Pandemie

«Wir wissen nicht, ob wir das überstehen» – Aargauer Clubs reagieren geschockt auf Corona-Hammer

Seit dem 9. Juli waren in Bar- und Club- betrieben noch 100 Gäste erlaubt. Jetzt werden die Regeln strenger.(Symbolbild)

Seit dem 9. Juli waren in Bar- und Club- betrieben noch 100 Gäste erlaubt. Jetzt werden die Regeln strenger.(Symbolbild)

Der Kanton Aargau verschärft die Regeln für das Nachtleben deutlich. Die 50-Personen-Grenze könnte für manche Nachtclubs im Aargau das endgültige Aus bedeuten.

In Aargauer Bars und Clubs sind ab Dienstagabend nicht mehr als 50 Personen zugelassen. Ausserdem müssen alle Gäste eine Maske tragen, selbst wenn sie am Tisch sitzen. Damit verschärft der Aargau die Regeln für das Nachtleben nochmals deutlich: Seit dem 9. Juli waren in Bar- und Club- betrieben noch 100 Gäste erlaubt.

Die 50-Personen-Grenze könnte für manche Nachtclubs im Aargau das endgültige Aus bedeuten. Maik Strassl, der Geschäftsleiter im «Nordportal» Baden, ist enttäuscht: «Egal, wie man die Kosten drückt, wir können sie mit 50 Besuchern nicht decken.» Seit der im Juli eingeführten 100-Personen-Grenze hatte der Club alle Partys gestrichen und nicht mehr aufgemacht.

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Hofft auf Unterstützung durch den Kanton

Nun wird das «Nordportal» auch die zwei bis Ende Jahr geplanten Konzerte verschieben. Auf die geplanten Maskenpartys mit bis zu 100 Personen muss der Nachtclub nun ebenfalls verzichten. «50 Gäste bedeuten gerade einmal fünf Prozent unserer Kapazität. Die günstigste Variante ist geschlossen zu bleiben.» Er hoffe noch immer auf eine Unterstützung der Kulturbetriebe durch den Kanton, schliesslich gehe es um die Existenz.

Auch das «Löschwasserbecken» (LWB) in Baden hatte den Partybetrieb nach der Einführung der 100-Personen- Grenze im Juli ganz eingestellt. Seit drei Wochen durfte das Partyvolk im LWB wieder tanzen, mit Maske. «An die Masken hatten wir uns gewöhnt, aber die Sitzpflicht ist für uns unmöglich, zu erfüllen», sagt LWB-Besitzer Dano Dreyer.

Stimmung unter Wirten leidet

«Wir sind faktisch gezwungen, zu schliessen, denn diese Sitzmöglichkeiten haben wir nicht, wir sind ein Club und keine Bar.» Die Schliessung gelte bis auf weiteres. Dieser Schritt sei schmerzhaft, sagt Dreyer: «Wir wissen nicht, ob wir das überstehen.» Auch hier sei es eine Frage der Existenz. An der Schliessung des Clubs hingen rund zehn 100-Prozent-Stellen.

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Am Montag erläuterte Kantonsärztin Yvonne Hummel die Aargauer Massnahmen vor den Medien.

Bruno Lustenberger, Wirt und Präsident von Gastro Aargau, begrüsst die Massnahmen des Kantons. «Sie sind nötig, die Zahlen zeigen es. Man muss dort handeln, wo die Gefahr gross ist.» Trotzdem bereitet ihm die aktuelle Situation Sorgen: «Unsere 1200 Betriebe im Aargau hätten jetzt Hochsaison. Das Geschäft mit Firmenessen und Weihnachtsfeiern müssen wir leider zu einem grossen Teil abschreiben.» Die Stimmung unter den Wirten leide. Umso wichtiger sei es jetzt, sich konsequent an die Massnahmen und Schutzkonzepte zu halten, so Lustenberger.

Kinobetreiber erwartet einen erneuten Besucherrückgang

Gemäss den Vorschriften des Bundes müssen ab sofort auch Kinobesucher eine Maske tragen. Koni Schibli, Betreiber des Youcinema-Kino in Oftringen, erwartet in den nächsten Wochen einen Besucherrückgang von bis zu 30 Prozent: «Das ist natürlich schmerzhaft. Mit der Zeit wird sich dies jedoch wieder einpendeln und je nach Filmprogramm wieder stabilisieren.»

Aktuell sei das Kino bei 20 bis 30 Prozent der normalen Einnahmen, noch immer fehlten die grossen Blockbuster aus Hollywood. Trotz der Maskenpflicht hofft «Kinokoni», dass die Kinogäste trotzdem oder sogar vermehrt kommen, «weil der Schutz jetzt gewährleistet ist». Die bisherigen Schutzmassnahmen in den Kinosälen, zum Beispiel, dass links und rechts von einer Gruppe ein Sitz frei ist, bleiben bestehen.

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