Das gegenseitige Vertrauen fehlt. Deshalb tritt Konrad Widmer per Ende Jahr als Verwaltungsratspräsident des Kantonsspitals Aarau (KSA) zurück. Der Impuls zur Trennung sei von der Regierung gekommen, sagte Widmer am Freitag zur AZ. Aber man habe ihn nicht gross überreden müssen. Wie reagieren Gesundheitspolitiker? FDP-Grossrätin Martina Sigg begrüsst den Entscheid. «Es ist ein wichtiger und nötiger Schritt», sagt die Gesundheitspolitikerin. Widmer habe es – trotz Bemühungen – nicht geschafft, ein Netzwerk und Vertrauen aufzubauen.

Auch Severin Lüscher (Grüne) begrüsst den Rücktritt, «der sich in letzter Zeit abgezeichnet hat». Es sei «ein erster Schritt in einem Klärungs- und Läuterungsprozess». Seiner Meinung nach hätten von der Regierung über den Verwaltungsrat bis zum CEO alle einen Anteil an den ungelösten Problemen im KSA. «Die Chance für das KSA besteht nicht im Rücktritt von Konrad Widmer, sondern in der schonungslosen Analyse der gemachten Fehler», sagt Lüscher.

Martina Sigg findet, es sei jetzt wichtig, dass sich die Regierung Gedanken mache, welche Kompetenzen im Verwaltungsrat notwendig sind, um das KSA «fit für die Zukunft zu machen». Dies sei auch eine Chance. Es würden ja mehrere Verwaltungsratssitze frei. An der Generalversammlung im Mai müssen auch die zwei bisherigen Verwaltungsrätinnen Regula Jenzer Bürcher und Claudia Zuber-Bürgisser ersetzt werden, die auf diesen Zeitpunkt zurücktreten.

Konrad Widmer gibt Mandat ab

«Ich hätte mir mehr Unterstützung der Regierung gewünscht»: Das sagt der KSA-Präsident zu seinem Rücktritt

  

«Es ist wichtig, dass wir mit allen Akteuren vertrauensvoll zusammenarbeiten können»: Franziska Roth über Widmers Abgang

«Es ist wichtig, dass wir mit allen Akteuren vertrauensvoll zusammenarbeiten können»: Franziska Roth über Widmers Abgang

Zeit zum Aufräumen

SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati hat sich als Kritiker des Kantonsspitals Aarau einen Namen gemacht. Es sei Zeit zum Aufräumen, findet er und betont zugleich, Widmer habe in den zwei Jahren als Verwaltungsratspräsident nicht alles falsch gemacht. So sei ihm die Reorganisation der Geschäftsleitung gelungen. Gallati würdigt auch die sehr guten täglichen Leistungen der 4000 KSA-Mitarbeiter.

Nach Widmer brauche das KSA nun jemanden mit Führungserfahrung und enormem Durchsetzungsvermögen. «Die Person muss den Turnaround herbeiführen», sagt Gallati.

Eine zentrale Rolle dürfte dabei die Immobilienstrategie spielen. Das Spital plant Neubauten für knapp 700 Millionen Franken. «Die vom KSA beschlossene Strategie ist Harakiri», findet Gallati. «Sie lässt sich nicht finanzieren und führt zum Ruin des Spitals.» Der neu besetzte Verwaltungsrat dürfe nicht davor zurückschrecken, das Projekt neu aufzugleisen.

Schwierige Ausgangslage

Auch SP-Grossrat Dieter Egli sieht vor allem finanzielle Herausforderungen auf das KSA zukommen. «Eine Finanzierungsstrategie muss langfristig sein», sagt er. «Viele personelle Turbulenzen verhinderten das.» Egli hofft deshalb auf mehr Kontinuität. Wichtig sei, dass Regierung und Parlament mit dem neuen Verwaltungsrat einen verlässlichen Partner haben.

Severin Lüscher erhofft sich für die Zukunft unter anderem einen «klaren Auftrag für das KSA, realistische betriebswirtschaftliche Ziele und den Mut, auf Projekte zu verzichten, die mehr Prestige als Nutzen bringen». Die Person, die den Posten von Widmer übernehme, müsse integer sein, strategisch führen und klar kommunizieren können.

CVP-Grossrat Andre Rotzetter spricht von einer «schwierigen Ausgangslage». Er selber würde den Job des Verwaltungsratspräsidenten nicht haben wollen. «Die Herausforderungen sind enorm», sagt er. Das KSA müsse nicht nur den Leistungskatalog erfüllen, sondern bei tiefen Tarifen auch noch eine Gewinnmarge von 10 Prozent erreichen. «Da eine Strategie zu finden, ist schwierig», so Rotzetter.

Erstaunt hat Widmers Rücktritt die Politiker nicht. Egli sagt, angesichts der vielen Personalwechsel im Gesundheitsdepartement und der Situation am KSA sei er nicht überrascht, dass es auch im Verwaltungsrat zu Wechseln komme. «Man merkte, dass es knistert», findet Rotzetter. Besonders der Konflikt um den Leistungsauftrag für die Herzchirurgie habeeine Wirkung gehabt. Im September teilte das KSA mit, man werde sich mit dem Unispital Basel selber um den Leistungsauftrag bewerben und künftig nicht mehr mit der Hirslanden Klinik zusammenarbeiten.