Der Fall beschäftigte die Schweiz im Jahr 2015: Damals berichtete die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens über die Aargauer Grossmutter Martina Hess, die mit ihrer Enkelin untergetaucht war, um das Mädchen vor den Behörden zu verstecken.  

Der Grund: Die damals neunjährige Anna* sollte nach Mexiko zu ihrer Mutter zurückgeführt werden. Die in Mexiko geborene Tochter einer Einheimischen und des Aargauers Beni Hess hatte nach der Trennung der Eltern bei der Mutter in Zentralamerika gelebt.

Später nahm der Vater seine Tochter Anna für einen Ferienaufenthalt in die Schweiz – und behielt sie bei sich. Die Obhut war zwar der Mutter zugesprochen worden, Beni Hess betonte aber, die Tochter selbst wolle nicht zurück nach Mexiko. Die Familie war dort mittels Schutzgelderpressungen bedroht worden. Auch der tobende Drogenkrieg, der fortlaufend schlimmer werde, mache dem jungen Mädchen Angst.

Mit Enkelin geflüchtet und verhaftet

Martina Hess musste mit ihrer Enkelin schliesslich untertauchen, um der Rückführung nach Mexiko zu entgehen. Doch nach mehreren Tagen Flucht wurde sie in Südfrankreich verhaftet und in die Schweiz zurückgebracht. Mehrere Vermittlungsversuche zwischen den beiden Elternteilen scheiterten, das Mädchen flog mit seiner Mutter zurück nach Mexiko.

«Anna reagierte mit wahnsinniger Angst»: Nachdem sie mit ihrer Enkelin untergetaucht ist, erzählt Martina Hess via Skype von der Verhaftung. (Tele M1, 26.5.2015)

«Anna reagierte mit wahnsinniger Angst»: Nachdem sie mit ihrer Enkelin untergetaucht ist, erzählt Martina Hess via Skype von der Verhaftung. (Beitrag vom 26.5.2015)

Martina Hess bereut es nicht, dass sie mit ihrer Enkelin geflüchtet ist. Sie berichtet im Skype-Interview über ihre Verhaftung in Frankreich.

Beni Hess reiste seiner Tochter bald nach. Mit seiner neuen Partnerin und einem gemeinsamen Baby lebte er wieder in Mexiko, um Anna nahe zu sein. Ende Februar 2018 flüchtete Hess schliesslich mit seiner Tochter aus Mexiko und brachte sie in einer Vierzimmer-Wohnung im Kanton St. Gallen unter. Der Sorgerechtsstreit um das kleine Mädchen wurde ein Fall für das Bundesgericht. 

Dort ist man nun zu einem Urteil gelangt. Dies bestätigt Martina Hess in einem Posting auf der Social-Media-Plattform Facebook. «Das Bundesgericht hat entschieden, dass ‹Anna› in der Schweiz bleiben darf», schreibt die Grossmutter. Und weiter: «Wir sind unendlich erleichtert, dass sie nun endlich dort sein kann, wo sie schon immer sein wollte. Wir danken euch allen für alle Unterstützung und Hilfe in den letzten drei Jahren.»

Auch die Lebenspartnerin von Beni Hess bestätigt das Urteil des Bundesgerichts auf Anfrage der AZ. «Wir sind sehr erleichtert», erklärt sie und fügt an, sie und ihr Partner brauchten nun etwas Zeit, um die langen Gerichtsverhandlungen zu verarbeiten und mit ihren Anwälten zu besprechen. Schliesslich würden immer noch mehrere Straftaten im Zusammenhang mit dem langjährigen Sorgerechtsstreit verhandelt. (luk)

* Name geändert