Mobilfunk

Ammerswil bleibt ein Funkloch – der Ammann ist enttäuscht

Der Gemeinderat Ammerswil wird von der Regierung für seine Standortevaluation kritisiert, erhält aber eine zweite Chance. (Symbolbild)

Der Gemeinderat Ammerswil wird von der Regierung für seine Standortevaluation kritisiert, erhält aber eine zweite Chance. (Symbolbild)

Die Gemeinde Ammerswil liegt in einem der letzten Handy-Funklöcher im Kanton. Der Mobilfunkanbieter Salt will deshalb eine Antenne bauen. Der Regierungsrat hebt nun aber die Baubewilligung auf.

Der Ammerswiler Gemeinderat hat am Freitag dicke Post aus Aarau erhalten: Der Regierungsrat hebt die Baubewilligung für eine Mobilfunkantenne des Mobilfunkanbieters Salt auf. Er heisst damit eine Beschwerde von Gegnern der Antenne teilweise gut. Begründung: Der Standort der Anlage wurde zu wenig gründlich evaluiert; dies unter mit Blick auf Ortsbild- und Landschaftsschutz.

«In der Standort-Evaluation geht es darum, im Ausschlussverfahren den besten Standort zu finden», erklärt Michel Hassler, stv. Leiter vom Kommunikationsdienst des Regierungsrates, auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende». In diesem Fall seien nicht alle Optionen geprüft worden.

Zudem wurden laut Michel Hassler Alternativstandorte ausserhalb der Bauzone dem Kanton nicht zur Stellungnahme vorgelegt. Der Regierungsrat weist deshalb das Bauprojekt an den Gemeinderat zu weiteren Abklärungen zurück.

«Wir haben nicht Unmengen von Standorten»

Gemeindeammann Hanspeter Gehrig reagiert überrascht auf den Entscheid des Regierungsrates – und ist auch enttäuscht: «Ich habe den Eindruck, dass man in Aarau unsere kleine Gemeinde gar nicht kennt. Wir haben in Ammerswil nicht Unmengen von Standorten, wo man eine Handy-Antenne aufbauen könnte.» Der Gemeinderat habe genau geprüft, welche Standorte sich für eine Mobilfunkanlage eignen und auch Sinn machen. «Vielleicht haben wir diese Prüfung in den Unterlagen zum Bauprojekt etwas zu wenig detailliert beschrieben», so Gemeindeammann Hanspeter Gehrig.

50'000 Franken gegen Antenne?

Der Entscheid des Regierungsrates ist ein Erfolg für die Gegner der Mobilfunk-Antenne. Auch die Kritiker wollen das Funkloch in Ammerswil schliessen, aber nicht mit dieser Anlage: Die Antenne würde das Ortsbild massiv beeinträchtigen, wird im Dorf seit Monaten kritisiert. Zudem liege der geplante Standort im kinderreichsten Quartier der Gemeinde, die gesundheitlichen Risiken seien zu gross.

Im Sommer 2016 überwies deshalb die Ammerswiler Gemeindeversammlung dem Gemeinderat einen Antrag, mit allen Mitteln gegen die Mobilfunk-Antenne von Salt zu kämpfen – wenn nötig mit Steuergeldern bis maximal 50 000 Franken für juristische Beratungen. Die Wintergemeindeversammlung lehnte diesen Weg jedoch ab. Gegen diesen negative Entscheid wiederum ergriffen die Gegner der Antenne das Referendum, 138 der 480 Stimmbürger unterschrieben dieses.

Im Februar 2017 implodierte jedoch der Widerstand: Mit 108:150 Stimmen entschieden die Ammerswiler, dass sich die Gemeinde nicht gegen die Salt-Antenne engagieren soll.

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Autor

Pascal Meier

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