Seetal

Aargauer und Luzerner Seetal wollen mehr am gleichen Strick ziehen

Mehr Seilschaften: Das Aargauer und Luzerner Seetal wollen die Zusammenarbeit fortführen  und verstärken

Mehr Seilschaften: Das Aargauer und Luzerner Seetal wollen die Zusammenarbeit fortführen und verstärken

Der eiserne Vorhang zwischen Luzerner und Aargauer Seetal soll durchlässiger werden. Beide Seiten haben die «Vereinbarung zur kantonsübergreifenden Zusammenarbeit» um fünf Jahre verlängert. Ist die Vereinbarung ein Papiertiger oder eine Chance für die Region?

Am Sonntag nahmen Tausende Freizeitsportler am «slowUp Seetal» teil. Der autofreie Erlebnistag auf einer 24,5 Kilometer langen Strecke lockt jeweils auch viele Teilnehmer aus dem Aargau an. Dabei führt der Rundkurs im Norden nur bis Mosen.

Der slowUp überschreitet also die Kantonsgrenze zwischen dem Aargau und Luzern nicht. Doch die Idee bestand, dies zu ändern und auch den ganzen Hallwilersee einzubeziehen. Ohne Erfolg. «Ausdehnung light 2013 geprüft – nicht möglich. Projekt abgeschlossen.» Mit diesem Eintrag im «Aktionsprogramm KEK Seetal, Stand August 2016» ist das Vorhaben – wenigstens für die Politik – erledigt.

Unterschrift auf der Grenze

KEK steht ursprünglich für «Kantonsübergreifendes Entwicklungskonzept». Heute verwendet man die Abkürzung für die kantonsübergreifende Zusammenarbeit. Die regionalen Entwicklungsträger, der «Lebensraum Lenzburg Seetal» für die Aargauer und «Idee Seetal» für die Luzerner Seite, haben gerade an diesem Wochenende die historische Vereinbarung aus dem Jahr 2011 für weitere fünf Jahre verlängert.

Für diesen Akt sind die Verantwortlichen wieder auf Wasser gegangen. «Lebensraum»-Präsident Daniel Mosimann und sein Luzerner Gegenpart Fredy Winiger, sowie die beiden Geschäftsführer Jörg Kyburz und Anita Dietrich setzten ihre Unterschrift auf der Kursfahrt mit der «MS Fortuna» auf der unsichtbaren Grenze unter das Dokument.

Im Papier sind Ausgangslage und Grundlagen für die Festlegung gemeinsamer Entwicklungsziele festgehalten. Federführend für die Ausarbeitung des Aktionsprogramms ist die paritätisch zusammengesetzte Begleitgruppe mit je vier Aargauer und Luzerner Vertretern. Aktuell vertreten Gabi Lauper Richner (Niederlenz) als Präsidentin der «Lebensraum»-Kerngruppe Raumplanung, Jörg Bruder (Gemeindeammann Seengen), Daniel Lüscher (Vizeammann Hallwil) und Jörg Remund (Vizeammann Boniswil) die Aargauer Farben.

Grenzenlose Schneeräumung

Die Vertragsverlängerung ist Gelegenheit für Rück- und Ausblick. Ist die fünfseitige Vereinbarung bloss ein zahnloser Papiertiger? Gabi Lauper als Präsidentin des KEK Seetal widerspricht. In ihrer Bilanz erwähnt sie simples Beispiel: Schon nach kurzer Zeit habe man erreicht, dass die Kantonsstrassen im Winter nicht nur Seldwyla-Haft bis zur Grenze, sondern pragmatisch bis zu einem sinnvollen Wendepunkt geräumt wurden. Dieser erfolgreiche Vorstoss wurde an andern Kantonsübergängen zwischen Aargau und Luzern kopiert. Lauper: «Man denkt inzwischen einen Meter weiter und nicht nur aufs Seetal beschränkt.»

Reden miteinander, offen sein für sinnvolle gemeinsame Lösung, ist das Hauptziel von KEK Seetal. Nicht immer kommt man zum Ziel. Neben dem ausgedehnten slowUp scheiterte auch der Plan einer kantonsübergreifenden Busverbindung – am fehlenden Geld. Hier sucht man in der nächsten Arbeitsperiode nach einer alternativen Lösung. Taxito, ein Mitfahrdienst auf Abruf, heisst das mögliche Lösungswort.

Viele Ideen der Behördenvertreter an vorderster Front scheitern oft noch an unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Winiger: «Es gibt oft unterschiedliche Gesetze und bei uns gilt der Föderalismus.» Doch im zentralistischeren Luzern und im regionen-betonenden Aargau seien «die Fronten am Aufweichen – mit Potenzial nach oben».

In diesem Zusammenhang sind die bisherigen zwei Seetalkonferenzen ein Erfolg. Man pflegt hier den Dialog über die Region hinaus. Und bei der dritten Auflage im nächsten Oktober wird diese «wichtige Vernetzungsplattform» (Lauper) benutzt, um ein grosses gemeinsames Projekt anzuschieben. Nach dem kleinen pragmatischen Schneepflug folgt nun die Generationenidee ARA Seetal; alle Abwässer zwischen Hochdorf und Aare sollen zentral in Wildegg gereinigt werden.

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