Aargau

Wermuth: «Ein dezidierter öffentlicher Auftritt kann der SP Aargau nur gut tun»

Will Präsident der kantonalen SP werden: Cédric Wermuth.

Will Präsident der kantonalen SP werden: Cédric Wermuth.

Der frühere Juso-Präsident und jetzige Nationalrat Cédric Wermuth kandidiert fürs SP-Präsidium. Den Zeitpunkt bezeichnet der 28-Jährige als ideal. «Ich habe genug Erfahrung gesammelt, um die Partei weiterentwickeln zu können.»

Herr Wermuth, Sie wollen Präsident der SP Aargau werden. Warum?

Cédric Wermuth: Die SP hat mir in jungen Jahren ermöglicht, sehr viel politische Verantwortung zu übernehmen. Ich wurde immer unterstützt, auch wenn meine Aktionen für die Partei nicht immer einfach waren. Für all das will ich den Genossinnen und Genossen etwas zurückgeben, indem ich in der Kantonalpartei für ihre weitere Entwicklung Verantwortung übernehme. Ich bringe die nötige Lust, das Engagement, die Energie und die zeitlichen Ressourcen mit.

Haben Sie wirklich genug Zeit nebst Nationalratsmandat und noch nicht beendetem Studium?

Ich werde das Studium dieses Jahr abschliessen. Ich fühle mich bereit, es ist für mich der ideale Zeitpunkt. Ich habe als Juso-Präsident, als Vizepräsident der SP Schweiz und mit zwei Jahren im Nationalrat genug Erfahrung gesammelt, um die Partei weiterentwickeln zu können.

Das Juso-Präsidium war sehr medienwirksam. Jetzt sind Sie einer von 200 Nationalräten. Da werden sich manche auch in der SP misstrauisch fragen, ob Sie mit diesem Präsidium einfach eine neue Plattform für Medienöffentlichkeit suchen.

Ginge es mir nur um persönliche Präsenz, dann wäre die nationale Bühne viel einfacher. Etwa, mit einem bestimmten Vorstoss im «Blick» auf die Titelseite zu kommen. Ich bin im Gegenteil bereit, in der Kantonalpartei notwendige grosse Hintergrundarbeit zu leisten. Das ist nicht medienwirksam. Sie reizt mich aber sehr.

Das ist harte Arbeit. Sie sind bereit, sie zu leisten?

Der Kontakt mit der Basis ist eine meiner Stärken. In meiner Zeit als Juso-Präsident haben wir in der Schweiz sehr viele Sektionen aufgebaut. Die sind alle noch da, die Juso stärker als je zuvor. Diese Präsenz ist auch in der SP wichtig, mit konkreten, lokalen Aktionen wie Unterschriftensammlungen. Wenn man die Bereitschaft dazu von der Basis erwartet, muss man es selbst auch vor- und mitmachen. Dass dies zeitlich ein grosses Engagement ist, ist mir klar. Ich bin Nationalrat, in meinem Alter aber auch sehr mobil und ungebunden. Ich kann also wirklich physisch im Kanton präsent sein.

Dann bleibt aber keine Zeit für einen «bürgerlichen» Beruf und Sie wollen Vollzeitpolitiker werden?

Ja, dafür würde ich mich entscheiden, das ist richtig. Wenn die Basis mir dieses Vertrauen geben will, dann darf sie dafür 100-prozentigen Einsatz erwarten.

Die SP Aargau ist sehr initiativfreudig. Würden Sie weiterhin darauf setzen oder andere Wege gehen?

Ich würde die nationalen Themen stärker in die kantonale Parteiarbeit einbringen. Nationale Sammelaktionen sollen ein stärkeres Gewicht bekommen. Kantonal würde ich die bisherige Initiativkadenz nicht noch steigern, sondern etwa beibehalten.

Nebst Ihnen hat bisher Grossrätin Elisabeth Burgener Interesse am Amt signalisiert. Werden Sie im Fall einer Wahl nicht zum «Ladykiller»?

Das Sekretariat der SP Aargau ist rein weiblich besetzt. Ständerätin Pascale Bruderer ist eine Frau, die Hälfte der Berner Delegation ist weiblich und fast die Hälfte der Grossratsfraktion. Die SP-Frauen Schweiz werden mit Yvonne Feri von einer Aargauerin präsidiert. Viele unserer stärksten Zugpferde in den Gemeinden sind Frauen. Stadtammann Yolanda Urech in Aarau, die Badener Stadträtinnen Daniela Berger und Regula dell’Anno-Doppler, Stadträtin Brigitte Rüedin aus Rheinfelden. Wenn die SP Aargau etwas nicht hat, dann ist es ein Frauenproblem.

Was wollen Sie als Präsident erreichen?

Als Einzelperson erreicht man nichts. Die Wähleranteile der Sozialdemokratie sind europaweit auf einem historischen Tiefpunkt. Wir können und wollen diesen Trend in der Schweiz und im Aargau kehren.

Wie wollen Sie das schaffen?

Wir müssen wieder vermehrt eine Basisbewegung und in den Sektionen präsent sein, unsere Politik ins tägliche Leben tragen. Der Wiederaufbau an der Basis liegt mir sehr am Herzen. Und ich will das gemeinsame Potenzial zusammen mit anderen Basisbewegungen etwa im Migrationsbereich, mit den Gewerkschaften, Mieterverband usw. voll ausschöpfen. Zudem bringe ich eine deutliche und provokative Sprache mit. Ein dezidierter öffentlicher Auftritt kann der SP Aargau nur gut tun. Wir sind zusammen mit den Grünen die einzige Opposition im Kanton.

Ihre stark polarisierende Art wollen Sie also beibehalten?

Meine Rolle als Juso-Präsident war eine andere, als es die als SP-Präsident sein wird – falls ich gewählt werde. Das ist mir bewusst. Als Präsident muss man eine grössere Breite von politischen Inhalten abdecken. Ich glaube auch, als Nationalrat bewiesen zu haben, dass ich sehr wohl einschätzen kann, in welcher Arena man wie auftritt. Ich werde aber meine politische Haltung und die Art zu politisieren, nicht ändern. Ich sage das, was ich denke, gerade heraus. Und ich werde mich nicht verbiegen. Es ist an der SP Aargau, zu entscheiden, ob sie mich so fürs Präsidium will oder nicht.

Ihre Partei hat zusammen mit den Grünen gegen die bürgerliche Übermacht im Grossen Rat einen sehr schweren Stand. Wie wollen Sie mehr Entscheide in Richtung SP beeinflussen?

Ich würde mich als Präsident nicht zu stark in die Fraktionsarbeit einmischen. Die Fraktion macht das sehr gut. Es ist aber so, gegenüber der rechtsbürgerlichen Mehrheit haben wir es sehr schwer im Parlament. Wir müssen vermehrt die öffentliche Bühne suchen, das Kräfteverhältnis an der Urne muss in den Fokus rücken. Nur so können wir bei konkreten Themen und Auseinandersetzungen den Trend in unsere Richtung kehren.

Kandidieren Sie 2016 zusätzlich für den Grossen Rat, um kantonal bestmöglich vernetzt zu sein?

Nein, das wäre vom Zeitaufwand her nicht zu verantworten. Zudem erachte ich Doppelmandate als sehr fragwürdig, weil sie automatisch zu Absenzen führen. Und wir haben so viele gute Leute im Grossen Rat, dass ich für mich keine Notwendigkeit sehe.

Um voranzukommen, brauchen Sie Mehrheiten. Doch für viele Bürgerliche sind Sie buchstäblich ein rotes Tuch. Würde es da für die SP mit Ihnen nicht noch schwieriger?

Sozialdemokratische Politik und sozialdemokratische Positionen müssen wehtun, sonst sind wir keine Alternative zum bürgerlichen Einheitsbrei. Es geht nicht darum, sich politisch der Mitte anzunähern, sondern genau umgekehrt. Wir müssen so stark werden, dass die Mitte nach links kippt. In meiner politischen Arbeit in den Kommissionen in Bundesbern habe ich aber gezeigt, dass ich durchaus zusammenarbeitsfähig bin. Selbst bei grössten politischen Differenzen muss man am Schluss zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden.

Ein kantonales Präsidium ist meist ein Ehrenamt, nur Spesen werden entschädigt. Wäre das okay? Immerhin dürften Sie dafür wohl zwei Tage pro Woche einsetzen.

Mit so einem zeitlichen Engagement rechne ich im Minimum. Eine Spesenentschädigung finde ich okay. Als alleinstehender 28-jähriger Nationalrat verdiene ich genug. Man sollte kantonale Präsidien zudem nicht zu stark professionalisieren. Hunderte Basismitglieder sind unentgeltlich für die SP im Einsatz. Das Präsidium ist und soll ein Ehrenamt bleiben.

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