Wirtschaftskriminalität
Prozess gegen «Autokönig» Santoro: Das Obergericht will weitere Beweise sichten

Vergangene Woche kämpfte «Autokönig» Riccardo Santoro vor Obergericht für seine Freiheit. Nun ist klar: Es wird einen weiteren Verhandlungstag brauchen. Weitere Beweise sollen gesichtet werden.

Raphael Karpf
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2019 hatte das Bezirksgericht Lenzburg Riccardo Santoro zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen gewerbsmässigen Betrugs, Misswirtschaft, Veruntreuung, Urkundenfälschung und ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Santoro war Inhaber und Geschäftsführer der SAR Premium Cars in Dintikon. Er war bekannt geworden, weil er Luxusschlitten zu sehr günstigen Konditionen verleaste. Nur: Das Geschäftsmodell rechnete sich nicht. Innert etwas mehr als vier Jahren häufte Santoro einen Schuldenberg von über 30 Millionen Franken an.

Riccardo Santoro (l.) steht 2021 vor dem Obergericht.
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Riccardo Santoro (rechts) trifft mit seinem Anwalt 2019 vor dem Bezirksgericht ein.
Der Prozess gegen Autohändler Riccardo Santoro ist auf maximal 13 Tage angesetzt. Das Bild stammt von 2014.
Der Prozess beginnt am Montag, 7. Januar 2019, um 8.15 Uhr. Santoro weist alle Schuld von sich.
Aufsehenerregende Aktion am 25. Mai 2011 in Dintikon: Fidis Finance schickt 17 Sattelschlepper zu Santoros SAR Premium Cars.
Fidis Finance lässt über 60 Fahrzeuge bei der SAR Premium Cars in Dintikon abholen.
Danach kollabiert Santoros Autoimperium.
Gähnende Leere nach der Räumung im verwaisten Areal des SAR Premium Cars.
Mai 2012: Diese Fahrzeuge aus SAR-Leasingpleite kommen unter den Hammer.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
«Sämtliche Vorwürfe gegen mich sind haltlos»: Riccardo Santoro äusserte sich im Sommer 2011 in der AZ erstmals zum Fall SAR Premium Cars.
Sommer 2012: Die Staatsanwaltschaft versteigert 40 beschlagnahmte Autos der SAR Premium Cars.
Santoro zu seinen besten Zeiten: In der Kundenkartei des bekannten Garagisten stehen unzählige Namen von Prominenten.
Februar 2017: Riccardo Santoros Villa in Dintikon wird versteigert. Der Zuschlag für das Anwesen geht an die Aargauer Kantonalbank für 2,35 Millionen Franken.

Riccardo Santoro (l.) steht 2021 vor dem Obergericht.

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Um das zu vertuschen und die Firma am Leben zu halten, soll Santoro zahlreiche Straftaten begangen haben. Insbesondere seinen Geschäftspartner, das damalige Finanzinstitut Fidis Finance SA, über das die Autos verleast wurden, soll er geschädigt haben.

So klagte es die Staatsanwaltschaft an, und zu diesem Schluss kam das Bezirksgericht. Der Fidis wurden 12,6 Millionen Franken Schadenersatz zugesprochen.

Santoro beteuert weiter seine Unschuld

Dagegen wehrte sich Santoro. Vor Obergericht beteuerte er vergangene Woche seine Unschuld. Seine Version: Die Fidis habe von sämtlichen Tätigkeiten gewusst, sie hätten das zweifelhafte Geschäftsmodell mitentwickelt und auch von den Straftaten, die den Millionenverlust vertuschen sollten, gewusst.

Sein Verteidiger monierte, dass die Staatsanwaltschaft nicht genügend Beweise vorgelegt habe. Insbesondere Mitarbeitende der Opferfirma seien zu wenig einvernommen worden. Dabei wäre gerade das wichtig gewesen, um herauszufinden, ob die Fidis tatsächlich von den Machenschaften wusste, und falls nicht, ob sie genügend Schutzmassnahmen getroffen habe. Oder anders gesagt: Ob sie nicht einfach weggeschaut habe und deshalb ein Stück weit mitschuldig sei.

Zu einem Urteil kam das Obergericht noch nicht. Und jetzt wird bekannt: Es wird einen weiteren Verhandlungstag brauchen. Weitere Beweise sollen abgenommen werden. Welche genau, teilt das Obergericht nicht mit. Auch der Termin für den zweiten Verhandlungstag ist noch unbekannt.

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