Alliswil
Neue Front im Boniswiler BNO-Streit

Im landschaftlich schönen Dorfteil Alliswil soll dem Bundesinventar mehr Gewicht beigemessen werden.

Anja Suter und Urs Helbling
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Verlangen für dieses Gebiet eine BNO-Anpassung: Christof Sidler (r.) und Urs Ziörjen (l.) vom lokalen Komitee, Matthias Betsche (2. v. l.), Pro Natura, und Arno Stöckli, Landschaftsschutzverband.

Verlangen für dieses Gebiet eine BNO-Anpassung: Christof Sidler (r.) und Urs Ziörjen (l.) vom lokalen Komitee, Matthias Betsche (2. v. l.), Pro Natura, und Arno Stöckli, Landschaftsschutzverband.

Bild: uhg

Seit im November das Projekt für ein 96 Meter langes Wohngebäude mit 29 Wohnungen auflag, ist in Boniswil vieles nicht mehr, wie es war. Das Projekt, das von vielen verächtlich «Staumauer» genannt wird, ist zwischenzeitlich überarbeitet und in Form von zwei Gebäuden (noch 20 Wohnungen) wieder aufgelegt worden. Doch die Wogen haben sich nicht geglättet. Im Gegenteil. Es wird an immer mehr Fronten gekämpft. Zum Teil sind die Natur- und Landschaftschutzverbände mit dabei, zum Teil nicht.

Eine mehrere Hektaren grosse Planungszone?

Es geht längst nicht mehr nur um die «Staumauer». Gemäss einem gestern präsentierten Antrag soll der Gemeinderat dazu veranlasst werden, das mehrere Hektaren umfassende Bauland zwischen der Kantonsstrasse und dem Hallwilersee in Dorfteil Alliswil faktisch einer Planungszone zu unterstellen – was auf ein befristetes Bauverbot hinaus läuft. Dieses soll so lange gelten, bis eine Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) durchgeführt ist, mit der dem Geist des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) mehr Nachachtung verschafft wird (das betroffene Gebiet geniesst BLN-Schutz). Neben dem lokalen Initiativkomitee wird der Antrag von Pro Natura Aargau und dem Landschaftsschutzverband Hallwilersee (LSVH) unterstützt. Die beiden Organisationen hatten gegen das zweite «Staumauer»-Baugesuch keine Einsprache mehr eingereicht.

Komitee hat Angst wegen Verzögerung

Die Boniswiler BNO ist erst seit sechs Jahren in Kraft. Sie hat also ein Alter, in dem normalerweise noch keine Revisionen nötig sind. Dennoch wurde, ausgelöst durch das «Staumauer»-Projekt, an der letzten, an der letzten Gemeindeversammlung ein Antrag für eine Teilrevision überwiesen. Später reichte das Komitee eine Gemeindeinitiative mit rund 200 Unterschriften nach. Der Gemeinderat klärt aktuell, unter anderem mithilfe des Kantons, ab, ob der Initiativtext inhaltlich zulässig ist. Er hat deshalb den Antrag vom letzten November von der Traktandenliste der Juni-Gemeindeversammlung gestrichen. «Wir haben darum Angst, dass die Ziele des Antrags unterlaufen werden», erklärte gestern Komitee-Mitglied Christof Siedler. Darum jetzt der neue Antrag für die faktische Planungszone.

«Schutzinventar BLN zu wenige berücksichtigt»

«Die Boniswiler BNO hat Unklarheiten. Die Themen des BLN sind zu wenig berücksichtigt», erklärte Matthias Betsche, Geschäftsführer Pro Natura Aargau. Man müsse die BNO anpassen, um den Inventar Nachdruck zu verschaffen. «Jetzt muss der Gemeinderat helfen.» Ähnlich argumentierte Arno Stöckli, Co-Präsident des LSVH. «Die Boniswiler BNO geht zu wenig auf die Anforderungen des Hallwilerseeschutzdekretes ein.»

Die Initianten des neuen Antrages an den Gemeinderat betonen, es gehe ihnen nicht darum, das Bauen in Alliswil grundsätzlich zu verbieten. Aber es soll landschaftsverträglich werden, was die BNO vorgeben müsse. Klar ist, dass auch die modifizierte «Staumauer» (im Antrag «Arealüberbauung» genannt) verhindert werden soll.

Am Rand der Medienorientierung wurde bekannt, dass Pro Natura, der LSVH und Anwohner Einsprachen gegen ein Projekt für sechs Terrassenwohnungen anstelle eines noch schönen Hauses am Seeweg 1 (ebenfalls in Alliswil) eingereicht haben.

Den Widerstand aufgegeben hat der LSVH gegen ein Garagen-Projekt an der Unteren Halden (Verlängerung Seeweg). Er war beim Kanton unterlegen und will sich jetzt auf das über den Garagen zu erwartende Terrassenhaus-Projekt konzentrieren.