Aargau West
Trotz Coronavirus: Kommt der Samichlaus dieses Jahr zu Besuch?

Einige Chlausgesellschaften verzichten in diesem Jahr auf Hausbesuche, andere führen sie erst recht durch. Eine Übersicht über die verschiedenen Vorgehensweisen.

Florian Wicki
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Auch der Samichlaus wird von der Coronavirus-Pandemie nicht verschont.

Auch der Samichlaus wird von der Coronavirus-Pandemie nicht verschont.

zvg

Nicht nur in einer Pandemie sehnen sich viele Menschen nach Ruhe und Normalität. Dazu gehört auch, dass um den 6. Dezember, um den Samichlaus-Tag, ein alter bärtiger Mann in rotem Gewand vorbeikommt und den Kindern die Leviten liest.

In der Region Aargau-West handhaben die verschiedenen Vereine und Organisationen diesen Anlass unterschiedlich.

Samichlaus als Fels in der Brandung

Die St. Nikolausgesellschaft Schöftland-Kölliken beispielsweise verzichtet dieses Jahr wieder auf Hausbesuche, erzählt die Verantwortliche, Bianca Gyger-Knight: «Wir haben letztes Jahr schon alles in den Waldhäusern gemacht und bleiben dabei, Hausbesuche wird es auch heuer nicht geben.»

An bestimmten Standorten, die über eine gedeckte Feuerstelle verfügen. Termine buchen musste man aber trotzdem noch, so Gyger-Knight: «Jede Familie wählt sich ein verfügbares Zeitfenster aus und ist dann in dieser Zeit mit dem Samichlaus alleine da.»

Die Nachfrage sei riesig, erzählt sie, am kommenden Wochenende werden ihre Chläuse von rund 630 Kindern besucht. Der Anlass sei seit letztem Jahr noch viel wichtiger geworden, so Gyger-Knight: «Mit dem Lockdown wurde auch für die Kinder alles abgesagt, vom Räbeliechtli-Umzug bis zum Weihnachtsmarkt.» Für die Kinder sei nichts mehr so gewesen, wie vorher, abgesehen vom Samichlaus, der sei dageblieben: «Für viele Familien war der Samichlaus ein Fels in der Brandung.»

In Staufen kommt der Samichlaus mit der Dampfbahn

Tele M1

Aus Sicherheitsgründen umgestellt

Auch in Menziken findet der Samichlaus-Anlass in diesem Jahr ein bisschen anders statt als gewohnt. Normalerweise erfolgt die Entsendung des Samichlaus (zusammen mit zwei Schmutzlis) zu den Kindern und Erwachsenen zu Hause und in den Institutionen jeweils im Rahmen einer Auszugsfeier aus der katholischen Kirche in Menziken.

Doch nicht in diesem Jahr, wie Christoph Tschopp von der Samichlausgesellschaft Menziken erklärt: «Bei uns geht der Samichlaus in diesem Jahr nicht zu den Kindern, sondern die Kinder kommen zum Samichlaus.» Der Grund liegt laut Tschopp im Coronarisiko: «Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass unser gesamtes Personal eines der 3G (getestet, geimpft, genesen) erfüllt.» Das habe man die Personen, die sich bereit erklärt hatten, als Samichlaus oder als Schmutzli mitzuwirken, schlichtweg nicht gefragt.

Deshalb habe man jetzt kurzfristig umgestellt: «Wir mussten uns letzte Woche sagen, dass wir auf dieser Basis die Chlaus-Aktion nicht normal durchführen können.» Deshalb findet die Feier nun am 4., 5. und 6. Dezember jeweils von 17.30 Uhr bis 19 Uhr vor der Katholischen Kirche in Menziken statt.

Laut Tschopp ohne Terminplan: «Man muss sich nicht anmelden, sondern kann einfach vorbeikommen.» Die Nachfrage sei aus Coronagründen schon kleiner als sonst, etwa ein Drittel weniger Anfragen sind in Menziken eingegangen.

Chlaussäckli statt teure Geschenke

Auch die Chlauszunft Aarau-West macht in diesem Jahr keine Hausbesuche. Ihr Einzugsgebiet geht von Uerkheim und Safenwil über Schöftland bis nach Aarau-Rohr. Pascal Leuenberger, Zunftrat und Einsatzleiter der Chlauszunft erklärt das Vorgehen: «Wir haben verschiedene Standorte ausgewählt, etwa das Strohdachhaus oder den Bauernhof Lüscher in Muhen sowie den Forstwerkhof Distelberg in Aarau, wo uns die Familien nach Anmeldung und Terminbuchung besuchen können.»

Leuenberger ist wichtig, zu betonen, dass der Chlauszunft Aarau-West die Sicherheit aller Beteiligten an erster Stelle steht: «Alle unsere Chläuse und Schmutzlis erfüllen die 3G-Kriterien – und wer das nicht wollte, den haben wir gebeten, dieses Jahr auszusetzen.»

Das Feedback der Familien sei bisher sehr positiv gewesen, alle freuen sich, dass man den Samichlaus in diesem Jahr wieder persönlich erleben kann. Auch wenn bereits einzelne Absagen hereintrudeln: «Am Donnerstag haben zwei Familien abgesagt, weil sie sich in Quarantäne befinden – das zeigt, dass auch die Familien das Thema Corona ernst nehmen.»

Eine Bitte hat Leuenberger, dabei geht es um die Geschenke, die einige Eltern dem Samichlaus jeweils in die Hand drücken, damit der sie nachher den Kindern schenken kann: «Wir haben die Eltern gebeten, in diesem Jahr darauf zu verzichten – das Handling der Geschenke wäre viel zu kompliziert geworden.» Dafür habe der Samichlaus mit seinen Helfern für alle Kinder ein schönes Chlaussäckli zum Abgeben vorbereitet.

Familien in Eigenverantwortung

In Seengen will man die Hausbesuche durchziehen, wenn es die Familien denn wollen. Und viele wollen es, erklärt Tina Siegrist, seit bald 20 Jahren für die Koordination der Chläuse und Schmutzlis beim Turnverein Seengen zuständig: «Wir wurden mit Anfragen überrannt.»

Die Feierlichkeiten finden in Seengen (und mit Boniswil, Egliswil und Seon teilweise auch in der Region) vom 6. bis und mit 9. Dezember statt. Meistens zu Hause, so Siegrist: «Wir liessen es den Familien frei, ob der Chlaus in die Stube kommen oder draussen im Garten bleiben soll.» Die meisten wollten aber schon, dass der Samichlaus reinkommt, so wie in den Jahren vor Corona halt.

Einige Familien hätten zwar gefragt, ob der Chlaus dann eine Maske trage, was Siegrist aber verneinen musste: «Mit dem langen weissen Bart können sie nicht gut eine Maske tragen – genauso wie auch der Schmutzli mit seiner Schminke, das wäre in der Umsetzung schwierig geworden.» Viel wichtiger sei den Familien etwas anderes gewesen, weiss Siegrist: «Viele fanden es schön, dass wir überhaupt wieder etwas machen, da so auch eine gewisse Normalität zurückkehrt.» Und die bringe der Samichlaus in diesem Jahr mit.

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