«Wir unterstützen keine Männer»

Für die Aargauer SP-Frauen muss auf Regierungsrat Urs Hofmann zwingend eine Frau folgen.

Noemi Lea Landolt
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Mia Gujer, Vize-Präsidentin der SP-Frauen Aargau, will eine Frau im Regierungsrat. SP-Grossrat Marco Hardmeier will Nachfolger von Urs Hofmann werden.
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Mia Gujer, Vize-Präsidentin der SP-Frauen Aargau, will eine Frau im Regierungsrat. SP-Grossrat Marco Hardmeier will Nachfolger von Urs Hofmann werden.

Mia Gujer, Vize-Präsidentin der SP-Frauen Aargau, will eine Frau im Regierungsrat. SP-Grossrat Marco Hardmeier will Nachfolger von Urs Hofmann werden.

Bild: zvg Bild: Raphael Hünerfauth

SP-Grossrat Marco Hardmeier will Regierungsrat werden. Am Dienstag hat er seine Bewerbung eingereicht (AZ von gestern). Es kratzt an der Glaubwürdigkeit der SP, dass ausgerechnet ein Mann vorprescht. Die Partei hat sich Frauenförderung auf die Fahne geschrieben und kritisierte mehrfach, dass ein rein männlicher Regierungsrat nicht mehr zeitgemäss sei.

Für Parteipräsidentin Gabriela Suter ist die Geschlechterfrage zwar ein Thema. Aber offenbar ist es für sie nicht mehr zwingend, dass eine Frau auf Urs Hofmann folgen muss. Sie sagte zur AZ: «In erster Linie geht es darum, den Sitz im Regierungsrat zu verteidigen.»

«Es gibt genug fähige Frauen in der Partei»

Ganz anders klingt es vonseiten der SP Frauen Aargau. «Die SP muss zwingend eine Frau nominieren», sagt Vize-Präsidentin Mia Gujer. «Die SP-Frauen werden im Vorfeld keine Kandidaten unterstützen.» Es gebe in der Partei genug fähige Frauen. Mia Gujer nennt als mögliche Kandidatinnen, die das Rüstzeug für das Amt mitbringen, Grossrätin Simona Brizzi, Grossrätin Colette Basler, Parteipräsidentin Gabriela Suter, Lehrerverbandspräsidentin Kathrin Scholl oder die Wettinger Gemeinderätin Kirsten Ernst. «Es liegt nun an der Findungskommission, diese Kandidaturen zu fördern», sagt Mia Gujer. Die SP-Frauen können selber keine Kandidatin vorschlagen. Nominationsvorschläge zuhanden des Parteitages sind gemäss Statuten der SP Aargau den Bezirksparteien vorbehalten.

Jacqueline Fehr äussert sich nicht zur Frauenfrage

Die Findungskommission der SP Aargau wird von der Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr geleitet. Dass sie für die Findungskommission angefragt wurde, habe sie überrascht, aber auch gefreut, sagt Jacqueline Fehr. Auf Anfrage äussert sie sich nicht zur Frauenfrage. «Die Findungskommission gibt keine Wahlempfehlung ab», sagt die Zürcher Justizdirektorin. Es sei auch nicht die Aufgabe der Kommission, Frauenkandidaturen zu fördern, wie dies die SP-Frauen fordern. Die Findungskommission werde die Kandidierenden anhören und am Schluss in einem vertraulichen Bericht zuhanden der Parteileitung ihren Eindruck sowie die Stärken und Schwächen der einzelnen Kandidierenden darlegen. «Wir werden unter anderem beurteilen, ob sie die nötige Robustheit mitbringen, um im Regierungsratsamt bestehen zu können», sagt Jacqueline Fehr.

Frauen hätten sich mehr Zurückhaltung gewünscht

Mia Gujer betont, dass sie nichts gegen Marco Hardmeier habe. Er setze sich politisch für mehr Gleichstellung ein, sagt die SP-Frau. Diesen Einsatz strich Marco Hardmeier auch selber hervor. Die Gleichstellung sei eines der wichtigsten Elemente seines persönlichen Wertekanons, sagte er. Die Reduktion eines Wahlkampfs auf Mann oder Frau sei nicht angebracht. Die SP-Frauen sehen das offenbar anders. Mia Gujer hätte sich in Bezug auf Marco Hardmeiers Kandidatur «mehr Zurückhaltung gewünscht, bevor er als Mann vorprescht».

Unterstützung von den Aargauer Juso

Was die Aargauer SP-Frauen von der eigenen Partei fordern, erwarten sie im Hinblick auf mögliche Kandidaturen auch von den anderen Aargauer Parteien: «Sie sollen ebenfalls Frauen nominieren», sagt Mia Gujer. «Eine fünfköpfige Männerregierung ist schlicht nicht zeitgemäss.» Man müsse den Regierungsrat zurück ins Jahr 2020 holen. «Das bedeutet, dass mindestens zwei Regierungsratssitze von Frauen besetzt werden müssen.»

Unterstützung erhalten die SP-Frauen von den Aargauer Juso, welche die Forderungen «ganz klar unterstützen», wie Cybel Dickson sagt. «Die SP muss eine Frau stellen und zwei Aargauer Regierungsrätinnen sind das absolute Minimum.» Eine Regierung ohne Frau sei «einfach nicht repräsentativ», so Cybel Dickson. Frauen seien schliesslich keine Minderheit, sondern machten die Hälfte der Aargauer Bevölkerung aus.

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