1. August
Frauenpodium statt Festrede auf Schloss Lenzburg

Zur Feier des Frauenstimmrechts, dessen Einführung auf Bundesebene sich 2021 zum 50. Mal jährt, standen im Lenzburger Rittersaal drei politisch engagierte Frauen auf der Bühne.

Valérie Jost
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Von links nach rechts: Kathrin Scholl (alt Stadträtin und ehemalige Grossratspräsidentin, SP), Marianne Tribaldos (alt Einwohnerratspräsidentin, Die Mitte) und Anna Staub (Kampagnenleiterin und Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen Aargau) waren zum Podium anlässlich der Bundesfeier 2021 eingeladen.
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Moderiert wurde das Gespräch von Ruth Steiner (ganz links).
Kathrin Scholl appellierte an die Frauen, sich mehr zuzutrauen.
Das Podium stiess auf reges Interesse im Publikum.
Vor dem Podium hatte die Brass Band Imperial Lenzburg aufgespielt.

Von links nach rechts: Kathrin Scholl (alt Stadträtin und ehemalige Grossratspräsidentin, SP), Marianne Tribaldos (alt Einwohnerratspräsidentin, Die Mitte) und Anna Staub (Kampagnenleiterin und Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen Aargau) waren zum Podium anlässlich der Bundesfeier 2021 eingeladen.

Alexander Wagner

«Dieses Jahr wählen wir bewusst eine andere Form der Feier», kündigte Stadtammann Daniel Mosimann (SP) nach dem mit kräftigem Applaus bedachten Auftritt der Brass Band Imperial an. Statt einer traditionellen Festrede fand auf dem Schloss ein Podiumsgespräch statt, um im 50. Jubiläumsjahr des Schweizer Frauenstimmrechts drei Frauen in den Mittelpunkt zu stellen: Unter der Moderation von Ruth Steiner diskutierten Marianne Tribaldos, alt Einwohnerratspräsidentin (Die Mitte), Kathrin Scholl, alt Stadträtin und ehemalige Grossratspräsidentin (SP), sowie Anna Staub, Kampagnenleiterin und Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen Aargau, über ihre Erfahrungen als politisch aktive Frauen.

Als damals erst zweite Frau im Lenzburger Stadtrat betonte Kathrin Scholl, wie wichtig es sei, hinzustehen und seinen Platz einzunehmen:

«Dann kommen die Männer auch damit klar.»

Skepsis habe sie sogar eher von Frauen als von Männern erlebt. Länderspezifische Unterschiede bemerkte dagegen Marianne Tribaldos, als sie von Deutschland in die Schweiz zog und die Unterschrift ihres Mannes brauchte, um hier ein Bankkonto zu eröffnen. Das ist zwar Vergangenheit, doch Themen wie Lohngleichheit oder bezahlbare Kinderbetreuung sind immer noch aktuell und kommen ebenfalls auf:

«Dass ich als Mutter dreier Kinder arbeiten wollte, verstanden viele nicht. Sie fragten, ob ich denn nicht genug zu tun hätte»,

erzählt Tribaldos.

Als Jüngste auf der Bühne zeigte sich Anna Staub erleichtert, sich nicht mehr mit ganz so vielen Vorurteilen herumschlagen zu müssen. Für sie ist klar:

«Meine Generation hat ein anderes Rollenverständnis.»

So richte man sich heute als Frau, etwa in Karrierefragen, nicht mehr nur nach den Wünschen des Mannes. Und Kathrin Scholl traf den Kern der Diskussion, als sie Fred Astaires Tanzpartnerin Ginger Rogers zitierte, die einmal sagte: «Ich mache das Gleiche wie Fred, nur rückwärts und auf hohen Absätzen.»

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