Wahlen 2019

Wie sich die Freisinnigen in Aarau Mut machen – «überholen wir die SP»

Zwei aktive und ein ehemaliger Bundesrat starten zusammen mit über 1000 Liberalen in der Schachenhalle die heisse Phase des eidgenössischen Wahlkampfs.

Der smarte Moderator Andrea Caroni (Ständerat AR) sprach vom «grössten Anlass in der Geschichte der FDP». Es war sicher der amerikanischste Wahlkampfauftakt einer grossen Schweizer Partei. Er begann mit dem Absingen der Nationalhymne und endete mit einem Konfetti- und Ballonregen. Und er war der Beweis dafür, dass die altehrwürdige Aarauer Schachenhalle gut geeignet ist für einen derartigen Event. Die Planung habe bereits vor eineinhalb Jahren begonnen, erklärte Lukas Pfisterer, Präsident der FDP Aargau.

Die Show wurde zwei Mal geprobt, bevor der «Tag der FDP 2019» kurz vor Samstagmittag begann. Lukas Pfisterer durfte die Kurzzeit-Bundeshauptstadt vorstellen und alle Aargauer Kandidaten auf die Bühne bitten – eine Ehre, die sonst keiner anderen Kantonalsektion zuteil wurde.

Von den Aargauern einen besonderen Auftritt hatte Maja Riniker: Sie wurde von Co-Moderatorin Christa Markwalder (Nationalrätin BE) kurz interviewt und dabei auf dem ganz grossen Screen gezeigt.

«Eine Abendlektüre, wenn Sie Schlafstörungen haben»

«Das ist der erste FDP-Anlass mit nur einer Rede», versprach Andrea Caroni. Es gab zusätzlich zwei Bundesrats-Interviews - geführt neben einer Schweizer Fahne. Und mit teilweise durchaus amüsantem Gehalt: So sagte Ignazio Cassis: «Das Rahmenabkommen ist geeignet als Abendlektüre – vor allem wenn Sie unter Schlafstörungen leiden.» Der Tessiner mahnte zur Geduld: «Es ist gut, wenn man die Beziehung Schweiz-EU mit etwas Gelassenheit sieht.» Und: «Die EU hat eine tiefe Wunde – Grossbritannien.» Sie sei darum «viel weniger bereit gegenüber einem Land im Herzen von Europa Konzessionen zu machen». Dass sich Cassis mit diesem Problem abmühen muss, hat einen einfachen Grund: «Man hat mir dieses schöne Departement gegeben, weil es niemand anders wollte.»

Der Tessiner wünschte der Partei für den Wahlkampf «viel Engagement». Die St. Gallerin Karin Keller-Sutter mahnte: «Es geht um etwas am 20. Oktober: Es geht darum, ob Menschen mit einem liberalen Kompass gewählt werden.» Menschen, die auch kompromissbereit seien. Karin Keller-Sutter gab zu verstehen, dass sie sich gut ins Leben als Bundesrätin eingelebt hat («Ich erhole mich, wenn ich zu Hause bin. Ich koche, backe gerne – sollte aber nicht immer alles selber essen»). Sie ist im letzten Dezember als Nachfolgrein von Johann Schneider-Ammann in die Landesregierung gewählt worden.

Von den Freisinnigen alt Bundesräten war am «Tag der FDP 2019» einzig Hans-Rudolf Merz («Ich muss gleichentags noch an die Feier 100 Jahre Pfadi Herisau») anwesend. Nicht gesichtet wurde auch der ehemalige Parteipräsident, der Aargauer Ständerat Philipp Müller.

«Admiralin der FDP» hofft auf Sieg gegen die SP

Seine Nachfolgerin Petra Gössi hatte einen starken Auftritt: «Die Admiralin der freisinnigen Flotte» (Andrea Caroni) sprach 25 Minuten lang. Roter Faden war die Kernbotschaft der FDP in der Schlussphase des Wahlkampfes: «Die Schweiz will. Gemeinsam weiterkommen». Die Schwyzer Nationalrätin sagte etwa: «Für mich ist die Schweiz nicht eine Insel, sondern viel mehr ein Schiff auf dem Ozean der Welt.» Sie betonte, die Freisinnigen würden auf die Willensgeneration setzen. «Die Willensgeneration will Chancen aufzeigen, statt Ängste zu bewirtschaften.» Die FDP sei «für eine starke Schweiz ohne EU-Beitritt – aber mit stabilen und guten bilateralen Verträgen».

Petra Gössi ist seit über drei Jahren Präsidentin der FDP Schweiz. Sie zeigte sich kämpferisch: «Der neuerdings wieder hochgelobte Sozialismus ist immer und überall gescheitert.» Für diese Aussage gabs besonders viel Applaus.

Kurz vor dem Konfetti- und Ballonregen rief die FDP-Präsidentin in die Schachenhalle: «Jetzt gilt es, unsere hervorragende Arbeit in einen Wahlsieg umzuwandeln.» Und: «Packen wir die Chancen der Zukunft – überholen wir die SP.»

Fertig war der offizielle Teil des «Tag der FDP 2019» – und das Volksfest konnte beginnen. Bei Gratis-Wurst und traumhaften Bedingungen (25 Grad plus) unter den Bäumen des Maienzugplatzes. Da sorgte die Riverstreet Jazzband für die Musik.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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