Ende Juli gab der Kanton bekannt, dass er zwei Trinkwasserfassungen vom Netz nehmen liess. Dies, weil bei Wasserproben aus diesen Fassungen eine massive Überschreitung der Grenzwerte für das Fungizid Chlorothalonil festgestellt wurde. Der Stoff wird vom Bund als «möglicherweise krebserregend» eingestuft.

Die zwei abgeschalteten Fassungen sind nur die Spitze des Eisbergs; bei insgesamt 10 Prozent der 108 Wasserproben aus dem ganzen Kanton wurde der Grenzwert überschritten. Allerdings nur in zwei Fällen um mehr als den Faktor zehn, wonach sich das Amt für Verbraucherschutz zum sofortigen Handeln gezwungen sah.

Grüne wollen Auskunft vom Stadtrat

Dass das Amt jedoch nicht von sich aus kommunizieren durfte, wo im Kanton sich die beiden betroffenen Trinkwasserfassungen befinden, stiess bereits mehrfach auf Kritik von politischer Seite. Aktuell nun auch von den Aarauer Grünen: Deren Einwohnerratsfraktion fragt beim Stadtrat nach, ob sich eine der abgeschalteten Trinkwasserfassungen auf Aarauer Boden befinde oder ob im Wasser der Stadt anderweitig Grenzwerte für gesundheitsgefährdende Substanzen überschritten wurden. Und falls Aarau nicht betroffen sei, solle der Stadtrat trotzdem für Transparenz sorgen: «Der Kanton schreibt, er habe die Wasserversorger bereits über die Resultate der Chlorothalonil-Untersuchung informiert», heisst es weiter in der Anfrage der Grünen. In Aarau ist die Eniwa zuständig für die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser – weit über die Stadtgrenzen hinaus. «Kann die Stadt als Haupteigentümerin der Eniwa Einsicht in diese Informationen verlangen und sie auf diesem Weg der Öffentlichkeit im ganzen Kanton zugänglich machen?»

Die Grünen stellen sich mit ihrer Forderung auf den Standpunkt, der Kanton verursache mit seiner «Geheimniskrämerei» eine «grösstenteils unbegründete Verunsicherung im ganzen Kanton», anstatt «begründeter Verunsicherung an zwei Orten»: «Ein Schelm, wer hier denkt, der Kanton gewichte die Einzelinteressen der grossen Gemüse- und Getreideproduzenten höher als die Gesundheit der Bevölkerung.»

Es sei unabdingbar, dass die Messwerte detailliert veröffentlicht werden: «Sollte in näherer Zukunft ein genauerer Zusammenhang zwischen Chlorothalonil und gewissen Krebsarten bekannt werden, müssen die Betroffenen die Verantwortlichen für ihre Fahrlässigkeit zur Rechenschaft ziehen können.» Die Produzenten und der Bund, so schreiben die Grünen weiter, müssten sich die Frage gefallen lassen, warum das Gift nicht schon viel früher aus dem Verkehr gezogen wurde, «obwohl wissenschaftliche Studien auf Risiken für Mensch und Umwelt hinweisen». (nro)