Cervelat

Aargauer Fäkal-Cervelat: Traitafina kann sich Skandal nicht erklären

Jede zweite Cervelat weist im Kassensturztest eine zu hohe Keimbelastung auf.

Jede zweite Cervelat weist im Kassensturztest eine zu hohe Keimbelastung auf.

Jede zweite Cervelat ist keimverseucht, jede sechste, die Kassensturz testen liess, gar verdorben. Die schlimmste der Nationalwürste kommt aus dem Aargau und stammt vom Lenzburger Fleischverarbeiter Traitafina. Der kann es sich nicht erklären.

Hat die Lenzbruger Traitafina ein Cervelat-Problem? Ihre Wurst schnitt beim Test miserabel ab. Sie hatte sogar Fäkalbakterien drin. Es gebe kein technisches Problem, erklärt Traitafina. Als «gruusig» hatte Otmar Deflorin, Verbandspräsident der Schweizer Kantons-Chemiker, im Kassensturz-Interview solche Cervelats am Dienstag bezeichnet.

Fäkalbakterien als «menschliches Missgeschick»

Traitafina hat auf das schlechte Test-Ergebnis reagiert: Der Betrieb hat umgehend eine umfassende Untersuchung im hauseigenen Produktionsbetrieb eingeleitet. Insgesamt wurden fünf Produkte-Tests durchgeführt, bei denen zwei bereits ausgewertet sind und Keimwerte deutlich unter dem Grenzwert aufweisen. Das gleiche Ergebnis wird auch bei den drei ausstehenden Tests erwartet.

Die in den Cervelats gefundenen Fäkalbakterien sind, wie Traitafina in ihrer Medienmitteilung erklärt, nicht auf einen systematischen Fehler in der Produktion zurückzuführen.

Ekel-Cervelats aus dem Aargau: Die Hersteller können es nicht erklären

So erklärt Traitafina die Ekel-Cervelat

Es müsse sich bei diesem Befund um «ein Missgeschick, welches durch menschliches Fehlverhalten verursacht worden ist», handeln. Im Klartext: Der Fleischverarbeiter vermutete, dass ein Angestellter nach dem Gang aufs WC die Hände nicht gewaschen hat. Aufgrund des Kassensturz-Ergebnisses würden die Hygiene-Vorschriften nun erneut überprüft und deren Einhaltung konsequent kontrolliert.

Wie der Kassensturz-Test enthüllte, überschritten auch die Würste der Metzgerei Felber aus Wettingen den Bakterien-Grenzwert um das Achtfache. Gegenüber az will Felber nichts sagen. Der Produktionsverantwortliche sei in den Ferien. Wie die Metzgerei gegenüber Radio Argovia mitteilte, sind die erhöhten Bakterienwerte auf ein technisches Problem zurückzuführen: Man habe in der letzten Zeit Probleme bei der Kühlung der Würste gehabt.

Produzenten arbeiten unhygienisch

Die Gründe der hohen Keimwerte liegen, so der Bündner Kantons-Chemiker Otmar Deflorin, vermutlich in der Herstellung, Verarbeitung und Verpackung der Cervelats. Viele Wurstproduzenten würden zu wenig sorgfältig arbeiten. Zwar würden die Cervelat geräuchert und gebrüht, die empfohlene Temperatur aber offensichtlich nicht eingehalten. Das Problem: So werden die Bakterien nicht oder nur teilweise abgetötet.

Ein weiterer Grund für die verunreinigten Würste: «Die Hersteller arbeiten unhygienisch bei der Lagerung und Verpackung», erklärt Deflorin. Ausserdem würden einige Produkte mit einer zu langen Haltbarkeitsdauer angeschrieben.

Sehr gut abgeschnitten hat hingegen die Zentrum-Metzg in Windisch. Für die Metzgerei ist es ein «Ufsteller», vom Kassenturz ein solch gutes Ergebnis erhalten zu haben. Man achte in der Metzgerei auf eine stets exakte Arbeitsweise, um die Keim-Zahl möglichst zu minimieren.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1