Es gibt Operationen und andere medizinische Leistungen, deren Nutzen im Einzelfall zweifelhaft sind und die deshalb unnötig Geld kosten. Vor allem orthopädische Eingriffe (Hüft- oder Kniegelenkersatz) oder Operationen an der Wirbelsäule (zum Beispiel Diskushernie) zählen laut einem Expertenbericht im Auftrag des Bundesrates dazu.

Den unnötigen Kostentreibern soll nun mit einem neuen Ansatz der Garaus gemacht werden: die Zweitmeinung. Betroffenen Patienten sollen motiviert werden, im Zweifelsfall einen zweiten unabhängigen Arzt einzubeziehen. Oft, so die Hoffnung, wird sich der Patient dann gegen den geplanten Eingriff entscheiden und so dem Gesundheitswesen Geld sparen.

Das in Bern lancierte Thema haben nun auch Aargauer Gesundheitspolitiker in einer parteiübergreifenden Interpellation aufgenommen. Severin Lüscher (Grüne), Therese Dietiker (EVP), Martina Sigg (FDP), Jürg Knuchel (SP) und André Rotzinger (CVP) betonen darin, dass es noch weit mehr medizinische Bereiche gibt, bei denen Eingriffe in grossen Mengen vorgenommen und im Einzelfall hinterfragt werden könnten.

Dazu zählen sie Arthroskopien, Implantate von Schrittmachern und Defibrillatoren, Katarakt-Operationen, Hysterektomien und Prostata-Operationen.

Was der Kanton tun kann

Die Interpellanten wollen vom Regierungsrat in diesem Zusammenhang unter anderem wissen

  • wie er das Einholen von Zweitmeinungen einschätzt im Kontext der steigenden Gesundheitskosten
  • ob es Daten gebe, welche eine Aussage zu einem möglichen Effekt von Zweitmeinungen erlauben
  • ob ein Hausarztmodell ähnliche Effekte auf Qualität und Kosten habe könne wie eine Zweitmeinung eines Spezialisten
  • welche gesetzliche Möglichkeiten der Kanton habe, um das Einholen einer Zweitmeinung zu fördern oder gar zu fordern
  • ob Zweitmeinungen vertrauensfördernd seien bei einem bevorstehenden Eingriff und ob sich das positiv auf das Heilverfahren auswirke
  • ob es Erfahrungen gebe, wie Patienten und Patientinnen am besten über diese Option informiert und zum Einholen befähigt würden.

Wie fast immer im Gesundheitswesen landen auch die Interpellanten am Schluss ihres Fragekataloges bei den Kosten. Die Grossräte wollen vom Regierungsrat wissen, ob der Kanton entsprechende Programme oder Kampagnen zur vermehrten Einholung von Zweitmeinungen finanzieren könnte, wenn entsprechende Einsparungen bei den Spitalkosten erwartet beziehungsweise erzielt werden können. (az)