Kostenpflichtige Notfallnummer
Wie eine gesperrte 0900-Nummer zum teuren Unterfangen wird

Ein Telefonat hätte gereicht. Weil die kostenpflichtige Notfallnummer des Aargauer Ärzteverbands für einige Anbieter aber gesperrt ist, wird eine Ambulanz geschickt. Ein teurer Spass, der hätte verhindert werden können. Der Verband weiss um das Problem, kann aber nichts tun.

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Ein Telefonat hätte gereicht, weil die Notruf-Nummer aber gesperrt ist, folgt eine lange und teure Nacht. (Symbolbild)

Ein Telefonat hätte gereicht, weil die Notruf-Nummer aber gesperrt ist, folgt eine lange und teure Nacht. (Symbolbild)

Bruno Kissling

«Dieser Anschluss ist für die gewünschte Verbindung gesperrt», tönt es aus dem Hörer, als Radio Argovia-Moderatorin Eliane Stocker in einer Nacht von Samstag auf Sonntag die gebührenpflichtige, ärztliche 0900er-Notrufnummer des Kantons Aargau wählt. Stockers Sohn leidet am falschen Krupp und hat deshalb regelmässig Atemprobleme. So auch in dieser Nacht. Als die Beschwerden trotz der üblichen vom Arzt vorgegebenen Dosierung Kortison nicht nachlassen, wählt Stocker zuerst den Notruf 144. Sie schildert die Situation, sagt am Telefon explizit, dass sie keine Ambulanz, sondern lediglich einen Tipp brauche, was zu tun sei, damit die Symptome nachliessen. Die Disponentin am Telefon verweist auf die 0900er-Notrufnummer des Kantons Aargau, dort könne man Auskunft geben.

Dazu wird es allerdings nicht kommen. Seit letztem Jahr sind in Stockers Handyvertrag alle 0900er Nummern gesperrt, so auch die kantonale Notfallnummer. «Das war mir nicht bewusst.» Deshalb ein erneuter Anruf bei der 144. Weil diese aber über kein Beratungsangebot verfügt, wird wegen potenzieller Verschlechterungsgefahr sicherheitshalber doch ein Rettungswagen geschickt, welcher den Sohn ins Kinderspital Basel fährt. Als die Ärzte diesem noch einmal die gleiche Menge Kortison verabreichen, lassen die Beschwerden nach. Ärgerlich, denn dazu hätte man nicht ins Kinderspital gemusst. «Dieser Spass hat die Krankenkasse 1400 Franken gekostet (und uns den Selbstbehalt plus eine Nacht Schlaf).»

«Uns sind die Hände gebunden»

Dem Aargauischen Ärzteverband (AAV) ist dieses Problem bekannt. Das sei eine ungünstige Situation, aber: «Gemäss unseren Informationen ist lediglich ein geringer Teil der Bevölkerung betroffen», so der Präsident Dr. med. Jürg Lareida gegenüber ArgoviaToday. «Aus Sicht des AAV wäre eine kostenfreie Nummer wünschenswert und wird auch immer wieder angeregt.» Dem AAV seien da aber die Hände gebunden. «Wir können das Problem nicht lösen, da ein Grossratsbeschluss fordert, dass die Notfallnummer nicht gratis sein darf.» Solange das nicht geändert würde, werde es immer wieder zu solchen Fällen kommen.

(noë/ArgoviaToday)

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