Lenzburg
60 Jahre nach der Gründung: Bei der Realit ist die dritte Generation am Start

Heute vor 60 Jahren wurde die Realit Treuhand AG gegründet. CEO Philipp Gloor stellt Weichen für die Zukunft.

Ruth Steiner
Drucken
Teilen
Realit-CEO Philipp Gloor (l.) und Partnerin Isabelle Fringer (r.) mit der künftigen Realit-Führung: Fabio Gloor (Neffe von Philipp Gloor, Mitte links) sowie Aline Fringer und Michel Fringer (Kinder von Isabelle Fringer).

Realit-CEO Philipp Gloor (l.) und Partnerin Isabelle Fringer (r.) mit der künftigen Realit-Führung: Fabio Gloor (Neffe von Philipp Gloor, Mitte links) sowie Aline Fringer und Michel Fringer (Kinder von Isabelle Fringer).

zvg

Als eine der namhaften Treuhandgesellschaften mit Spezialwissen in Immobilien im Kanton Aargau ist auch die Realit Treuhand AG, Lenzburg, mit der Pandemie beschäftigt. «Wir vermitteln zwischen Vermieter und Mieter, wenn dieser aus einer existenziellen Notlage heraus einen Antrag auf Mietzinserlass stellt», sagt Realit-CEO Philipp Gloor. Die Realit selber hatte im ersten Lockdown im Frühling auf Schichtbetrieb umgeschaltet gehabt, da Homeoffice für einige Mitarbeitende nur im beschränkten Mass möglich gewesen war.

Die Gruppe hat heute 57 Mitarbeitende

Ganz verunmöglicht hat Corona, den Firmengeburtstag adäquat zu feiern: Heute auf den Tag genau vor 60 Jahren, am 5. Januar 1961, wurde die Realit Verwaltungs AG gegründet und damit der Grundstein zur heutigen Realit Treuhand AG und den Schwestergesellschaften in Lenzburg gelegt.

Dazwischen liegen sechs Jahrzehnte, in denen das Unternehmen zu einem veritablen KMU im Kanton Aargau mit 57 Mitarbeitenden gewachsen ist. In der breiten Öffentlichkeit vor allem als Wohnungsvermieter bekannt, erbringt der Familienbetrieb jedoch umfassende Dienstleistungen rund um die Immobilie und treuhänderisch darüber hinaus. Firmeninhaber Gloor benutzt in diesem Zusammenhang gerne den Begriff eines interdisziplinären Zusammenspiels. «Mit unserem breit abgestützten Know-how lösen wir die an uns gestellten bereichsübergreifenden Aufgaben selbst.»

Gloor betont, dass kaum eine andere Firma im Aargau so aufgestellt sei und der Realit deshalb so etwas wie eine Aussenseiterrolle zukomme.

Doch genau diese Herausforderung fasziniert und motiviert uns jeden Tag aufs Neue.

Immobiliensektor im Kanton mitgeprägt

Den Erfolg des KMU verantworten zwei Generationen der Besitzerfamilie Gloor und langjährige engagierte Mitarbeitende, wie Philipp Gloor festhält. Sie haben das Unternehmen in den vergangenen sechs Jahrzehnten durch konjunkturelle Auf und Abs gesteuert, mit viel Innovationsgeist vorantrieben und dabei auch einige Durststrecken überwunden, fasst CEO Gloor die bisherige Firmengeschichte kurz zusammen. In dieser Zeit war die Realit in viele namhafte Bauprojekte im Kanton Aargau involviert. In Lenzburg zum Beispiel beim Langsamstig-Quartier, dem «Müli-Märt», den Stadtquartieren «Widmi» und «Im Lenz».

Dazu kommen weitere Grossprojekte im Kanton wie beispielsweise das Einkaufszentrum Tivoli in Spreitenbach, das EO-Hochhaus in Oftringen, der Coop-Neubau in Schafisheim, der Centurion Tower in Brugg-­Windisch oder das Aarenau-­Quartier in Aarau.

Dritte Generation in einem Dreiergespann

Nachdem sich die Realit Treuhand AG zum 50-Jahr-Jubiläum mit dem Geschäftshaus Lenzportal einen neuen Firmensitz an zentraler Lage beim Bahnhof Lenzburg geschenkt hat, ebnet sich der Familienbetrieb zum 60. Geburtstag den Weg in die weitere Zukunft.

Seit 29 Jahren hält der 56-jährige Philipp Gloor, Betriebswirtschafter HSG, die Zügel in der Hand. Nun hat er frühzeitig seine Nachfolgeregelung angepackt und die Weichen neu gestellt: Die dritte Gloor-Generation steht am Start. «Ich freue mich, dass der unternehmerische Spirit und der Wille in der Familie da sind, das Unternehmen weiterzuführen», sagt Gloor. Neffe Fabio Gloor (30) sowie die Kinder von Philipp Gloors Partnerin Isabella Fringer, Michel Fringer (31) und Aline Fringer (27), sollen in den nächsten vier Jahren «behutsam auf die Führungsaufgabe vorbereitet werden». Fabio Gloor hat einen Master in Real Estate Management und ist bereits seit zehn Jahren im Betrieb tätig. Michel Fringer besitzt einen Master of Arts HSG. Er hat sich bei einem weltweit tätigen Immobilienberatungsunternehmen fit gemacht für die neue Aufgabe und ist jetzt in die Firma eingetreten. Aline Fringer studierte Publizistik und ist seit einem Jahr die rechte Hand der Geschäftsleitung.

Wie die Realit-Gruppe ihre Zukunft sichern will

Vorgespurt ist auch der Weg, den die Realit-Gruppe in den kommenden Jahren beschreiten will. «Die Zukunft liegt in der Automatisierung und in der Produktion», ist Philipp Gloor überzeugt. Die Computertechnologie berge neue Chancen für den Werkplatz Schweiz. Doch, betont der Realit-CEO, müsse die Schweiz wieder vermehrt selber produzieren. «Die aktuelle Pandemie zeigt deutlich auf, dass die Schweiz unabhängiger werden muss vom Ausland», und er folgert: «Der Werkstatt muss hierzulande wieder mehr Bedeutung beigemessen werden.» Deshalb wolle die Realit-Gruppe vermehrt in den sekundären Sektor investieren. Erste Schritte sind bereits gemacht, in dem zum Beispiel ein namhafter Anteil am Küchenbauer Veriset AG erworben wurde.

Vom 2018 verstorbenen Realit-Gründer Walter Gloor heisst es, er sei ein Visionär mit Bodenhaftung gewesen. Das ist zum Credo der Firma geworden. «Die Geschäftsleitung ist operativ eingebunden, die Entscheidungswege entsprechend kurz», erklärt CEO Philipp Gloor. Bodenhaftung zeigt man auch, wenn es um Expansionsfragen geht. «Das Ziel», so Gloor, «muss sein, dass unser Kapital Arbeitsplätze erhält und dass Innovationsgeist da ist, der das Kapital sichert.»