Ich bin nervös. Zwar kann ich jassen, nicht allzu schlecht, und dass heute Abend mit deutschen Karten gespielt wird (obwohl Böttstein eigentlich im «französischen» Jass-Land liegt) kommt mir als gebürtigem Ostschweizer sehr entgegen. Aber das erste und bislang letzte Turnier, das ich gespielt habe, liegt Jahre zurück.

Vor der zweiten Qualifikationsrunde für den «az-Jasskönig» führen uns rot-weiss gekleidete Axpo-Damen durch das «Axporama». Guide Anne Ruttgers zeigt über die Aare auf den Reaktor Beznau 1, erzählt, dass der seit 2015 stillstehe. Hoffentlich kann ich mich schneller wieder hochfahren.

116 Jasserinnen und Jasser sind heute dabei. Die zehn Besten spielen im Mai im Final erstmals um den Titel des «az-Jasskönigs». Heute der berühmteste Mitspieler: Regierungsrat Urs Hofmann. Der März sei sein «Jass-Monat», sagt er. «Heute hier, morgen am Sidi-Barrani-Turnier in Bettwil, nächste Woche Departementsturnier.» Notiz an mich, für die Liste unnützer Wortspiele: Department Jasswirtschaft und Inneres.

Achtung: Nachfragen verboten ...

Die Standblätter werden verteilt. Alles wird einfach gezählt. Ohne Wys, Stöck, Matchbonus. Ich setze mich an Tisch 4d. Peter, Willy und Sepp sind schon da. Ich bin immer noch nervös. Aber mein Partner Willy beruhigt: Er sei auch zum ersten Mal an einem Turnier. Tief durchatmen, Karten aufnehmen. Eine Schellen-Wand! Erstes Spiel, erster Match.

Und es geht weiter so. Wir halten alles in den Händen, die Gegner haben kaum einen Stich. Peter, der an kantonalen Meisterschaften jasst, sagt: «Chame nüt mache, die hend en Lauf.» Das Tempo ist mir zu hoch. Die erste Karte liegt, bevor ich meine sortiert habe. Ich werde nachlässig, passe einmal nicht auf, frage: «Wer het die gäh?» – «Döfsch ned froge! Ufpasse!» Am Schluss gewinnen wir mit 1051 Punkten. Peter sagt, 80 Prozent des Erfolgs sei Kartenglück. Und man sehe mir an, wenn ich ein gutes Blatt habe, weil ich zu lange überlege. «Ned öberlegge! Eifach spiele. Ond muetig! Do müends verrecke!». Er tippt auf den Jassteppich.

Emotionales AZ-Jass-Turnier

Emotionales AZ-Jass-Turnier in Klingnau (17. Februar 2017)

Auf dem Schloss Klingnau wurde zum ersten Mal der AZ-Jass-König erkoren. Der Ehrgeiz bei den 88 Teilnehmern aus der Region war gross.

... oder doch nicht?

In Runde zwei komme ich mit Partnerin Martina wieder im Mittelmass an. Normalzustand. Hier spielt es sich ereignis- und relativ erfolglos, dafür gemächlich. Getrunken wird Cola und Wasser. Wer gewinnen will, bleibt nüchtern. Und ernüchtert nehme ich die 780 Punkte des zweiten Durchgangs zur Kenntnis. Das Anfängerglück ist aufgebraucht.

Dritte und letzte Runde. Tisch 11b. Und wer sitzt da? Natürlich: Urs Hofmann. Er spielt mit Bruno, ich mit Sepp. Wir begrüssen uns mit Vornamen – am Jasstisch gibt es keine Gewaltentrennung. Wir starten gut. Sepp lobt mich: «Guet gsi! Joo ned dri go mit em Zähni!» Urs stellt fest: «Ihr mached no viel!» Dann passt auch er einmal nicht auf. Fragt seinen Partner: «Häsch du s’Siebni gspielt?» – «Jo», sagt Bruno.

Dem Regierungsrat sagen, er müsse halt aufpassen, geht dann irgendwie auch nicht. Dann patze ich, spiele die beste Karte zu früh. Sepp: «Muesch dä Buur nid näh uf dä König!» Und Urs sagt, wohl aus Erfahrung: Das sei oft so, dass man den besseren Stich machen würde, wenn man zuwarten würde.

Am Schluss verlieren wir mit 919 zu 965 Punkten. Sepp aus Runde 1 sitzt nebenan, will wissen, wie es mir ergangen ist. Total 2750 Punkte, Rang 78 von 116. «Jä da isch guet! Chasch di no steigere!» – und Urs sagt: «Jo, da chasch immer.»

Die zehn Sieger der Ausscheidung auf Schloss Böttstein: (hinten von links) Paul Schibli, Mellingen (3. Rang); Werner Rechsteiner, Rietheim; Annamarie Emmenegger, Hettenschwil; Hubert Koch, Bünzen; Hans Ryter, Würenlos; (vorne von links) Gottfried Nitka, Rütihof; Emilie Hug, Schwaderloch (1. Rang); Alois Frei, Gebenstorf; Franciska Koch, Villmergen (2. Rang) ; Daniel Rohrer, Wohlen.

az Jasskönig

Die zehn Sieger der Ausscheidung auf Schloss Böttstein: (hinten von links) Paul Schibli, Mellingen (3. Rang); Werner Rechsteiner, Rietheim; Annamarie Emmenegger, Hettenschwil; Hubert Koch, Bünzen; Hans Ryter, Würenlos; (vorne von links) Gottfried Nitka, Rütihof; Emilie Hug, Schwaderloch (1. Rang); Alois Frei, Gebenstorf; Franciska Koch, Villmergen (2. Rang) ; Daniel Rohrer, Wohlen.

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