Staatsanwaltschaft
Anklage steht: Der Luxusauto-Pleitier Santoro muss sich wegen Betrugs verantworten – und mehr

Nach sechsjähriger Untersuchung der Pleite der Aargauer Luxusauto-Firma von Riccardo Santoro hat die Staatsanwaltschaft einen 46-jährigen Schweizer angeklagt. Der Autohändler hatte Luxus-Karossen zu aussergewöhnlichen Konditionen verleast.

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Der Prozess gegen Autohändler Riccardo Santoro ist auf maximal 13 Tage angesetzt. Er beginnt am Montag, 7. Januar 2019.
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Aufsehenerregende Aktion am 25. Mai 2011 in Dintikon: Fidis Finance schickt 17 Sattelschlepper zu Santoros SAR Premium Cars.
Fidis Finance lässt über 60 Fahrzeuge bei der SAR Premium Cars in Dintikon abholen.
Danach kollabiert Santoros Autoimperium.
Gähnende Leere nach der Räumung im verwaisten Areal des SAR Premium Cars.
Mai 2012: Diese Fahrzeuge aus SAR-Leasingpleite kommen unter den Hammer.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
Diese Fahrzeuge werden versteigert.
«Sämtliche Vorwürfe gegen mich sind haltlos»: Riccardo Santoro äusserte sich im Sommer 2011 in der AZ erstmals zum Fall SAR Premium Cars.
Sommer 2012: Die Staatsanwaltschaft versteigert 40 beschlagnahmte Autos der SAR Premium Cars.
Santoro zu seinen besten Zeiten: In der Kundenkartei des bekannten Garagisten stehen unzählige Namen von Prominenten.
Santoro Villa unter dem Hammer

Der Prozess gegen Autohändler Riccardo Santoro ist auf maximal 13 Tage angesetzt. Er beginnt am Montag, 7. Januar 2019.

Archiv/EFL

Riccardo Santoro muss sich wegen Misswirtschaft, gewerbsmässigen Betrugs und mehrfacher Veruntreuung verantworten.

Der Angeklagte war Betreiber der SAR premium cars AG in Dintikon. Er ist nicht geständig, wie die Aargauer Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Der Strafantrag für den Mann wird an der Hauptverhandlung am Bezirksgericht Lenzburg gestellt.

Der Schweizer hatte eine Garage, die seit 2007 äusserst günstige und flexible Autoleasings anbot. Die meisten Leasings waren über die damalige Fidis Finance (Suisse) SA abgeschlossen worden. Santoros Leasingpleite seiner SAR Premium Cars AG entwickelte sich schnell zum Wirtschaftskrimi.

Wegen der für die Kunden sehr vorteilhaften Leasingkonditionen konnte die SAR zwar sehr viele Kunden gewinnen, erlitt aber gemäss Staatsanwaltschaft langfristig hohe Verluste, wenn sie nach Beendigung des Leasings das Fahrzeug von Fidis zurückkaufen musste.

Die andauernden Verluste hatten zur Folge, dass die SAR ab Ende 2010 den Geschäftsbetrieb nur noch weiterführen konnte, weil Fidis Rückzahlungsverpflichtungen der SAR aufschob. Es gab die Hoffnung, die SAR könne so saniert werden.

Fahrzeuge abtransportiert

Ende Mai 2011 liess Fidis alle Fahrzeuge vom Verkaufsplatz der SAR abtransportieren und reichte daraufhin Strafanzeige gegen den Beschuldigten ein. Kurz darauf wurde über die SAR der Konkurs eröffnet.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, dass er durch sein Geschäftsmodell die Überschuldung der SAR bis spätestens per Ende 2009 und die Zahlungsunfähigkeit bis spätestens Ende 2010 herbeigeführt hatte.

Dies erfülle den Tatbestand der Misswirtschaft. Er soll auch die Buchhaltung der SAR gefälscht haben, um die schlechte finanzielle Lage der Firma zu verbergen.

Im Zusammenhang mit Leasing-Fahrzeugen veruntreute der Beschuldige gemäss Anklage insgesamt 89 Fahrzeuge und beging bei 50 Fahrzeugverkäufen gewerbsmässigen Betrug. Er soll unter anderem die Rücknahme von Leasing-Autos verheimlicht und diese anschliessend verkauft haben.

In Bezug auf den gewerbsmässigen Betrug wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor, Leasing-Autos gleichzeitig an zwei Leasinggesellschaften oder unter falschen Angaben von Fahrzeugdaten doppelt an die gleiche Leasinggesellschaft verkauft zu haben.

Der Deliktsbetrag aus den vorgeworfenen Veruntreuungen und Betrugsdelikten beläuft sich gemäss Staatsanwaltschaft auf über 17 Millionen Franken. Weiter wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor, in 191 Fällen Urkundenfälschung begangen zu haben.

Akten füllen 376 Bundesordner

Die Untersuchung der Pleite der Luxusauto-Firma überlastete zeitweise die Staatsanwaltschaft. Der Grosse Rat hatte im März 2012 einen Kredit von 3,4 Millionen Franken bewilligt, um acht zusätzliche Stellen für die Dauer von drei Jahren zu schaffen.

Die Strafuntersuchung war enorm aufwändig, auch weil teils schweizweit bekannte Personen zu den Kunden gehörten. In akribischer Kleinarbeit mussten hunderte Autoverkäufe rekonstruiert werden.

Die Verkäufe seien in den Geschäftsunterlagen der SAR schwer nachvollziehbar, unvollständig, falsch oder gar nicht dokumentiert gewesen, hält die Staatsanwaltschaft fest. Die Verfahrensakten füllen insgesamt 376 Bundesordner, und die Anklageschrift zählt 355 Seiten.

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