Islam

Wie verhindert der Kanton Radikalisierung in Aargauer Moscheen?

Der Verband der Aargauer Muslime bemüht sich um Transparenz. Hier Tag der offenen Moschee in Wohlen.

Der Verband der Aargauer Muslime bemüht sich um Transparenz. Hier Tag der offenen Moschee in Wohlen.

Wie steht die Regierung zu Moscheen, die von der Türkei unterstützt werden? Und was tut der Kanton, um radikale Tendenzen in islamischen Gebetshäusern zu verhindern? Der Regierungsrat soll dazu Antwort geben, verlangt ein BDP-Politiker.

BDP-Grossrat Marcel Bruggisser macht sich Sorgen um radikale Imame und die Finanzierung von Moscheen im Aargau. In einer Interpellation fragt er unter anderem, ob der Regierungsrat wisse, dass vier Moscheen im Kanton «unter dem Dach der türkischen Religionsbehörde Diyanet» stehen. Dies geht aus einem Artikel der «NZZ» von Mitte August hervor, wie Bruggisser schreibt.

Er will auch wissen, wie sich die Regierung zur Kritik von Experten stellt, in diesen Moscheen würde ein konservativer, rückwärtsgewandter Islam gepredigt. Schliesslich fragt der BDP-Grossrat, ob sich die Regierung für die Offenlegung der Moscheen-Finanzierung einsetzen werde. Und er verlangt Auskunft darüber, wie der Regierungsrat radikale Tendenzen verhindern will, die in Moscheen entstehen könnten.

Einige von Bruggissers Fragen lassen sich bereits jetzt beantworten. Recherchen der az zeigten im Frühling, dass es im Aargau sieben Moscheen gibt, die von der Türkisch-Islamischen Stiftung für die Schweiz (Tiss), einem Ableger der Religionsbehörde Diyanet, unterstützt werden. In fünf Moscheen predigen Imame, die aus der Türkei entsandt wurden und direkt von Diyanet bezahlt werden.

Das zuständige Innendepartement von Urs Hofmann teilte auf Anfrage mit, eine generelle Überwachung der Moscheen finde nicht statt, «da die Bundesverfassung die Glaubens- und Gewissensfreiheit schützt, wozu auch die freie Wahl und Ausübung einer Religion zählt». Die Behörden stünden jedoch in Kontakt mit den Verantwortlichen der 30 Moscheen im Aargau. Eine Sprecherin sagte: «Falls die Kantonspolizei Anzeichen einer Radikalisierung festgestellt, wird umgehend der Nachrichtendienst des Bundes benachrichtigt.»

Muslime erklären Finanzierung

Zur umstrittenen Finanzierung der Moscheen durch türkische Organisationen äusserte sich die Regierung bisher nicht. Serafettin Karadeniz, Präsident des islamischen Kulturvereins Rheinfelden, hielt fest, sein Verein könnte den Lohn des Imams nicht bezahlen. Zudem gebe es in der Schweiz keine Ausbildung für Imam, darum müssten Prediger aus der Türkei entsandt werden.

Malik Allawalla, der Sprecher des Verbands Aargauer Muslime, ergänzte damals, die Entsendung von türkischen Imamen in die Schweiz sei absolut legal und durch ein Abkommen geregelt. Er führte aus, die Moscheevereine seien eigenständig und würden gemäss den schweizerischen Gesetzen arbeiten. Die Moscheevereine finanzieren sich laut Allawala aus Mitgliederbeiträgen, Spenden und Einnahmen aus Anlässen. Er betonte: «Dass sie nicht im Geld schwimmen, kann jedermann selbst bei einem Besuch feststellen.»

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