Blick auf das linke Lager: Im Präsidialjahr stimmt der aktuelle Grossratspräsident Marco Hardmeier zwar nicht mit, aber er ist den sozialdemokratischen Positionen treu geblieben, wie der «Spider» auf den ersten Blick verrät: Wenn es um den umfassenden Sozialstaat und Regeln für die Wirtschaft geht, steht er der Aarauer Gewerkschaftsfunktionärin Silvia Dell’Aquila in nichts nach.

Dass grün und grünliberal nicht dasselbe ist, zeigt sich auf den ersten Blick beim Vergleich der Profile der grünen Kandidatin Magdalena Küng aus Wohlen und des grünliberalen Badener Newcomers Gian von Planta: Beim Umweltschutz liegen beide nicht allzu weit auseinander, wenn es um Wirtschafts- und Finanzpolitik geht, trennen sie dann aber doch Welten. Von Planta spricht sich zum Beispiel auch «eher» dafür aus, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zuzulassen.

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