Forstwirtschaft

Am Samstag verrät Förster Bruder, warum er auf einen kalten Winter hofft

Matthias Bruder im Forst von Dintikon. Er ist Sprössling einer «Försterdynastie».

Der Herr über die Wälder am Rietenberg lädt in Egliswil zum Umgang durch sein Forstrevier.

Der Stammbaum von Matthias Bruder muss tief im Wald stehen, irgendwo hoch oben auf dem Rietenberg: Seit sechs Generationen geht seine Familie der Arbeit des Försters nach. 30 Jahre lang hat sein Vater für den Forstbetrieb Rietenberg gearbeitet, 20 Jahre lang hat Matthias selbst als Förster Erfahrung gesammelt.

Anfang 2018 hat er schliesslich offiziell die Stelle von seinem Vater übernommen. Seitdem ist er mit seinen vier Mitarbeitern und einem Lehrling für 1020 Hektare öffentlichen Wald in Dintikon, Egliswil, Hendschiken, Seengen und Villmergen verantwortlich.

Gut gestartet sei er in seiner neuen Funktion, sagt Matthias Bruder bei einer Zusammenkunft oben am Waldrand von Dintikon. Nur das mit dem Planen, das funktioniere nicht mehr so gut. «Das hat sich in meiner Zeit hier auf dem Rietenberg stark geändert.»

Den Wald vorausschauend bewirtschaften ist nicht mehr möglich. «Seit einigen Jahren gibt uns die Natur vor, was wir zu machen haben.» Das jeweils dringendste Problem bekommt von den Förstern Vorrang, bis es vom nächsten abgelöst wird.

Helfen kann nur noch der Winter

Seien es von der Trockenheit geplagte Tannen, von einem Pilz befallene Eschen oder vom Borkenkäfer zerfressene Reinbestände. «Das Waldbild verändert sich», stellt Bruder fest. «Burglind», Käfer und Trockenheit sorgen für offene Flächen im Wald, immer mehr Holz muss geschlagen werden oder ergibt sich selbst der Schwerkraft. «Wir können gar nicht mehr allen Bedürfnissen gerecht werden.»

Befällt der Borkenkäfer im Mischwald zwei, drei Bäume, muss das warten. Meist drängen anderswo viel dringendere Probleme. Das angesammelte Holz wäre so eines. Unzählige Holzstapel reihen sich mittlerweile an den Waldwegen auf dem Rietenberg.

«Der Holzabsatz geht nicht so schnell vorwärts, wie wir es uns für den Wald wünschen würden, ein europaweites Problem», so Bruder. Alles Holz, das Bruder und seine Kollegen aus dem Wald holen, melden sie den umliegenden Sägereien. Doch, weil deren Nachfrage bei weitem nicht gross genug ist, hofft der Chef des Forstbetriebs Rietenberg nun auf einen frühen Wintereinbruch.

«Die Holzschnitzelheizungen sind aktuell das einzige, das uns helfen könnte.» Ausserdem würden kalte Temperaturen die Aktivität der Borkenkäfer einschränken. «Das würde auch helfen, weil seine Ausbreitung diesen Sommer wegen der Trockenheit noch extremer war als letztes Jahr.» Jammern will Matthias Bruder aber nicht. Vielmehr sei es in diesen Jahren eine Herausforderung für die Forstwirtschaft, die Weichen für die Zukunft des Waldes richtig zu stellen.

Das Ziel von Matthias Bruder ist es, nächstes Jahr eine Bilanz über die Veränderungen im Wald ziehen zu können. Anschliessend könnte dann entschieden werden, welche Flächen neu bepflanzt werden sollen, welche der Natur überlassen werden und welche allenfalls frei bleiben. Nur eines wird Bruder nicht können: Die Natur planen.

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Autor

Michael Küng

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